Promis und die Polizei unterstützen den Vorlesetag

Freude wecken und langfristig fördern

Auch 70 Polizisten schlagen an diesem Freitag Bücher auf. Sie engagieren sich zum 14. Vorlesetag. Die Initiative soll die Lesekompetenz von Kindern fördern. Lesen ist der Schlüssel zur Welt, sagt Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Vorlesetag soll Lesefreude vermitteln / © Elisabeth Schomaker (KNA)
Vorlesetag soll Lesefreude vermitteln / © Elisabeth Schomaker ( KNA )

Achtung, die Polizei kommt! Bundesweit spitzen am Freitag kleine Buchstaben-Detektive die Ohren. Erstmals beteiligt sich auch die Gewerkschaft der Polizei am Vorlesetag. "Kinder brauchen Lesevorbilder. Und wer könnte diese Rolle besser erfüllen als Polizisten, die bereits durch ihren Beruf eine Vorbildfunktion haben und Kinder faszinieren?", sagte Jörg Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen.

Insgesamt haben sich laut Veranstalter knapp 170.000 Vorleser für Freitag gemeldet, dann findet der 14. Vorlesetag in Deutschland statt.

Auch viele Promis lesen

Ex-Eisprinzessin Katarina Witt strahlt in ihre Handykamera und berichtet auf Facebook, wie schön ihr Zusammentreffen im vergangenen Jahr mit Berliner Grundschülern war – "auch dieses Jahr lese ich wieder vor". Zahlreiche weitere Prominente haben ihr Kommen angekündigt.

In Berlin wollen unter anderen Moderatorin Palina Rojinski und Schauspielerin Birge Schade vorlesen, in Hamburg unterstützen etwa "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und Kinderbuchautorin Kirsten Boie den Vorlesetag, in Köln haben unter anderen Moderatorin Nazan Eckes, Autor Frank Schätzing und Komikerin Cordula Stratmann ihr Mitwirken zugesagt. Zum ersten Mal rufen laut der Stiftung zudem Literatur- und Buchblogger wie Kapri-Zioes und Novelero zum Mitmachen auf.

Diskussion um AfD

Kritisiert wurden die Veranstalter, zu denen neben der Stiftung Lesen auch die Wochenzeitung "Die Zeit" und die Deutsche Bahn Stiftung gehören, dafür, dass auch ein Mandatsträger der AfD eingeladen wurden. Damit werde der "Bock zum Gärtner" gemacht, erklärte die Präsidentin der Schriftstellervereinigung PEN, Regula Venske.

Maas verteidigte aber, dass man seit 14 Jahren alle Abgeordneten der in Landtagen oder im Bundestag vertretenen Parteien einlade. Maas hob hervor, antisemitische, fremdenfeindliche und rassistische Äußerungen gehörten nicht in Bildungseinrichtungen. Er wies darauf hin, dass letztlich immer die Schulen und Kitas selbst darüber entschieden, wen sie zum Vorlesetag einlüden.

Veranstaltungen im Netz

Im letzten Jahr lauschten mehr als zwei Millionen Zuhörer den ehrenamtlichen Helfern, Prominenten und Politikern. Über die Internetseite des Vorlesetags kann sich jeder die Veranstaltungen in seiner Region anzeigen lassen. Oder auch gezielt nach einem speziellen Vorleser suchen.

Für das Lesen und Vorlesen brauchen Kinder laut der Stiftung Vorbilder, die ihnen Lesefreude vermitteln, damit sie später mit mehr Begeisterung selbst zu Büchern, Zeitungen oder E-Books greifen. Eine umfassende Lesekompetenz sei eine wesentliche Voraussetzung für die persönliche Entwicklung, Erfolg im Berufsleben und gesellschaftliche Teilhabe. Zudem fördere Lesen den Respekt und das Miteinander in der Gesellschaft.

"Schlüssel zu Wissen, Bildung und demokratischer Teilhabe"

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bezeichnete kürzlich das Lesen als "Schlüssel zur Welt". Es "fördert Fantasie und Einfühlungsvermögen, es weitet den Horizont und lässt uns fremde Gedankenwelten verstehen", sagte sie. Lesekompetenz sei der Schlüssel zu Wissen, Bildung und demokratischer Teilhabe.

Die Stiftung Lesen ermutigt zum frühen, regelmäßigen Vorlesen. Doch laut der Vorlesestudie 2017 liest die Hälfte der Eltern ihrem Nachwuchs im ersten Lebensjahr nicht regelmäßig vor. Bei 28 Prozent der Familien ist das binnen der ersten drei Jahre immer noch so.

Die Erhebung zeigt aber auch, dass die große Mehrheit dem Vorlesen eine große Bedeutung beimisst. Vielseitige Bildung ihrer Kinder ist den meisten Eltern offenbar sehr wichtig. Sie wird am häufigsten als Erziehungsziel genannt (86 Prozent), noch vor gutem Benehmen und Umgang mit Geld (83 und 79 Prozent). Gute Lesefähigkeiten sind 71 Prozent der Eltern besonders wichtig, fast ebenso vielen wie eine gesunde Lebensweise (72 Prozent). Falls Eltern und Großeltern nicht wissen, was sie vorlesen sollen, hat die Stiftung eine Empfehlungsliste herausgegeben.

Autor/in:
Rainer Nolte
Quelle:
KNA