Pfarrer zum Fake-News-Video aus der Luther-Kirche

"Damit verhöhnen sie Jesus"

Hasskommentare keimten im Netz auf mit einem Video, das angeblich Muslime betend in einer christlichen Kirche zeigt. Doch in Wirklichkeit ist eine Feier des orthodoxen Osterfestes zu sehen. Die Kommentatoren spucken auf das, was Jesus gelehrt hat, so der Pfarrer der Gemeinde.

Fake News im Netz / © Franziska Gabbert (dpa)
Fake News im Netz / © Franziska Gabbert ( dpa )

DOMRADIO.DE: Wie sehr haben Sie die Vorwürfe überrascht, Sie hätten Ihre Kirche für einen muslimischen Gottesdienst zur Verfügung gestellt?

Eckehard Möller (Pfarrer an der Martin-Luther-Kirche): Ja, ich war total perplex. Wer kommt denn auf so eine Idee? Ohne auch irgendwie mal nachzufragen. Was ist da eigentlich gewesen? Da hat sich, glaube ich, jemand geärgert, dass ihm verboten worden ist, in der Kirche zu filmen und Gesichter mit seinem Handy aufzunehmen. Das ist aus meiner Sicht der Auslöser zu dem Konflikt gewesen.

DOMRADIO.DE: Eritreische Christen gehören zu den ältesten Gruppen im Christentum - wie kann man die mit muslimischen Gebeten verwechseln?

Möller: Wenn  man das nicht kennt, wie ein eritreischer Gottesdienst abläuft – die Sprache ist fremd, die Kultur ist fremd, die Gesänge sind fremd – dann könnte man das schon verwechseln.

Aber in diesem Fall steckt aus meiner Sicht mit Verlaub entweder Dummheit oder auch ein bisschen kriminelle Energie dahinter. Im Eingang der Kirche steht ein großes Schild, wo drauf steht: "Zur Zeit feiern eritreisch-orthodoxe Christen in unserer Kirche Gottesdienst. Sie sind herzlich dazu eingeladen." Das kann jeder lesen.

DOMRADIO.DE: Was sagt der Vorfall über die Ahnungslosigkeit der diversen Kommentatoren im Internet aus?

Möller: Ich denke, da steckt die Absicht dahinter diesen Menschen etwas Böses zu unterstellen; vor allen Dingen von denjenigen, die das Video weiterverwendet haben.

DOMRADIO.DE: In der Tat haben einige Menschen das Video geteilt. Es heißt der Mitschnitt des Gottesdienstes sei auf einer Facebookseite aufgetaucht, die den Namen des ehemaligen Bautzener NPD-Kreischefs Marco Wruck trägt. Geteilt wurde das Video dem Bericht zufolge auch vom Dresdner AfD-Mitglied Maximilian Krah....

Möller: Es wurde mit ziemlich bösen Kommentaren versehen. Zum Beispiel "Mohammedaner entweihen unsere Kirchen und eignen sie sich an" " Mohammedaner", dieser Begriff ist schon mal falsch, "Kirchen" ist eine Verallgemeinerung, und "eignen sie sich an" das ist einfach unverfroren. Die Muslime würden Jesus verhöhnen und auf unseren christlichen Glauben spucken. Mit Verlaub, wer so etwas einfach ins Internet setzt, der verhöhnt Jesus und spuckt auf die christlichen Glaubensprinzipien und das, was Jesus gelehrt hat.

DOMRADIO.DE: Wie gehen die eritreischen Christen eigentlich mit dem Vorfall um?

Möller: Die Eritreer sind alle Flüchtlinge und sind natürlich jetzt verunsichert. Sie wollen kein Aufsehen erregen und wollen in Frieden ihren Gottesdienst feiern, wo sie sich treffen, wo sie zusammen kommen, wo sie ihre Kultur miteinander erleben. Das ist für sie wichtig. Das ist das Stück Heimat, was sie sich retten konnten. Und jetzt passiert so was. Das weckt bei ihnen auch unschöne Erinnerungen an das, was sie auch auf der Flucht erlebt haben.

DOMRADIO.DE: Gibt es schon Reaktionen von ihren Gemeindemitgliedern?

Möller: Unsere Gemeindemitglieder sind völlig entsetzt von diesen teils bösartigen Kommentaren, die man im Internet lesen kann. Das ist schon sehr unfein.

Das Interview führte Heike Sicconi.

Quelle:
DR