Die katholische Kirche in Spanien fordert ein Ende der politischen Debatten über die sogenannte nationale Priorität. "Wir müssen dieses Thema endlich hinter uns lassen", sagte der Vorsitzende der Spanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Luis Argüello, am Dienstag bei einem Forum in Madrid.
Die von der rechtspopulistischen Vox-Partei vorgeschlagene Idee, Spanier bei der Vergabe von Sozialleistungen, Wohnraum oder Hilfen grundsätzlich vor Einwanderern zu bevorzugen, ruft derzeit nicht nur politische Debatten hervor, sondern auch Spannungen zwischen den Rechtspopulisten und der Bischofskonferenz.
Nachdem die Bischöfe vor Wochen die von Vox geforderten Maßnahmen scharf kritisiert hatten, bezichtigten Vox-Vertreter einzelne Bischöfe, mit der Betreuung illegaler Migranten ein Geschäft zu machen.
"Nächstenliebe beginnt nicht im eigenen Haus"
Die von Vox geforderte "nationale Priorität" ist nach Einschätzung von Erzbischof Argüello von der Maga-Ideologie um US-Präsident Donald Trump beeinflusst. Sie habe aber kein Fundament, so der Erzbischof von Valladolid: "Es stimmt nicht, dass Nächstenliebe im eigenen Haus beginnt." Würde sei universell – und "das Gemeinwohl nicht länger nur lokal", so Argüello.
Natürlich habe der Staat das Recht, Migrationsströme zu regulieren. Doch sobald die Migranten einmal angekommen sind, müsse man sie mit Würde behandeln, argumentierte der Erzbischof.
Mit Blick auf den Spanien-Besuch von Papst Leo XIV. Anfang Juni rief er alle politischen Parteien und speziell Vox zu einem konstruktiven Dialog in der Migrationspolitik auf.
Migration im Fokus des Papstbesuchs
Der Papst will in Spanien das Migrationsdrama in den internationalen Medienfokus stellen. Hierfür besucht er eigens auch die Kanarischen Inseln vor der Westküste Afrikas, die seit Jahren unter einem hohen Migrationsdruck afrikanischer Bootsflüchtlinge stehen.
Vox-Generalsekretär Ignacio Garriga versicherte am Dienstag, seine Partei werde den Besuch von Papst Leo XIV. nicht politisieren. Zugleich zeigte er sich aber überzeugt, dass eine "überwältigende Mehrheit der Spanier" hinter der Idee der "nationalen Priorität" stehe. Und dafür werde sich Vox weiter einsetzen, antwortete Garriga auf die Bitte von Erzbischof Argüello, das polarisierende Thema endlich zu beenden.