Religionen starten Solidaritätsaktionen für Ukraine

Ökumenisch und interreligiös

Verschiedene Religionsgemeinschaften haben ihre Solidarität mit den Menschen in der Ukraine bekräftigt. So sollen in vielen Kirchen Europas am Donnerstagmittag die Glocken sieben Minuten lang für den Frieden läuten.

Glocke in einem Glockenstuhl / © Julia Steinbrecht (KNA)
Glocke in einem Glockenstuhl / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Darunter sind die Dresdner Frauenkirche, der Naumburger Dom und der Wiener Stephansdom, wie die Europäische Vereinigung der Dombaumeister, Münsterbaumeister und Hüttenmeister am Mittwoch ankündigte. Jede Minute Läuten stehe für einen Tag seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine.

Friedensgottesdienste in alphabetischer Reihenfolge

Im Zeichen der Verbundenheit mit der Ukraine steht auch eine Initiative des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) zur Fastenzeit. Bis Ostern feiert täglich ein Vertreter der katholischen Kirche eines Landes einen Gottesdienst mit der Bitte um Frieden. Den Beginn macht nach alphabetischer Reihenfolge Albanien am Aschermittwoch. Für Deutschland wird am 14. März der stellvertretende Bischofskonferenz-Vorsitzende Franz-Josef Bode im Osnabrücker Dom einen Gottesdienst feiern.

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) appellierte an den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I., sich für ein Ende des Krieges einzusetzen. Kyrill solle bei den Behörden intervenieren und vermitteln, um diesen Krieg, das Blutvergießen und das Leiden zu beenden und sich um Frieden durch Dialog und Verhandlungen zu bemühen, heißt es in dem Brief an den Moskauer Patriarchen.

Ökumenischer Rat der Kirchen

Dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), auch Weltkirchenrat genannt, gehören derzeit 352 protestantische, anglikanische, orthodoxe und altkatholische Kirchen sowie kirchliche Gemeinschaften in mehr als 120 Ländern an. Sie repräsentieren weltweit über 580 Millionen Christen. Der Dachverband versteht sich als Forum für Austausch und Dialog sowie als Impulsgeber der christlichen Gemeinschaften für Politik, Kultur und Gesellschaft.

Papst Franziskus besucht Weltkirchenrat / © Paul Haring (KNA)
Papst Franziskus besucht Weltkirchenrat / © Paul Haring ( KNA )

Gebet und materielle Unterstützung

Derweil riefen die deutschen katholischen Bischöfe zur Unterstützung für die Menschen in der Ukraine auf. "Öffnen wir Flüchtlingen unsere Türen und Herzen", forderte der Augsburger Bischof Bertram Meier. Er beging den Aschermittwoch gemeinsam mit seinem Amtsbruder für die katholischen Ukrainer des ostkirchlichen Ritus in Deutschland und Skandinavien, Bischof Bohdan Dzyurakh. Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker sagte zu Aschermittwoch mit Blick auf den Krieg: "Wirklicher Friede erwächst aus einem echten Miteinander und aus Respekt vor der Andersheit der Mitmenschen, vor der Andersheit unserer nächsten Nachbarn".

Das päpstliche Hilfswerk "Kirche in Not" rief Ordensgemeinschaften auf der ganzen Welt zum Gebet um Frieden auf. "Wir alle sind zum Gebet aufgerufen", sagte der geschäftsführende Präsident, Thomas Heine-Geldern. "Aber wir Katholiken wissen, dass die kontemplativen Orden unsere 'Elite-Einheiten' in Sachen Gebet sind."

"Keine Vertreter der Kreml-Politik"

Ähnlich äußerte sich auch die Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Annette Kurschus. Der Friedensbeauftragte der EKD Friedrich Kramer und der Bischof für Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr, Bernhard Felmberg, verurteilten zudem den russischen Angriffskrieg und luden zu Friedensgebeten auch für die Menschen in Russland, die "sich für Versöhnung einsetzen" ein.

Die russisch-orthodoxe Mariä-Schutz-Gemeinde in Bonn zeigte sich "bestürzt und fassungslos" über die Ereignisse in der Ukraine. Bruderhass und Blutvergießen seien ein Werk des Bösen, erklärte Pfarrer Eugen Theodor. Ausdrücklich distanzierte er sich vom Vorgehen Wladimir Putins. "Wir wollen als russisch-orthodoxe christliche Gemeinde, nicht als 'Vertreter der Kreml-Politik' eingeordnet werden." Die Gemeinde beziehe keine finanzielle Hilfe von der russischen Regierung, sondern finanziere sich aus Spenden.

Das jüdische Bildungszentrum Chabab Lubawitsch in Berlin bereitet sich unterdessen auf die Aufnahme von 120 Kindern und deren Betreuern vor, die sie gemeinsam mit einem Rabbiner in Odessa aus einem jüdischen Waisenhaus evakuieren konnten. Die Kindergruppe wird am Donnerstag in Berlin erwartet.

Autor/in:
Nicola Trenz
Quelle:
KNA