Vatikan für bedingungsloses Grundeinkommen in Corona-Krise

Personen ohne Verdienst unterstützen

Ein sozialethischer Experte des Vatikan hat sich angesichts weltweiter pandemiebedingter Ausgangssperren für ein Grundeinkommen ausgesprochen. Millionen informeller Arbeiter seien nicht gegen Verdienstausfall abgesichert.

Ein Grundeinkommen kann Existenzen sichern (shutterstock)
Ein Grundeinkommen kann Existenzen sichern / ( shutterstock )

Man könne diese Menschen nicht zwingen, ohne finanzielle Unterstützung zu Hause zu bleiben, sagte Augusto Zampini-Davies von der vatikanischen Entwicklungsbehörde am Samstag in Rom. Für solche Krisenfälle stehe Regierungen als Instrument das universelle Grundeinkommen zur Verfügung.

Einige Länder hätten bereits gezeigt, dass dies im Kampf gegen die Pandemie gut funktioniere, so der argentische Priester und Sozialethiker.

Modell nicht unumstritten

Zampini-Davies räumte ein, das Modell des leistungsunabhängigen Grundeinkommens sei nicht unumstritten; aber nach Abwägung des Für und Wider gebe es "keinen Zweifel, dass wir etwas tun sollten".

Wenn man die Gesundheit aller Bürger sicherstellen wolle, müsse man Personen ohne Verdienstmöglichkeit unterstützen. Auch die Internationale Arbeitsorganisation fordere Hilfe für informelle Arbeiter.

Mitglied in neu geschaffener Arbeitsgruppe

Der Ethiker, seit Anfang April beigeordneter Sekretär der Kurienbehörde für Entwicklungs- und Menschenrechtsfragen und Mitglied einer neu gegründeten vatikanischen Arbeitsgruppe zu den Covid-19-Folgen, verwahrte sich gegen den Vorwurf, die Kirche beziehe eine sozialistische Position.

Es gehe nicht um Sozialismus oder Kapitalismus. Augenblicklich stünden "alle gesellschaftlichen Strukturen auf dem Prüfstand". Die Kirche wolle die Option für die Armen als ein Grundprinzip einbringen. Zampini-Davies sprach von einem "ethischen Imperativ".

Quelle:
KNA