Passauer Dom erhält Mahnmal zu Missbrauch in der Kirche

Holzfigur erinnert an Missbrauchsopfer

Fast 700 Kinder und Jugendliche sind seit 1945 von katholischen Priestern des Bistums Passau sexuell missbraucht oder körperlich misshandelt worden. Nun soll ein Mahnmal im Passauer Dom dauerhaft an das Leid erinnern.

Blick auf Passau / © lara-sh (shutterstock)

Im Passauer Dom wird an diesem Sonntag ein Mahnmal gegen das Vergessen von sexuellem, gewalttätigem und geistlichem Missbrauch vorgestellt. Das kündigt das Bistum Passau auf seiner Internetseite an. 

Im Rahmen eines Gottesdienstes enthüllt Bischof Stefan Oster die vom bayerischen Künstler Andreas Kuhnlein geschaffene Holzfigur. Sie trägt den Titel "Lichtblick" und zeigt eine schwangere Frau, die den Blick nach vorne richtet. Auf Anregung des Betroffenenbeirats hatte die Diözese das Werk erstanden. Dieses soll nach Abschluss der noch laufenden Renovierungsarbeiten im Dom dauerhaft beim Marienaltar installiert werden.

Stefan Oster, Bischof von Passau / © Julia Steinbrecht (KNA)
Stefan Oster, Bischof von Passau / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Die Idee dazu kam den Angaben zufolge vom Betroffenenbeirat. Sie sei vor rund drei Jahren entstanden, im Zusammenhang mit der Freundschaft zu dem aus Unterwössen im Chiemgau stammenden Holzbildhauer Kuhnlein, erklärte Sprecher Siegfried Lang.

Holzskulpturen in Sankt Martin

Der Künstler hatte 2022 in seinem Heimatort in der Kirche Sankt Martin einen Andachtsraum geschaffen, der an das Leid von mehreren Jugendlichen erinnert, die auf dem Pfarrgebiet von einem inzwischen verstorbenen Pfarrer in den 1960er Jahren missbraucht worden waren. Die Holzskulpturen zeigen Verurteilung, Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Inschriften in den Fenstern des Raumes stellen einen Zusammenhang zwischen der Passion Christi und der Situation Missbrauchsbetroffener her.

Lang sagte, das Erstgespräch mit Bischof Oster darüber, ein ähnliches Mahnmal auch für den Passauer Dom zu schaffen, habe sich als durchweg positiv herausgestellt. Der Schwerpunkt liege bei diesem Kunstwerk nun auf der Nachhaltigkeit. Denn: "Die große Gefahr ist bei diesen Aufarbeitungsthemen, die durch die Presse gehen: Man hört es, man sieht es, und damit ist das Thema dann aber auch wieder erledigt."

"Heart" in Münchner Liebfrauenkirche

Passau ist in Bayern das zweite Bistum nach der Erzdiözese München und Freising, das im Dom dauerhaft ein Mahnmal gegen Missbrauch aufstellt. Im Februar 2025 war in der Münchner Liebfrauenkirche das 60 Zentimeter hohe Werk "Heart" des Münchner Künstlers Michael Pendry enthüllt worden. Bis Ostern stand es am Hauptaltar, inzwischen hat es seinen Platz auf einer Stele in der Krypta des Gotteshauses gefunden.

Die im vergangenen Dezember veröffentlichte Missbrauchsstudie für das Bistum Passau hatte ergeben, dass fast 700 Kinder und Jugendliche seit 1945 von katholischen Priestern des Bistums sexuell missbraucht oder körperlich misshandelt worden sind. Ein Team der Hochschule unter Leitung des Historikers Marc von Knorring hatte diese im Auftrag der Unabhängigen Aufarbeitungskommission erarbeitet. Allerdings dürfte von einer nicht näher quantifizierbaren Dunkelziffer auszugehen sein, heißt es im Fazit.

Quelle:
KNA