Patriarch Sako ruft Iraker zum Dialog auf

"Sorge und Liebe zum Heimatland"

Der chaldäische Patriarch Kardinal Louis Raphael I. Sako hat Iraks Politiker nach den Parlamentswahlen vom 10. Oktober zur Rückkehr zum Dialog aufgerufen und eine Lektion aus den vergangenen Wahlen zu ziehen.

Frauen im Nordirak warten auf Hilfsgüter  (dpa)
Frauen im Nordirak warten auf Hilfsgüter / ( dpa )

"Nach allem, was wir durchgemacht haben, sehe ich, dass die 'politische Blockade' niemandem nützt", mahnte er in einem am Sonntag von der Kirche veröffentlichten Appell. Er appelliere aus patriotischer Verbundenheit sowie "Sorge und Liebe zu unseren Bürgern und dem Heimatland" an sie, Vernunft walten zu lassen, zur Ruhe zurückzukehren und die Situation nicht zu verschärfen.

Als "große Sünde" bezeichnete das Oberhaupt der katholischen Ostkirche, den inneren Frieden und die Sicherheit der Bürger zu missachten. Es sei das Recht der Gewinner, sich zu freuen, nicht jedoch, die Verlierer "zu brechen". Wer sich ungerecht behandelt fühle, müsse Gerechtigkeit einfordern, nicht jedoch zu den Waffen greifen.

Zurückhaltung Ausdruck von Enttäuschung

Sako rief ferner dazu auf, eine Lektion aus den vergangenen Wahlen zu ziehen. Er hoffe, dass "die Politiker verstehen, dass die Zurückhaltung der Mehrheit der Bürger bei der Wahl ihre Enttäuschung zum Ausdruck bringt".

Am Sonntag hatten laut Medienberichten hunderte Menschen in der irakischen Hauptstadt Bagdad sowie im südirakischen Basar gegen das Wahlergebnis protestiert. Bei den Demonstranten handelte es sich demnach um Anhänger pro-iranischer Gruppen, die bei den Wahlen große Verluste hinnehmen mussten. Mehrere schiitische Gruppen im Land beklagen schwerwiegende Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen und lehnen das Ergebnis ab. Als Sieger gilt nach vorläufigen Ergebnissen die Strömung des schiitischen Geistlichen und Milizenführers Muktada al-Sadr.

Wahl gut organisiert undweitgehend regelkonform

An der Wahl, die unter hohen Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt wurde, nahmen mit rund 43 Prozent so wenige Wahlberechtigte wie nie seit dem Sturz von Saddam Hussein im Jahr 2003 teil. Auslöser für die vorgezogene Parlamentswahl waren Massenproteste 2019 und 2020 aus Unmut über verbreitete Korruption, den Einfluss militarisierter Gruppen und soziale Missstände.

Die EU-Wahlbeobachtungsmission unter Leitung der deutschen Abgeordneten Viola von Cramon nannte das Fernbleiben vieler Stimmberechtigter eine "klare Botschaft an die politische Elite". Die Delegation bewertete die Wahl als gut organisiert und weitgehend regelkonform.


 Louis Raphael I. Sako / © Paolo Galosi (KNA)
Louis Raphael I. Sako / © Paolo Galosi ( KNA )
Quelle:
KNA
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