Misereor begrüßt Verfahren gegen TÜV Süd nach Dammbruch

Recht hilft Opfern und Hinterbliebenen

Das katholisches Werk für Entwicklungszusammenarbeit Misereor begrüßt die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen den TÜV Süd im Fall des Dammbruchs in einer Eisenerzmine in Brasilien. Bei der Katastrophe wurden mehr als 270 Menschen getötet.

Ein Helfer sucht nach dem Dammbruch nach Überlebenden / © O Globo/GDA via ZUMA Wire (dpa)
Ein Helfer sucht nach dem Dammbruch nach Überlebenden / © O Globo/GDA via ZUMA Wire ( dpa )

Dieser hatte 2018 die Sicherheit des Staudamms B1 bei Brumadinho bestätigt. Am 25. Januar brach der Damm. Bei der Katastrophe wurden mehr als 270 Menschen getötet, Trinkwasser verseucht und große Umweltzerstörungen angerichtet.

Wegen fahrlässiger Tötung, Privatbestechung und Herbeiführung einer Überschwemmung

Jetzt habe die Staatsanwaltschaft München bestätigt, dass sie ein Verfahren gegen den TÜV Süd und einen seiner Mitarbeiter eingeleitet habe, berichtete Misereor-Menschenrechtsexperte Armin Paasch am Freitag in Aachen. Das Ermittlungsverfahren biete die Chance, "die Rolle der Unternehmenszentrale von TÜV Süd vollständig aufzuklären sowie den Opfern und Hinterbliebenen zu ihrem Recht zu verhelfen".

Der Dammbruch habe "unsägliches Leid über die Menschen in Brumadinho gebracht, einen Fluss verseucht und in der Region die Lebensgrundlagen lokaler Gemeinschaften zerstört", so Paasch weiter. Am 15. Oktober hatten fünf Hinterbliebene gemeinsam mit Misereor und dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) Anzeige erstattet wegen fahrlässiger Tötung, Privatbestechung und Herbeiführung einer Überschwemmung.

Ein korruptes Geschäft mit der Sicherheit

Das brasilianische Tochterunternehmen von TÜV Süd habe trotz erheblicher Zweifel die Stabilität des Damms zertifiziert, kritisierten die Kläger damals. "Der Dammbruch war kein Unfall - er war ein Verbrechen", so Marcela Nayara Rodrigues, eine der fünf Klägerinnen, deren Vater beim Dammbruch ums Leben gekommen war. Das "korrupte Geschäft mit der Sicherheit" müsse sich ändern - "denn es zerstört unsere Leben und unseren Planeten".

Das Verfahren in Deutschland solle den brasilianischen Minenbetreiber Vale S.A. nicht aus der Verantwortung entlassen, betonten Misereor und ECCHR. Der weltweit größte Eisenerz-Exporteur und Betreiber der Mine, zu der der Damm B1 gehört, weist jede Verantwortung für den Dammbruch von sich und beruft sich auf den TÜV Süd und die Prüfergebnisse von dessen brasilianischen Tochter.

Unternehmen wie in diesem Fall Vale S.A. bezahlen laut Misereor Zertifizierer für Sicherheitsprüfungen - was zwingend zu einem Interessenkonflikt führe. Das Vorgehen von TÜV Süd zeige, "dass wir dringend eine gesetzliche Verpflichtung für Unternehmen brauchen, weil viele nicht freiwillig ihrer Verantwortung nachkommen".

Quelle:
KNA