Am Montag ist im Institut de France in Paris der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. (86) feierlich als ausländisches assoziiertes Mitglied in die Französische Akademie der Moral- und Politikwissenschaften aufgenommen worden.
Er nimmt den Platz ein, den zuvor Kardinal Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. innehatte. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte das entsprechende Ernennungsdekret bereits vor einem Jahr unterzeichnet.
Wie Bartholomaios in seiner Festansprache sagte, sei es für ihn eine große persönliche Auszeichnung und Verpflichtung zugleich, auf diesem Stuhl der Akademie auf Papst Benedikt XVI. zu folgen. Mit Blick auf den Papst sprach der Patriarch von einem Ort lebendiger Erinnerung und zugleich einem Zeichen der Hoffnung: "Erinnerung an ein Leben, das der Suche nach Wahrheit und Vernunft gewidmet war. Hoffnung, dass der Weg der lebendigen Begegnung, den wir mit ihm teilen durften, über Zeit und Raum hinaus weitergehen wird."
Verbindung zwischen Rom und Konstantinopel
Bartholomaios hob die spirituelle Verbindung zwischen Rom und Konstantinopel, zwischen dem alten und dem neuen Rom, hervor. So werde dieser Ort zu einem Ort des Dialogs, an dem das gemeinsame Erbe nicht in der Vergangenheit erstarrt, sondern in der Verantwortung für Gegenwart und Zukunft erneuert wird.
Bartholomaios würdigte ausführlich Leben und Werk Joseph Ratzingers/Benedikt XVI. als Theologe und Kirchenoberhaupt. Dieser habe die seltene Gabe besessen, "Intelligenz und Spiritualität, Treue und Offenheit, Klarheit und Demut zu vereinen". So sei sein Leben zum Zeugnis der Einheit von Theologie und Gebet und von Wahrheit und Liebe geworden. Sein Werk werde weiterhin Früchte tragen, "auch wenn wir seine Stimme und seine Gegenwart vermissen". Im Anschluss an den Festakt wurde der Patriarch von Präsident Macron und Premierminister Sébastien Lecornu empfangen.
Bartholomaios ist griechisch-orthodoxer Patriarch von Konstantinopel und Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie.