Kardinal Woelki warnt vor Entchristlichung der Gesellschaft
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat zum Jahreswechsel vor einer weiteren Entchristlichung der Gesellschaft gewarnt. "Das Christentum ist ein Randphänomen geworden", so Woelki in seiner Silvesterpredigt. Es habe seine zivilisatorische Kraft, auf der das kulturelle und soziopolitische Gefüge Europas aufgebaut sei, fast ganz verloren. Eine rein säkulare Weltdeutung reiche jedoch nicht aus, um dem menschlichen Bedürfnis nach Sinn und Halt zu entsprechen.
Säkularisierung bezeichnete der Kardinal nicht als grundsätzlich negativ. Eine maßvolle Entflechtung von Religion und öffentlichem Leben könne im Gegenteil Chancen mit sich bringen. So habe die europäische Aufklärung neue wissenschaftliche Methoden und ein moralisches Wertesystem hervorgebracht. Problematisch sei aber eine völlige Abkehr vom Glauben. Eine Welt ohne Gott werde schnell unmenschlich. Für Christen gründe dieser Sinn in Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden sei.
Marx zu Ukraine-Krieg: Schande, dass Christen einander umbringen
Zum Jahresabschluss hat der Münchner Erzbischof Reinhard Marx den anhaltenden Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine scharf kritisiert. "Was für eine Schande, was für eine Blasphemie, dass sich getaufte Christen gegenseitig umbringen", sagte er an Silvester bei einer Andacht in der Münchner Jesuitenkirche. Angesichts des Jahreswechsels warb er bei allen Krisen dennoch um Zuversicht. "Wir gehen in ein Jahr voller Fragezeichen, aber an der Seite Jesu." Niemand könne die Hoffnung zerstören, dass Jesus Christus am Ende das letzte Wort habe.
"Ich gehe mit großen Sorgen in die Zukunft, vielleicht mit größeren, als ich je gehabt habe", bekannte Marx. "Wir erleben heute wahrscheinlich einen Epochenwandel, der tiefer geht, als wir heute sehen." Dennoch habe er große Hoffnung, dass die Kirche in diesen Zeiten etwas erreichen könne. Die Welt brauche das christliche Zeugnis: "Was immer an der Seite Jesu geschehen kann, das bringen wir als Kirche ein."
Bischof Bätzing: Jahreswechsel zum Perspektivwechsel nutzen
Zu einem bewussten Perspektivwechsel ermutigt der katholische Limburger Bischof Georg Bätzing am Silvesterabend. "Fehlt es eigentlich an guten Nachrichten - oder erzählen wir zu wenig davon?", fragte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in seiner Predigt im Frankfurter Sankt-Bartholomäus-Dom. Hoffnung entstehe dort, wo Menschen Verantwortung übernähmen und auf die Gnade Gottes vertrauten.
Viele Menschen schauten keine Nachrichten mehr - nicht aus Desinteresse, sondern weil es sie einfach zu traurig mache. Deshalb brauche es Erzählungen, die Mut machen. Unkontrollierte Mediennutzung könne insbesondere für Kinder und Jugendliche eine Gefahr darstellen. Zugleich könne Langeweile zur "Mutter der Kreativität" werden, betonte Bätzing. Es lohne sich daher, Kindern und Jugendlichen Freiräume zuzutrauen - dann sei es "unglaublich, was in ihnen alles steckt".
Erzbischof Gössl: Jeder Einzelne kann christliche Hoffnung verbreiten
Nach Ansicht des Bamberger Erzbischofs Herwig Gössl ist jeder einzelne Christ wichtig, um die Botschaft der Hoffnung weiterzutragen: Das sagte er an Silvester im Bamberger Dom. Ein Einzelner könne zwar nicht alleine einen Krieg beenden, den er nicht begonnen habe, oder allein etwas gegen den Klimawandel tun. Doch der christliche Glaube könne diesen Entwicklungen etwas entgegensetzen.
Dieser sei das beste Heilmittel gegen Egoismus, Intoleranz, Hass und Hetze, sagte Gössl. Im Jahr 2025 seien viele Dinge passiert, die Anlass zur Hoffnungslosigkeit gegeben hätten. Doch das Heilige Jahr habe auch viele Zeichen und Orte der Hoffnung sichtbar gemacht und gezeigt, wie der Alltag von christlicher Hoffnung durchdrungen sei.
Aachener Bischof Dieser kritisiert politische Debattenkultur
Der Aachener Bischof Helmut Dieser hat zum Jahreswechsel die aus seiner Sicht aufgeregten politischen Debatten in Deutschland kritisiert. Um Begriffe wie "Brandmauer" oder "Stadtbild" sei zuletzt ein Getöse entstanden, während tragfähige Lösungen zunehmend schwerer fielen, so Dieser in seiner Silvesterpredigt. "Die Erregungen gehen hin und her, auf und ab. Eine zielsichere Lösung der umstrittenen Themen aber fällt denen, die eine gemeinsame Mehrheit haben, immer schwerer."
