Patriarch Rai für UN-Sonderkonferenz zum Libanon

Appel an internationale Gemeinschaft

Der maronitische Patriarch Bechara Boutros Rai hat sich für eine internationale Sonderkonferenz unter Leitung der Vereinten Nationen zur Lösung der politischen Krise im Libanon ausgesprochen. Das Land befände sich in einer Sackgasse.

Flagge von Libanon (shutterstock)

Die Politiker des Landes seien nicht in der Lage, die wirtschaftlichen und politischen Probleme zu lösen, erklärte der Kardinal laut dem internationalen katholischen Hilfswerk "Kirche in Not" (Freitag). Seiner Ansicht nach befinde sich der Libanon in einer politischen Sackgasse. Die Probleme lägen in der politischen Machtstruktur, in der sich die einzelnen Kräfte gegenseitig blockierten, so der 82-Jährige. 

Kardinal Bechara Boutros Rai / © Cristian Gennari (KNA)
Kardinal Bechara Boutros Rai / © Cristian Gennari ( KNA )

Libanon - "Ausnahme im Nahen Osten"

Der Kardinal setze seine Hoffnung auf die internationale Gemeinschaft. Dies liege auch in deren Eigeninteresse, da der Libanon eine "Ausnahme im Nahen Osten" darstellt. Während in vielen Ländern der Weltregion autoritäre Regierungen ohne Gewaltenteilung herrschten und der Islam die dominierende Kraft sei, gebe es im Libanon "eine Aufteilung der Macht. Es gibt keine Staatsreligion, keine muslimische Dominanz und die Verantwortlichen haben die Erklärung der Menschenrechte unterzeichnet."

Das Hilfswerk hat seinen Angaben nach die Unterstützung angesichts der aktuellen Finanzkrise mit Teuerungsraten von mehr als 600 Prozent noch weiter verstärkt. Zuletzt brachte es ein Förderprogramm auf den Weg, damit 200 christliche Schulen wieder ihren Betrieb aufnehmen konnten. Der Patriarch hob in diesem Zusammenhang hervor, wie wichtig diese Bildungseinrichtungen für die Gesellschaft seien. Dort würden Christen und Muslime gemeinsam unterrichtet, was die Toleranz fördere. Schulen, Universitäten und auch Krankenhäuser seien "Werkzeuge der Botschaft der Kirche". 

Bisher keine Regierung im Libanon 

Der Libanon befindet sich seit Jahren in einer politischen und wirtschaftlichen Krise. Die Parlamentswahlen im Mai haben den Einfluss der schiitischen Hisbollah geschwächt und progressivere Kräfte gestärkt. Dennoch konnte bisher keine Regierung gebildet werden. Am 31. Oktober läuft zudem die Amtszeit von Staatspräsident Michel Aoun ab.

Im Libanon herrscht ein strenger Proporz, um die verschiedenen religiösen Gruppen zu berücksichtigen: Der Staatspräsident muss maronitischer Christ sein, Ministerpräsident wird ein sunnitischer Muslim, Parlamentspräsident ein Schiit. Die Parlamentssitze werden etwa je zur Hälfte von Christen und Muslimen besetzt. Auch alle anderen Ämter sind streng nach religiösen Gruppen und Konfessionen aufgeteilt.

Libanon

Der Libanon ist geprägt durch das Nebeneinander zahlreicher Religionen. Mit etwa 30 Prozent hat die parlamentarische Demokratie den größten Anteil Christen in der arabischen Welt. Die Muslime - Sunniten und Schiiten - machen inzwischen wohl mehr als 60 Prozent aus. Offiziell anerkannt sind 18 Religionsgemeinschaften, darunter die Minderheiten der Drusen und Alaviten.

Symbolbild: Flagge des Libanon / © Yulia Grigoryeva (shutterstock)
Symbolbild: Flagge des Libanon / © Yulia Grigoryeva ( shutterstock )
Quelle:
KNA