Polizei verweigert Kardinal Pizzaballa Zutritt in Grabeskirche

Eklat in Israel

Die israelische Polizei hat Patriarch Pierbattista Pizzaballa und Kustos Francesco Ielpo daran gehindert, die Grabeskirche zu betreten. Erstmals seit Jahrhunderten musste die Palmsonntagsmesse damit ohne die Kirchenführer stattfinden.

Menschenleerer Platz vor Grabeskirche  / © Andrea Krogmann (KNA)
Menschenleerer Platz vor Grabeskirche / © Andrea Krogmann ( KNA )

Israel hat die beiden wichtigsten katholischen Vertreter des Heiligen Landes daran gehindert, die Grabeskirche in Jerusalem zu betreten. Israelische Polizisten hinderten den Lateinischen Patriarchen, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, und Franziskanerkustos Francesco Ielpo am Sonntag an der Teilnahme an der Palmsonntagsmesse in dem wichtigsten Gotteshaus der Christenheit, wie das Patriarchat und die Kustodie gemeinsam mitteilten.

Kardinal Pierbattista Pizzaballa, Lateinischer Patriarch von Jerusalem, bei der Messe in der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Pierbattista Pizzaballa, Lateinischer Patriarch von Jerusalem, bei der Messe in der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )
Archivbild: Kardinal Pierbattista Pizzaballa

Sie sprachen von einem "schwerwiegenden Präzedenzfall", der die Gefühle von Milliarden Menschen verletze, die in der Kar- und Osterwoche ihren Blick auf Jerusalem richteten. Nach Kirchenangaben ist es das erste Mal seit Jahrhunderten, dass die Kirchenoberhäupter an der Feier des Palmsonntagsgottesdienstes in der Grabeskirche gehindert wurden.

Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit

Pizzaballa und Ielpo seien auf dem Weg angehalten und zur Umkehr gezwungen worden, "obwohl sie sich privat und ohne jegliche Merkmale einer Prozession oder eines zeremoniellen Aktes bewegten". Es handele sich um "eine unangemessene und grob unverhältnismäßige Maßnahme", insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Kirchenführer sich seit Kriegsbeginn an alle auferlegten kriegsbedingten Einschränkungen gehalten hätten.

Francesco Ielpo / © Francesco Guaraldi/Custody of the Holy Land (KNA)
Francesco Ielpo / © Francesco Guaraldi/Custody of the Holy Land ( KNA )

Augenzeugen berichteten, dass die Polizei seit den Morgenstunden Barrieren an der Altstadt errichtet hatten, offensichtlich in dem Bemühen, Gläubige davon abzuhalten, zu den heiligen Stätten zu gelangen.

Osterfeiern hinter geschlossenen Türen

Zu Wochenbeginn hatten die Kirchen mitgeteilt, dass die traditionelle Palmprozession über den Ölberg zur Jerusalemer Altstadt kriegsbedingt nicht stattfinden werde. Statt der Prozession, an der üblicherweise tausende einheimische und ausländische Christen teilnehmen, soll es einen Gebetsmoment für Jerusalem geben. Die Liturgien der Kar- und Ostertage in der Grabeskirche sollen unter Ausschluss der Öffentlichkeit von den in dem Gotteshaus lebenden Ordensgemeinschaften gefeiert werden.

Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem betreut die römisch-katholischen Christen im Heiligen Land. Seine Jurisdiktion erstreckt sich über das Staatsgebiet von Israel, Jordanien, Zypern und die Palästinensischen Gebiete. Die Ursprünge des Patriarchats liegen in der Zeit der Kreuzfahrer, die sich als "Lateiner" bezeichneten. Es erlosch jedoch mit dem Fall Akkos 1291. Im Jahr 1847 belebte Papst Pius IX. das Patriarchat neu.

Blick auf Jerusalem / © Kyrylo Glivin (shutterstock)
Quelle:
KNA