Reformgruppen warnen vor Rückschritt durch DBK-Vorsitzendenwahl

"Keine 0815-Wahl"

Vor der Wahl eines neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz warnen katholische Reformgruppen vor einem Rückschritt. Inmitten einer tiefen Kirchenkrise drohten Erneuerungsprozesse ausgebremst zu werden.

Symbolbild Wahl / © Sergey Tinyakov (shutterstock)

Vor der Wahl eines neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz haben katholische Reformgruppen vor einer Verzögerung kirchlicher Erneuerungsprozesse gewarnt. Die Neuwahl sei keine "0815-Wahl", sondern finde "inmitten einer tiefen Kirchenkrise statt", erklärten am Montag 18 Organisationen und Verbände, darunter "Wir sind Kirche" und Maria 2.0. 

Als Beispiele genannt werden ein Vertrauensverlust nach der Missbrauchskatastrophe, eine schleppende Umsetzung von Reformen, massive Kirchenaustritte und wachsende innere wie äußere Polarisierung.

"Wer diese Wahl auf eine Personalfrage reduziert, verkennt ihre kirchenpolitische Tragweite", hieß es in der Erklärung weiter. Der Verzicht des Limburger Bischofs Georg Bätzing auf eine zweite Kandidatur sei sehr bedauerlich und stelle ein großes Risiko für künftige Reformen dar. 

Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, spricht mit Teilnehmenden einer Protestaktion von Maria 2.0 und Wir sind Kirche (Archiv) / © Julia Steinbrecht (KNA)
Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, spricht mit Teilnehmenden einer Protestaktion von Maria 2.0 und Wir sind Kirche (Archiv) / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Das Amt des Vorsitzenden sei kein Leitungsamt mit Durchgriffsrechten, sondern wesentlich auf Moderation angewiesen. Genau darin liege das Dilemma: "Verantwortung wird personalisiert, Macht bleibt kollektiv gebunden - und Blockade ist jederzeit möglich."

Schlagwort "Lehrtreue"

Innerkirchlich würden Kräfte an Einfluss gewinnen, die unter dem Schlagwort "Lehrtreue" autoritäre Leitungsmodelle, klerikale Machtkonzentration und eine Rückabwicklung synodaler Prozesse propagierten, so die Reformgruppen weiter: "Reformbeschlüsse werden relativiert, verzögert oder faktisch ausgebremst. Gleichzeitig erstarken gesellschaftlich nationalistische und demokratiefeindliche Strömungen, die religiöse Sprache instrumentalisieren, um Ausgrenzung zu legitimieren." 

Wie Bätzing müsse auch der neue Vorsitzende diesem Rechtsruck entschieden widerstehen - innerkirchlich wie gesellschaftlich. "Doch er kann das nur, wenn ihn die Mehrheit der Bischöfe mitträgt."

Die katholischen Bischöfe in Deutschland kommen von Montag an zu ihrer Frühjahrsvoll-Versammlung in Würzburg zusammen. Wichtigster Tagesordnungspunkt ist die turnusmäßige Wahl eines neuen Vorsitzenden am Dienstag. Der Limburger Bischof Georg Bätzing kandidiert nicht erneut. 

Deutsche Bischofskonferenz

Die Deutsche Bischofskonferenz ist der Zusammenschluss der katholischen Bischöfe in Deutschland. Sie leiten als Ortsbischöfe eines der 27 Bistümer oder unterstützen als Weihbischöfe. Insgesamt gehören ihr derzeit (Oktober 2025) 61 Mitglieder an.

Ebenfalls zur Konferenz gehören - auch wenn sie nicht Bischöfe sind - Diözesanadministratoren, die ein Bistum nach Rücktritt oder Tod eines Ortsbischofs übergangsweise verwalten.

Logo der Deutschen Bischofskonferenz auf einem Schild neben dem Eingang zum Sekretariat der DBK / © Julia Steinbrecht (KNA)
Logo der Deutschen Bischofskonferenz auf einem Schild neben dem Eingang zum Sekretariat der DBK / © Julia Steinbrecht ( KNA )
Quelle:
epd