Hilfswerke und Kirche fordert Hilfe für Flüchtlinge an türkischer Grenze

"Sie brauchen dringend humanitäre Hilfe"

Angesichts der Lage von Flüchtlingen an der griechisch-türkischen Grenze fordern Hilfswerke und die Kirchen rasche Hilfen. Man müsse in dieser prekären Lage umgehend handeln, die Bundesregierung solle Flüchtlinge aus Griechenland aufnehmen. 

Flüchtlingskrise in Griechenland / © Michele Brusini (shutterstock)
Flüchtlingskrise in Griechenland / © Michele Brusini ( shutterstock )

Zuletzt äußerte sich der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg. "Es geht hier um Menschen und ihre Existenz. Sie brauchen dringend humanitäre Hilfe", so der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) gegenüber der "Passauer Neuen Presse" am Mittwoch. Europa müsse diese Aufgabe gemeinsam angehen. "Wir müssen den Menschen helfen, die vor dem Krieg in Nordsyrien fliehen".Eine Abschottung sei nicht möglich, erklärte Sternberg. "Wir werden sicher auch Flüchtlinge aufnehmen müssen." 

Mit 2015, dem Jahr der großen Flüchtlingsbewegung nach Deutschland, verbinde er "kein Chaos, sondern eine bisher nie dagewesene humanitäre Leistung des gesamten deutschen Volkes. Die sollten wir nicht kleinreden". Die Integration in Deutschland sei erstaunlich gut gelungen, sagte Sternberg: "Ein hoher Anteil der Menschen, die damals gekommen sind, ist heute beschäftigt und in den Sozialversicherungen."

Marx, Woelki und Hollerich forden Solidarität mit Flüchtlingen 

Zum Auftakt der Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Mainz drängten auch Reinhard Kardinal Marx und Rainer Kardinal Woelki auf eine schnelle Lösung. "Dass wir uns da raus halten können und sagen 'Das geht uns nichts an' halte ich für unwahrscheinlich und nicht akzeptabel", betonte der Reinhard Kardinal Marx, am Montag zum Auftakt der Vollversammlung der Bischöfe in Mainz. Europa müsse eine Antwort finden, mahnte er. Außerdem müsse die Kirche nach ihren Möglichkeiten den Menschen in Not helfen und zugleich die politisch Verantwortlichen dabei unterstützen, nach Lösungen im Syrien-Krieg zu suchen. Insgesamt, so Marx, handele es sich um eine "sehr, sehr herausfordernde Situation".

Auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki forderte Solidarität mit den Flüchtlingen. "Lassen wir uns ein auf die, die jetzt an den Grenzen Europas stehen und an unseren Grenzen anklopfen, die auf der Flucht sind vor Krieg und vor Terror", appellierte Woelki. 

Der Vorsitzende der EU-Bischofskommission COMECE, Luxemburgs Kardinal Jean-Claude Hollerich, beklagte im Interview mit DOMRADIO.DE: "Ich schäme mich, wenn ich lese, dass Flüchtlinge als Problem abgestempelt werden." Er plädierte dazu, Flüchtlinge aufzunehmen und Griechenland zu helfen. "Wenn wir nicht mehr fähig sind, Leute in größter Not aufzunehmen, dann soll man bitte den Diskurs über die christlichen Wurzeln Europas nicht mehr führen", sagte der Kardinal.

Auf der türkischen Seite der Grenze harren derzeit nach UN-Angaben rund 13.000 Menschen - viele Geflüchtete aus Syrien - aus; darunter sind schätzungsweise 40 Prozent Familien mit Kindern. Schon seit Monaten machen Hilfswerke auf die prekäre Situation der Flüchtlinge aufmerksam.

"Die hygienischen Verhältnisse spotten jeder Beschreibung"

Angesichts der Lage der Flüchtlinge auf den ostägäischen Inseln und an der griechisch-türkischen Landgrenze fordert das Kinderhilfswerk terre des hommes die Bundesregierung dringend auf, in einem ersten Schritt 5.000 besonders schutzbedürftige Menschen aufzunehmen. "Ferner muss die Bundesregierung darauf dringen, dass sich möglichst viele EU-Mitglieder diesem Aufnahmeprogramm anschließen", heißt es in einem Appell, über den die "Neue Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch) berichtete.

Birte Kötter aus dem Vorstand des Hilfswerks sagte der Zeitung: "Anstatt den schäbigen EU-Türkei-Deal fortzusetzen und die EU-Grenzen gewaltsam gegen Menschen auf der Flucht abzuschotten, muss die Bundesregierung die Initiative ergreifen." Deutschland dürfe nicht darauf warten, dass sich alle 27 EU-Mitgliedstaaten auf ein einheitliches Vorgehen einigen. Viele deutsche Städte und Kommunen, in denen Menschen bereit seien, Flüchtlinge aufzunehmen und zu betreuen, warteten auf ein humanitäres Signal.

In den Aufnahmelagern der ostägäischen Inseln befinden sich nach Angaben der Regierung Griechenlands rund 42.000 Flüchtlinge, "davon etwa die Hälfte Minderjährige", sagte Kötter. Die Camps seien hoffnungslos überbelegt: "Die hygienischen Verhältnisse spotten jeder Beschreibung." Außerdem gebe es nicht genug zu essen. Viele schwer traumatisierte Kinder leben dem Hilfswerk zufolge ungeschützt unter aufgeweichten Zeltplanen.

Schnelle Aufnahme von Flüchtlingen naus Griechenland

Auch Marie von Manteuffel, Flucht- und Migrationsexpertin von "Ärzte ohne Grenzen" Deutschland, forderte, die Bundesregierung müsse endlich für eine Lösung eintreten, die zuallererst Menschenleben respektiere und schütze. Sie sprach sich ebenfalls für eine schnelle Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland aus und betonte: "Es geht in einem ersten Schritt um mehr als 140 Kinder und ihre Familien." Diese litten unter chronischen und komplexen Krankheiten, die auf den Inseln nicht behandelt werden könnten, wie Epilepsie und Herzerkrankungen.

Prof. Sternberg / © Ottersbach (DR)
Prof. Sternberg / © Ottersbach ( DR )
Kardinal Marx predigt / © Arnold (dpa)
Kardinal Marx predigt / © Arnold ( dpa )
Kardinal Woelki (DR)
Kardinal Woelki / ( DR )
Quelle:
KNA , epd
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