Der Auftritt von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beim Katholikentag in Würzburg ist am Freitag von Zwischenrufern gestört worden. Lautstark machten die Demonstranten ihren Unmut über die Politik der Bundesregierung deutlich und hielten Protestplakate hoch.
Zuvor hatten Jugendvertreter den Kanzler im Gespräch im vollbesetzten Congress Centrum aufgefordert, junge Menschen stärker an politischen Entscheidungen zu beteiligen und sie nicht als faul zu bezeichnen. "In meiner Partei hat noch niemand gesagt, dass die Menschen in Deutschland faul sind", entgegnete Merz. Er räumte aber ein: "Ich weiß, dass ich in meiner Kommunikation etwas verbessern muss."
Unter dem Motto "Gemeinsam Zukunft gestalten" diskutierte Merz mit Amy Kirchhoff (19), Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, und Lisa Quarch (29) vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).
"Zur Demokratie gehört Streit"
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat fehlende Fortschritte bei der Lösung politischer Probleme eingeräumt. "Zur Demokratie gehört Streit", sagte der Bundeskanzler am Freitag in Würzburg beim Katholikentag. "Wenn wir zu einem politischen Thema nicht mehr streiten, ist wahrscheinlich irgendetwas falsch." Der Streit müsse aber zu Ergebnissen führen. "Und vielleicht streiten wir im Augenblick zu viel und bringen zu wenig Ergebnisse", sagte Merz.
Die entscheidende Frage sei: "Leben wir in einem Land, in dem wir uns gegenseitig noch ertragen, uns zuhören und auch andere Meinungen akzeptieren?", sagte Merz. "Wir wollen und wir müssen den Beweis erbringen, dass wir in der politischen Mitte unseres Landes trotz aller Ausdifferenzierungen des politischen Spektrums Probleme lösen können", betonte der Kanzler.
Aufruf zu Engagement
Merz forderte junge Menschen dazu auf, in Parteien einzutreten und sich in der Kommunalpolitik zu engagieren. Es gebe zwar viel ehrenamtliches Engagement für bestimmte Themen und
Projekte. Dies könne aber nicht die langfristige Arbeit in Parteien und Gemeinderäten ersetzen: "Ohne die politischen Parteien ist unsere Demokratie keine Demokratie mehr."
Der Kanzler sprach sich zugleich dagegen aus, das Wahlalter auf Bundesebene auf 16 Jahre zu senken: "Ich würde es im Deutschen Bundestag gerne dabei belassen, dass wir das aktive und passive Wahlrecht bei 18 belassen."
600 Demonstrierende vor dem Congress Centrum Würzburg
Proteste begleiteten den Besuch von Kanzler Friedrich Merz beim Katholikentag in Würzburg. Wie die Polizei der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mitteilte, versammelten sich am Freitag um 11 Uhr rund 600 Demonstrierende vor dem Congress Centrum Würzburg. Zu der Kundgebung hatte das "Offene Antifaschistische Treffen" aufgerufen. Der Vorwurf der Organisatoren: Merz ignoriere die Anliegen junger Menschen in Deutschland.
An der Protestaktion beteiligten sich unter anderem Ortsgruppen von Fridays for Future und der Seebrücke. Während der Frankfurter Rapper Erzin vor der Kongresshalle auftrat, betrat Merz auf der anderen Seite das Gebäude zu einer Gesprächsveranstaltung mit jungen Menschen.
Gespräch auf Augenhöhe
Die Geistliche Leitung des BDKJ, Lisa Quarch, fand Friedrich Merz einen angenehmen Gesprächspartner. Nach der Veranstaltung sagte sie im DOMRADIO.DE-Interview, es sei ein gutes Gespräch auf Augenhöhe gewesen. Dennoch fand sie seine Antworten oft unkonkret. "Was es denn wirklich heißt, dass wir in Deutschland die Klimaziele erreichen wollen und wie wir das umsetzen wollen, das ist offen geblieben", sagte sie.
"Wenn ich mich auf ein Gespräch einlasse, möchte ich die Perspektive der anderen Person ernst nehmen. Das war auch das, was ich mir das Gespräch mit dem Bundeskanzler vorgenommen haben." Das sei ein Stück weit gelungen, dennoch habe sie weiterhin Anfragen an seine politischen Entscheidungen. "Ich glaube, dass wir da gerade marginalisierten Gruppen und Personen, die mit Armut zu kämpfen haben, noch mehr Gehör verschaffen können."
Am Ende der Veranstaltung sagte ein jugendlicher Teilnehmer: "Ich fand es richtig cool, bei so etwas mal zuzugucken, ohne Witz." Und eine andere Zuhörerin verriet: "Ich habe einen kritischeren Dialog erwartet."