Die beiden Präsidenten des Synodalen Wegs sehen das Reformprojekt der katholischen Kirche in Deutschland als Erfolg. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und die Vorsitzende des Laien-Dachverbands ZdK, Irme Stetter-Karp, sprachen am Donnerstag in Stuttgart übereinstimmend von einem gelungenen "Kulturwandel" in der katholischen Kirche. Die beiden äußerten sich zu Beginn einer letzten, dreitägigen Vollversammlung des Synodalen Wegs.
Bätzing erklärte, bei dem Reformprojekt sei es um "Umkehr und Erneuerung" gegangen. Ausgangspunkt sei der "Schock des Missbrauchsskandals" gewesen, der viel Vertrauen zerstört habe. Den habe man mit einem "dezidierten und beharrlichen Kulturwandel in der Kirche" überwinden wollen. Dieser Prozess habe "Grenzen, aber auch Möglichkeiten".
Dank an Gesprächspartner im Vatikan
Ausdrücklich dankte Bätzing den Gesprächspartnern in der vatikanischen Kurie, die den Synodalen Weg kritisch begleitet hätten, für ihre Anregungen und für ihr Vertrauen. Er sei zuversichtlich, dass es für die geplante Synodalkonferenz die nötige Zustimmung aus Rom geben werden. Man habe "alle römischen Anmerkungen" eingearbeitet. Es gebe auch im Vatikan einen "Willen, diesen Weg mitzutragen".
Den deutschen Bischöfen, die dem Synodalen Weg kritisch gegenüberstehen und sich zwischenzeitlich aus dem Reformdialog zurückzogen, warf Bätzing eine "Selbstisolation" vor. Sie gerieten mehr und mehr in "Erklärungsnöte." Er sei aber zuversichtlich, dass die deutschen Bischöfe wieder zusammenfinden würden. Als Zeichen der Hoffnung wertet Bätzing, dass die deutschen Bischöfe die Finanzierung der Synodalkonferenz gemeinsam zugestimmt hätten. Damit sei die "Blockadehaltung" überwunden.
Nach Angaben der Organisatoren sind 177 von 217 aktuellen Mitgliedern des Synodalen Weges zur Vollversammlung in Stuttgart angereist. In den Gründen sehen sie nicht ausschließlich eine Ablehnung des Gremiums, sondern machen auch das winterliche Wetter und die Erkältungssaison verantwortlich. Der Kölner Erzbischof Kardinal Woelki hatte vorab im DOMRADIO.DE-Interview erklärt, dass er den Prozess nach den fünf bisherigen Vollversammlungen für abgeschlossen halte. Der Regensburger Bischof Voderholzer, der seine Arbeit am Reformprozess ebenfalls beendet hat, gibt eine Terminkollision als Abwesenheitsgrund an.
Die Hand in Richtung der Kritiker sei jedoch ausgestreckt, betont Thomas Söding, Vize-Präsident des ZdK und des Synodalen Weges. Deshalb habe man explizit auch in die Geschäftsordnung der neuen Synodalkonferenz aufgenommen, dass Minderheitspositionen vorgebracht und festgehalten werden können.
Ringen um den richtigen Weg
ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp Neues würdigte das "gute Miteinander von Bischöfen und Laien", das sich im Laufe eines "leidenschaftlichen Ringens um den richtigen Weg" ergeben habe. Der so erreichte Kulturwandel bilde die "Grundlage für das, was vor uns liegt". Die künftige Synodalkonferenz werde sich fragen müssen: "Wie wollen wir heute Kirche sein?" In diesem Zusammenhang erinnerte Stetter-Karp auch an die anhaltende Austrittswelle aus der Kirche.
Weiter sagte sie: "Christsein ist ein Markenzeichen für solidarisches Leben." Deshalb dürfe die Kirche sich nicht mehr länger nur mit sich selbst beschäftigen. "Wir haben das alles gemacht, um glaubwürdig zu sein. Wir haben uns verändert, wir müssen uns verändern und werden weitergehen."
Vor dem Konferenzort in Stuttgart hatten sich rund 50 Vertreterinnen und Vertreter von katholischen Verbänden und Reformgruppen versammelt und erneuerten ihren Ruf nach Änderungen im kirchlichen Leben.