DOMRADIO.DE: Sie haben sich für die Sendung "Meine Playlist" auch Titel der Höhner gewünscht. Einer geht sehr zu Herzen, er handelt von einem verstorbenen Mädchen. Wie kam es dazu?
Henning Krautmacher (Sänger): Auf mein Betreiben ist dieser Song "Julia" aufgenommen worden. Es geht um ein junges Mädchen, das es leider aufgrund einer Leukämieerkrankung nicht geschafft hat. Aber die Eltern waren bereit, zuzustimmen, den Song aufzunehmen, um damit für Hoffnung zu werben, sich typisieren zu lassen, zum Beispiel bei der DKMS, bei der ich Botschafter bin.
Das war die Gelegenheit, über einen Song dafür die Werbetrommel zu rühren, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Schlimm genug, dass Julia leider verstarb, aber ihr kleiner Bruder ist da, und das ist doch auch wieder schön.
DOMRADIO.DE: Sie haben auch ein Leben vor dem Ruhm mit der Band "Höhner" gehabt. Was haben Sie damals gemacht?
Krautmacher: Mein Weg war zumindest kein geradliniger. Das kann ich gar nicht sagen. Ich war Journalist und angehender Heilpädagoge, aber mir kam dann immer irgendwie die Musik in die Quere. Und der bin ich dann bekanntlich immer treu geblieben.
DOMRADIO.DE: Die Höhner haben Sie dann berühmt gemacht. Welches Fazit ziehen Sie nach Ihrer jahrzehntelangen Zusammenarbeit mit dieser erfolgreichen Band?
Krautmacher: Um es auf den Punkt zu bringen: Die Höhner haben mich auch geprägt. Ich habe sehr viel gelernt. Ich habe Teamgeist erfahren. Ich habe auch gelernt, mich unterzuordnen und dennoch meine Aufgabe zu erfüllen, nämlich die des Frontmanns, der ja immer überschätzt wird. Der erfüllt auch nur eine Aufgabe, nämlich Sprachrohr einer Band zu sein.
DOMRADIO.DE: Wie ist es eigentlich für Sie, zu wissen, dass Sie den Karneval, so auch den vergangenen, immer ohne die Höhner erleben?
Krautmacher: Es ist nicht so, dass es mir wehtut. Im Gegenteil, ich gucke mit großer Wonne auf die Entwicklung, die auch eine interessante ist. Ich bin dem lieben Gott dankbar dafür, dass ich bei den Höhnern war.
DOMRADIO.DE: Sind Sie ein nachdenklicher Mensch?
Krautmacher: Ja. Wer von mir glaubt, dass ich immer nur dieser lustige Mensch auf der Bühne war, der "Viva Colonia" singt: weit gefehlt. Ich bin und war immer gerne der Clown. Aber um es mal mit der Metapher von Heinz Rühmann zu sagen: "Aber selber gelacht hat er nicht." Ich habe schon selbst gelacht, aber ich bin ein durchaus nachdenklicher Mensch, auch ein politischer.
DOMRADIO.DE: Sind Sie auch ein leidenschaftlicher Mensch für die Kirche?
Krautmacher: Ja, ich habe eine große Leidenschaft für den Glauben. Ich bin nicht immer mit allem einverstanden, was in der Kirche, egal in welcher Religionsgemeinschaft, passiert. Aber ich weiß, dass Menschen dahinterstecken, und die machen Fehler. Aber ich finde, der Glaube ist etwas ganz Wichtiges. Und er hat vielen Menschen schon geholfen.
Glauben heißt, Hoffnung haben, und die Hoffnung und damit auch der Glaube sterben bekanntlich ja immer zuletzt. Wenn wir das nicht mehr haben, wenn wir nicht mehr glauben, nicht mehr hoffen können, dann haben wir nichts mehr, woran wir uns festhalten können.
DOMRADIO.DE: Und siehe da: Gott scheint auch an die Höhner geglaubt zu haben?
Krautmacher: Es gibt kaum einen Song im Repertoire der Band, in dem der liebe Gott nicht thematisiert wird. Auch Demut ist in diesem Zusammenhang wichtig. Spätestens, wenn du eine schwere Erkrankung hinter dich gebracht hast und es dann am Ende gut gegangen ist, wirst du wissen und gelernt haben, was Demut ist, was unfassbar schön ist.
Der Glaube findet im Kopf statt und hat auch mit Demut zu tun. Das heißt also, mit dem Erkennen einer Situation und nicht einfach als selbstverständliche Empfindung, wenn das Schicksal einem mal positiv zuspielt.
DOMRADIO.DE: Sie haben bekanntlich die Höhner verlassen und sich u.a. auf die Familie konzentriert. Ihre Frau war schwer erkrankt, es geht ihr Gott sei Dank wieder gut. Wie stehen Sie heute nach Ihrem Ausstieg zu Ihrer "alten" Band?
Krautmacher: Wann immer es erforderlich ist, sprechen wir uns ab. Ich bekomme natürlich Anfragen, ob ich irgendwo was machen könnte. Ich bin auch schon mal in die Bresche gesprungen und habe einen Termin wahrgenommen. Dann passiert das aber immer in Absprache.
Also: Ich werde den Teufel tun, den Jungs da noch irgendwie in die Quere zu kommen. Die machen einen tollen Job. Um ehrlich zu sein, ich finde sie besser als vorher zu meinen Zeiten. Und das ist wunderbar. Das freut mich.
Das Interview führte Bernd Knopp.