Religion gewinnt laut Umfrage an Einfluss in der US-Politik

"Gotteskämpfer" auf dem Vormarsch

Die Vereinigten Staaten von Amerika sehen sich als "One Nation under God", eine Nation unter Gott. Inzwischen möchte eine wachsende Zahl vor allem von Trump-Anhängern die Gesetzgebung mit der Bibel gestalten.

Rechte Christen in den USA / © Ben Von Klemperer (shutterstock)
Rechte Christen in den USA / © Ben Von Klemperer ( shutterstock )

Eine wachsende Minderheit in den USA sieht den Einfluss von Religion steigen. 37 Prozent äußerten diese Einschätzung in einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Pew Research Centers in Washington. 

Erzbischof Paul Coakley, Vorsitzender der US-Bischofskonferenz, zu Besuch bei Präsident Donald Trump im Weißen Haus (The White House)
Erzbischof Paul Coakley, Vorsitzender der US-Bischofskonferenz, zu Besuch bei Präsident Donald Trump im Weißen Haus / ( The White House )

Das sind 19 Prozentpunkte mehr als 2024, kurz vor Beginn der aktuellen Trump-Regierung. 17 Prozent sprachen sich dafür aus, das Christentum zur Staatsreligion zu erklären, ein Anstieg um 4 Prozentpunkte.

Erhebliche Unterschiede zwischen Parteiengängern

Zwischen Parteigängern der regierenden Republikaner und Demokraten zeigen sich erhebliche Unterschiede. 75 Prozent der Republikaner bekundeten eine positive Sicht auf den öffentlichen Einfluss von Religion, doppelt so viele wie Anhänger der Demokratischen Partei (38 Prozent).

Dass bei der Gesetzgebung die Bibel im Zweifelsfall größeres Gewicht als die Volksmeinung haben solle, meinten 45 Prozent der Republikaner gegenüber 13 Prozent der Demokraten. 27 Prozent der Republikaner befürworteten eine christliche Staatsreligion.

Zugleich sprachen sich 74 Prozent der Republikaner gegen Empfehlungen von Kirchen und Religionsgemeinschaften für bestimmte politische Kandidaten aus. 61 Prozent meinten, Kirchen sollten sich aus politischen Debatten generell heraushalten. 8 Prozent erklärten, Gott bevorzuge die USA vor allen anderen Nationen; 33 Prozent ließen die Frage offen.

Weiße evangelikale Gotteskämpfer

Als stärkste Unterstützer einer christlichen Theokratie in den USA erwiesen sich weiße evangelikale Protestanten. Sie befürworteten zu 85 Prozent eine Ausrichtung der Gesetzgebung an der Bibel (Katholiken: 55 Prozent). 31 Prozent wünschten sich das Christentum als Staatsreligion (Katholiken: 15 Prozent). 40 Prozent verteidigten die Trennung zwischen Staat und Kirche; 24 Prozent wollten diese aufgehoben sehen.

In der Frage, ob Religionsgemeinschaften sich in gesellschaftliche und politische Diskussionen einmischen sollen, gaben 67 Prozent der US-Katholiken ein negatives Votum ab – ungeachtet dessen, dass die katholische Lehre einen klaren Auftrag zur Gesellschaftsgestaltung enthält. Weiße US-Protestanten der traditionellen Richtungen wie Lutheraner und Anglikaner vertraten sogar zu 76 Prozent eine unpolitische Haltung, ebenfalls trotz anderslautender Lehren ihrer Kirchen.

Für das Meinungsbild wurden laut Pew Research Center rund 3.600 Personen befragt. Die Erhebung erfolgte vom 6. bis 12. April, also vor einer Kontroverse um Einlassungen von US-Präsident Donald Trump über Papst Leo XIV.

Die katholische Kirche in den USA

Die römisch-katholische Kirche ist die größte Glaubensgemeinschaft der USA, denn die Protestanten teilen sich in verschiedene Konfessionen. Ein knappes Viertel der US-Amerikaner ist katholisch, die meisten Katholiken leben im Nordosten und im Südwesten. Genaue Zahlen sind schwierig, weil in den USA der Wechsel einer Konfession sehr häufig vorkommt.

Die katholische Kirche in den USA / © rawf8 (shutterstock)
Die katholische Kirche in den USA / © rawf8 ( shutterstock )
Quelle:
KNA