Migrantenseelsorge in Jerusalem erhält erstmals eigene Räume

"Prophetisches Zeichen"

Organisierte Seelsorge für katholische Einwanderer gibt es in Jerusalem seit 2011. Mit dem neuen Leiter des Vikariats für Migranten und Asylsuchende ist sie personell eigenständig - nun auch in eigenen Räumlichkeiten.

Einweihung des Büros für Migrantenseelsorge in Jerusalem / © Andrea Krogmann (KNA)
Einweihung des Büros für Migrantenseelsorge in Jerusalem / © Andrea Krogmann ( KNA )

Die katholische Migrantenseelsorge im Heiligen Land hat erstmals seit ihrer Einrichtung eigene Büros bezogen. Der verstärkte Einsatz des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem für die Ärmsten der Armen sei ein "prophetisches Zeichen", sagte Patriarchalvikar Nikodemus Schnabel bei der Einweihung der neuen Räume am Montag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur in Jerusalem. Der deutsche Benediktinerpater von der Jerusalemer Dormitio-Abtei war im Juli zum Leiter des Vikariats für Migranten und Asylsuchende (VMAS) ernannt worden.

Das Vikariat betreut nach Angaben von Schnabel derzeit "sicher über 100.000 Migranten und Asylsuchende, vermutlich eher 150.000", darunter Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus. Die beiden größten ethnische Gruppen stellen demnach mit je rund 40.000 Katholiken Philippiner und Inder, gefolgt von rund 13.000 Sri-Lanker. Bei den Asylsuchenden sind Äthiopier und Eritreer stark vertreten. Zu den zahlenmäßig kleineren Gruppen zählen Menschen aus der Ukraine, Rumänien und verschiedenen afrikanischen Ländern.

Ein Ort, an dem jeder sich zu Hause fühlt

Die neuen Büros befinden sich auf dem Gelände des von den Barmherzigen Schwestern vom heiligen Karl Borromäus (Borromäerinnen) geführten Deutschen Hospiz St. Charles in Westjerusalem. Das feste Team um Schnabel besteht aus der simbabwischen Ordensschwester Anna Manyonga von der Union of Presentation Sisters of the Blessed Virgin Mary (PBVM), der deutschen Benediktinerschwester Gabriele Penka, der italienischen Comboni-Schwester Giovanna Sguazza sowie dem palästinensischen koptisch-orthodoxen Christen Elias Nakhle.

Als Vision seiner Arbeit bezeichnete Schnabel gegenüber der KNA, "den Menschen, die täglich erleben, dass sie nicht hierhergehören und bestenfalls geduldet sind, Heimat zu sein, der Ort, an dem sie einfach sein dürfen". Dies entspreche der Aufgabe der Kirche von Jerusalem, in die als Mutterkirche und uralter Pilgerort "per definitionem alle gehören und sich zuhause fühlen sollen".

Glaube als "Impfstoff gegen Rassismus"

Mit dem Vikariat trage das Patriarchat von Jerusalem dazu bei, "die Unsichtbaren als wichtigen und kostbaren Teil der Kirche sichtbar zu machen", so der Benediktinerpater. Dies entspreche einem wichtigen Anliegen von Papst Franziskus.

Die Solidarität der Getauften untereinander spiele auch bei der Weltsynode eine wichtige Rolle. Gleichzeitig leiste die Kirche damit als "einer der ältesten und größten transnational denkenden Global Players" eine wichtige Gegensteuer zu Nationalismus. Schnabel: "Unser grenzüberspannender, verschiedene Sprachen und Kulturen umfassender Glaube ist der beste Impfstoff gegen Rassismus!"

Zur VMAS

Die Migranten- und Asylsuchendenseelsorge des Patriarchats geht in organisierter Form zurück auf das Jahr 2011, als eine Koordinationsstelle für Migrantenpastoral eingerichtet wurde. Seit 2018 gibt es das VMAS, das zunächst durch den Patriarchalvikar für die hebräischsprachigen Katholiken mitgeleitet wurde.

Mit der Ernennung Schnabels und den neuen Räumen ist die Seelsorgestelle erstmals personell und räumlich eigenständig. Zu den Einrichtungen des VMAS gehören unter anderem das "Our Lady Woman of Valor"-Zentrum in Tel Aviv und das St. Rachel-Zentrum in Jerusalem.

Nikodemus Schnabel (l.), Benediktinerpater und Patriarchalvikar des Vikariats für Migranten und Asylsuchende des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem (VMAS), mit seinem Team und Gästen bei der Einweihung des neuen Büros des VMAS / © Andrea Krogmann (KNA)
Nikodemus Schnabel (l.), Benediktinerpater und Patriarchalvikar des Vikariats für Migranten und Asylsuchende des Lateinischen Patriarchats in Jerusalem (VMAS), mit seinem Team und Gästen bei der Einweihung des neuen Büros des VMAS / © Andrea Krogmann ( KNA )
Autor/in:
Andrea Krogmann
Quelle:
KNA
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