Der Geistliche rief dazu auf, Polarisierung und Sprachlosigkeit zu überwinden. Die Kraft dazu könne aus dem Glauben kommen, der Menschen auch in Krisen trage. Dieser verwies auf den von Papst Franziskus angestoßenen Weg zu mehr Synodalität in der Kirche. Dabei gehe es um geistliches Zuhören, freimütiges Reden und gemeinsames Entscheiden. "Wenn wir in der Kirche eine synodale Kultur gewinnen, zeigt und bewirkt sie das Gegenteil von bloßer Aufregung und Getöse, durch die noch nichts gewonnen ist."
Bischof Kohlgraf appelliert an Bereitschaft zum Frieden
Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat zum Jahreswechsel die Menschen zu positivem Denken aufgerufen. "Wer nur das Schlechte sieht, ist blind geworden für die Gottesherrschaft in dieser Welt, wer nur noch hoffnungslos ist, gibt dem Guten und der Dankbarkeit keinen Raum mehr", sagte Kohlgraf in seiner Predigt im Jahresabschlussgottesdienst im Mainzer Dom. Göttlicher Auftrag sei es, "aus unseren Häusern und Gemeinden Häuser des Friedens zu machen, wo wir Gemeinschaft leben und jede Feindseligkeit überwinden".
Der Friede dürfe "nicht nur ein frommer Wunsch bleiben, wenn wir bei uns anfangen", sagte Kohlgraf. "Schon aus Selbstliebe sollte man die zerstörerische Saat von Hass und Verachtung nicht in sich wirken lassen", appellierte der Bischof. Auch Jesus Christus wolle eine Welt voller Hass, Unterdrückung, Armut und Krieg gemeinsam mit den Menschen erlösen und erneuern. Kohlgraf erinnerte außerdem daran, wie kostbar Freundschaften für das Leben seien. Menschen stifteten durch ihr Wort, Miteinander und ihre Aufmerksamkeit viel Gutes.
Osnabrücker Bischof Meier ruft zu Zuversicht und Engagement auf
Der Osnabrücker Bischof Dominicus Meier hat zum Jahreswechsel zu Zuversicht, Offenheit und gesellschaftlichem Engagement aufgerufen. Christinnen und Christen sollten sich nicht in Nostalgie oder Resignation verlieren, sondern mutig nach vorn schauen und Verantwortung für Kirche und Gesellschaft übernehmen, so Meier in seiner Silvesterpredigt.
Meier verwies auf das von Papst Franziskus ausgerufene Heilige Jahr 2025, das unter dem Motto "Pilger der Hoffnung" stand. Es zeichnen sich nach Meiers Worten unter anderem dadurch aus, dass sie solidarisch handeln, Not nicht verdrängen, Extremismus ablehnen und sich für Demokratie, Freiheit und den Schutz der Schöpfung einsetzen. Christlicher Glaube dürfe nicht zur Abwertung anderer instrumentalisiert werden, betonte er. Vielmehr gehe es um Verständigung, Respekt gegenüber anderen Kulturen und Religionen sowie um den Einsatz für ein friedliches Miteinander.
Fuldaer Bischof wendet sich an Silvester gegen Nationalismus
Zum Jahreswechsel hat sich der Fuldaer katholische Bischof Michael Gerber gegen einen Rückzug ins Private und gegen Nationalismus gewandt. "Polarisierungen in unserem Land und weltweit haben zugenommen. Wir erleben massive Prozesse der Entsolidarisierung", sagte Gerber in seiner Silvesterpredigt im Fuldaer Dom. Er verwies auf den Rückgang der Entwicklungshilfe und auf das Infragestellen von internationalen Vereinbarungen und Partnerschaften.
"Angesichts der vielen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen scheint die Menschheit insgesamt in eine große Stress-Situation gekommen zu sein", sagte der Bischof. In solchen Krisensituationen entstünden leicht Abwehrreaktionen. Gerade heute sei diese Dynamik jedoch fatal, betonte Gerber: "Die großen sozialen, ökonomischen und ökologischen Fragen lassen sich heute nur aus einer globalen Perspektive lösen." Nationale Lösungen griffen zu kurz.
Diözesanadministrator ruft zu Engagement für Gemeinwohl auf
Der Diözesanadministrator des Bistums Münster, Antonius Hamers, hat die Menschen zur Übernahme von Verantwortung aufgerufen. "Wir brauchen Gemeinsinn und Tugendsinn", sagte Hamers am Mittwoch im Silvestergottesdienst in Münster. "Wir brauchen Menschen, die Verantwortung übernehmen für das Wohl aller, die sich für das Gemeinwohl engagieren", erklärte Hamers, der bis zur Wahl eines neuen Bischofs das Bistum leitet.
Teilhabe und Engagement seien in der Demokratie wichtig, erklärte Hamers. Er habe großen Respekt vor allen, die sich - haupt- oder ehrenamtlich - im staatlichen oder kirchlichen Bereich engagierten. "Unsere Kommunen und Pfarreien sind auf dieses Engagement angewiesen, wir alle sind darauf angewiesen, dass andere Verantwortung übernehmen", sagte der katholische Theologe.