Deja vu auf katholisch: Drei Jahre nach dem eigentlichen Abschluss des Synodalen Weges kommen von Donnerstag bis Samstag die Synodalen von damals nochmals zusammen, um zu evaluieren, was sich in der katholischen Kirche in den letzten Jahren getan hat.
Auch in der Welt ist seit dem Frühjahr 2023 viel passiert. Deutschland hat eine neue Bundesregierung, Donald Trump hat erneut die Macht in den USA übernommen, und im Nahen Osten eskalieren immer wieder kriegerische Spannungen. Auch die Kirche steht nun unter anderen Vorzeichen. Seit letztem Jahr haben wir mit Leo XIV. einen neuen Papst. Er wird auch eine große Rolle für die Zukunft der Reformen in Deutschland spielen.
Franziskus war kein Fan
Dass Papst Franziskus kein Fan des Synodalen Weges war, ist kein großes Geheimnis. "Sie sind Bischof aus Deutschland? Sind Sie noch katholisch?", fragte er den Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters bei seinem Besuch in Luxemburg 2024. Das Franziskus-Zitat "Wollt ihr in Deutschland eine zweite evangelische Kirche? Ihr habt doch schon eine gute!", ist schon fast zum geflügelten Wort geworden.
Franziskus’ Nachfolger Leo XIV. ist deutlich diplomatischer unterwegs. In den ersten neun Monaten seines Pontifikats hat er stets das Verbindende und Vereinende betont – sei es in der Kirche oder der Politik. Synodalität im Sinne seines Vorgängers ist offensichtlich auch ihm ein Anliegen, gleichzeitig scheint ihm sehr bewusst zu sein, dass es unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, was unter Synodalität zu verstehen ist. In seiner Zeit als Präfekt des Bischofsdikasteriums hat sich der frühere Kardinal Robert Prevost intensiv mit dem deutschen Reformprozess befasst und nicht nur Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, sondern auch eine Delegation des Laienkomitees ZdK zu Gesprächen empfangen.
Leo und die Reformen
Kann man daraus schließen, dass Leo dem Synodalen Weg gegenüber offener ist als sein Vorgänger? Ja und nein. Wer wissen will, wie der neue Papst zum deutschen Reformdialog steht, muss sich nur das offizielle Transkript seiner "fliegenden Pressekonferenz" auf dem Rückweg von seiner ersten Papstreise in den Libanon ansehen. "Ich vermute, dass es auf beiden Seiten innerhalb Deutschlands einige Anpassungen geben wird", sagte Leo mit Blick auf den Bruch, der sich beim Thema Synodaler Weg auch durch die Deutsche Bischofskonferenz zieht.
Leo spricht von Gemeinsamkeiten und Respekt gegenüber den deutschen Reformbemühungen und betont, dass es auch in der Kirche "Raum für Inkulturation" geben müsse. Gleichzeitig warnt der Papst vor voreiligen Schlüssen, die davon ausgehen, dass der in Deutschland eingeschlagene Reformweg Wunsch und Konsens der gesamten Kirche sei. Deshalb rufe er auch zum Dialog mit Minderheitsmeinungen auf, "damit die Stimme der Mächtigeren nicht die Stimme derjenigen übertönt oder erstickt, die vielleicht ebenfalls sehr zahlreich sind, aber keinen Ort haben, an dem sie sich zu Wort melden."
Leo verweist dabei erneut auf die laufenden Gespräche zwischen den deutschen Bischöfen und der Kurie, um "sicherzustellen, dass der deutsche Synodale Weg sich nicht, wenn Sie so wollen, von dem losreißt, was als Weg der universalen Kirche angesehen werden muss."
Was passiert mit Deutschland?
Als Ergebnis des Synodalen Weges soll in naher Zukunft ein sogenanntes Synodalkomitee seine Arbeit aufnehmen, in dem Bischöfe und Laienvertreter gemeinsam beraten und entscheiden. Dieses Gremium muss allerdings vorher noch vom Vatikan abgesegnet werden, der diesem Vorhaben kritisch gegenübersteht. Während unter Franziskus in den ersten Jahren viel über Briefe und Protestnoten aus Rom kommuniziert wurde, gibt es seit einiger Zeit direkte Gespräche mit der Kurie, an denen auch Kardinal Prevost beteiligt war. Ob das nun heißt, dass der Vatikan der Satzung des Gremiums zustimmt, bleibt abzuwarten.
Leo betont das Verbindende, ohne Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Ansichten oder Argumente kleinzureden. So hat er sich in den ersten Amtsmonaten sowohl mit Bischof Georg Bätzing als Präsidenten des Synodalen Weges getroffen, wie auch mit der Initiative "Neuer Anfang", die den Prozess kritisiert.
Es ist die gleiche Strategie, die er auch in der Kurie und auf dem politischen Parkett anwendet: Der neue Papst hat beide Seiten im Blick. Er lässt seine Kardinäle wie unter Franziskus an runden Tischen tagen, ermöglicht aber zugleich dem traditionalistischen Kardinal Burke, im Petersdom die "alte Messe" zu feiern. Er beklagt das Leid der Menschen in der Ukraine, telefoniert aber auch mit Wladimir Putin. Zum Amtsantritt am 8. Mai 2025 war vielerorts vom "Friedenspapst" die Rede und davon, wie wichtig eine solche Stimme in Zeiten von Spaltung und Polarisierung sei. Wenn der neue Papst diesen Impuls auch bei innerkirchlichen Reformfragen anwendet, könnte sich noch einiges ändern beim Synodalen Weg.