Politologe Varwick verteidigt Papst-Worte zum Ukraine-Krieg

"Genau hinhören"

Mit einem Interview zum anhaltenden Krieg in der Ukraine hat Papst Franziskus mit seiner Formulierung "Mut zur weißen Fahne" viel Kritik auf sich gezogen. Nun bekommt er Zuspruch vom deutschen Politik-Experten Johannes Varwick.

Papst Franziskus wird für seinen Ausspruch "Mut zur weißen Fahne" möglicherweise zu Unrecht kritisiert. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus wird für seinen Ausspruch "Mut zur weißen Fahne" möglicherweise zu Unrecht kritisiert. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Der Politologe Johannes Varwick hat die umstrittenen Worte des Papstes über einen Verhandlungsfrieden im Ukrainekrieg verteidigt. "Dem Papst wird nun allerhand unterstellt. Dabei hat er Recht", sagte der Wissenschaftler der "Rheinischen Post" (Donnerstag). Wenn man genau hinhöre, seien seine Worte ein Appell für Verhandlungen mit nüchternem und realistischem Blick, so der Professor der Universität Halle-Wittenberg. Die öffentliche Reaktion auf die Äußerungen zeige indes, wie weit der öffentliche Diskurs schon einer reinen Militärlogik verhaftet sei.

"Das hat er so nicht gesagt"

"Wenn ein Akteur wie das Oberhaupt der katholischen Kirche sagt: So geht es nicht weiter, wir müssen umkehren – dann sollten wir das als Ansporn verstehen, nach Verhandlungslösungen zu suchen", betonte Varwick. Sicherlich sei die Formulierung "Mut zur weißen Fahne" ein Fehler gewesen. Aber der sei aus der Interview-Situation heraus entstanden. "Man kann sich jetzt daran festbeißen und dem Papst den Aufruf zur Kapitulation unterstellen. Das hat er aber so nicht gesagt", so der Politik-Experte. Franziskus habe dazu aufgerufen, in politische Lösungen zu investieren. Dass dies nun derart aus dem Zusammenhang gerissen werde, offenbare das Problem der aktuellen Debatten: "Die Militaristen und ihre Militärlogik haben die Oberhand."

Waffenstillstand und Mut zu Verhandlungen

Der Papst hatte der Ukraine in einem Interview des Schweizer Fernsehens "Mut zur weißen Fahne" und zu Verhandlungen unter internationaler Vermittlung nahegelegt. Viele verstanden dies als Aufruf zur Kapitulation. Vatikansprecher Matteo Bruni erklärte später, Franziskus habe "vor allem zu einem Waffenstillstand aufrufen und den Mut zu Verhandlungen wiederbeleben" wollen.

Das Interview führte zu Verstimmungen auf diplomatischer Ebene.

Zahlreiche Regierungen meldeten sich zu Wort und übten Kritik. Am Montag bestellte das ukrainische Außenministerium den Papstbotschafter in Kiew, Erzbischof Visvaldas Kulbokas, ein. Der Apostolische Nuntius wurde förmlich darüber informiert, dass die Ukraine von den Worten des Papstes "enttäuscht" sei.

Vatikan erläutert Papstwort zur "Weißen Flagge" für die Ukraine

Der Vatikan hat versucht, umstrittene Äußerungen des Papstes zu einem Verhandlungsfrieden im russisch-ukrainischen Krieg einzuordnen. Das zum Heiligen Stuhl gehörende Online-Portal Vatican News verbreitete in mehreren Sprachen, darunter auch auf Ukrainisch, einen Bericht über eine entsprechende Erklärung von Vatikansprecher Matteo Bruni.

Darin heißt es, Bruni habe auf Nachfrage gegenüber Journalisten präzisiert, dass der Papst mit seinen jüngst veröffentlichten Worten zur Ukraine "vor allem zu einem Waffenstillstand aufrufen und den Mut zu Verhandlungen wiederbeleben wollte".

Papst Franziskus / © Andrew Medichini/AP (dpa)
Papst Franziskus / © Andrew Medichini/AP ( dpa )
Quelle:
DR