Der Würzburger Bischof Franz Jung hat sich mit deutlichen Worten von seinem Amtsvorgänger Friedhelm Hofmann distanziert. Anlass ist ein Statement Hofmanns im Zuge der Aufarbeitung eines Falls sexualisierter Gewalt in der Pfarreiengemeinschaft Höchberg (Kreis Würzburg), wie das Bistum am Dienstag mitteilte.
Jung bewertete dieses Statement als vertane Chance: "Ich bin enttäuscht." Er habe erwartet, dass Hofmann sich seiner Verantwortung stellt und daraus Konsequenzen zieht. Ich bin nicht der Richter Bischof Friedhelms und kann auch niemanden zur Einsicht oder zu einem persönlichen Schritt zwingen", sagte Jung: "Für mich ist es sehr bitter, weil ich seit meinem Amtsantritt als Bischof in Würzburg für eine Haltungsänderung stehe."
Er stehe für rückhaltlose Aufarbeitung, für die Benennung von Fehlern und für Verantwortungsübernahme. Gleichwohl wurde Bischof Jung bei einer Versammlung in Höchberg am Montag ebenfalls kritisiert, weil er keine Konsequenzen für Hofmann gezogen habe.
Bistum wusste seit 2010 von dem Fall
Seit Oktober 2025 hat ein Prozessteam, bestehend aus Vertretern der Pfarreiengemeinschaft und des Bistums, die Aufklärung des Falls und die Versäumnisse rund um die Tatvorwürfe rekonstruiert.
Erstmals waren die Vorwürfe gegen einen 2017 bereits verstorbenen Pfarrer und Dekan im Jahr 2010 dem Bistum mitgeteilt worden. Spätestens seit diesem Zeitpunkt waren dem Bistum zwei Betroffene bekannt. Der Fall sei aber nur mündlich nach Rom gemeldet und keine weiteren Maßnahmen ergriffen worden, hieß es.
Altbischof Hofmann hatte in einer bei der Versammlung am Montag gezeigten Videobotschaft zwar gesagt: "Ich trage Verantwortung." Gleichwohl bekannte der heute 83-Jährige sich eben nicht zu seiner persönlichen Verantwortung und will daraus auch keine Konsequenzen ziehen.
Stattdessen verwies Hofmann auf seinen damaligen Generalvikar. Er habe sich "zu sehr auf die Bearbeitung" des Falls durch diesen verlassen. Er hätte als Bischof "stärker nachfragen, genauer hinschauen und konsequenter handeln müssen".