Eine umstrittene Ausstellung unter dem Titel "Das Kreuz - Das Zeichen, das bleibt" eröffnet am Dienstagabend im Wiener Stephansdom. Wie Dompfarrer Toni Faber am Dienstag vor Journalisten erläuterte, werden 77 Kreuz-Darstellungen des im Dezember im Alter von 96 Jahren verstorbenen Künstlers Arnulf Rainer ausgestellt.
Das Wiener Domkapitel und die Sammlung Trenker präsentieren die großformatigen Bilder bis zum 7. Juni trotz vorheriger Unstimmigkeiten: Rainer hatte einer Ausstellung im Dom zunächst zugestimmt, diese Zusage später jedoch über seinen Anwalt widerrufen.
Faber sprach von einer "schwierigen Situation", in der man nach eingehender Prüfung entschieden habe, das Projekt dennoch umzusetzen. Die Werke befinden sich im Besitz des Kunstsammlers Werner Trenker, der sie dem Dom zur Verfügung stellt.
Zur Ausstellungseröffnung werden Bundeskanzler Christian Stocker und Erzbischof Josef Grünwidl erwartet. Die Familie des verstorbenen Künstlers werde dagegen nicht kommen. Angesichts der Möglichkeit, Rainers Werke "hunderttausenden Gottesdienstbesuchern und Millionen Touristen, die den Dom aufsuchen" zu präsentieren, schmälere das allerdings nicht die Freude an der Ausstellung, sagte Faber. Er sei sicher, dies komme der Grundintention Rainers entgegen.
Rainer gegen christliche Vereinnahmung
Arnulf Rainer (1929-2025) zählt zu den international bekanntesten österreichischen Gegenwartskünstlern. Berühmt wurde er vor allem durch seine Übermalungen, Radierungen und Kreuzdarstellungen, die sich über Jahrzehnte hinweg als zentrales Motiv durch sein Werk ziehen. Der Künstler hatte eine christliche Vereinnahmung seiner Werke stets zurückgewiesen. Er erhielt zwei katholische Ehrendoktorate, schuf Werke in Kirchen und stellte mehrmals auch in Kirchen aus, wehrte sich aber dagegen, als "Kirchenmaler" tituliert zu werden.
"Mit Respekt und Hochachtung nehmen wir das wahr", sagte Faber. Ziel der Ausstellung sei keine Vereinnahmung, sondern ein "Angebot zum Dialog über die existenzielle Dimension von Horizontalem und Vertikalem", die im Kreuz zum Ausdruck komme.
Das Kreuzmotiv prägt Rainers Schaffen
Gezeigt werden über den Stephansdom verteilt 70 Kaltnadelradierungen aus den Jahren 1956 bis 2014, ergänzt um sieben großformatige Kreuzarbeiten, darunter Werke aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Die Zahl 77 sei bewusst gewählt worden, erläuterte Trenker.
Das Kreuzmotiv ziehe sich durch Rainers gesamtes Schaffen. Bereits 1956 entstand ein frühes "Tabernakelkreuz". Viele Druckplatten habe der Künstler mehrfach überarbeitet, übermalt und erneut bearbeitet. "Rainer war einer, der immer alles perfekt wollte und ständig weiter überarbeitet hat, bis er zufrieden war", sagte der Sammler.