Papst trägt das Kreuz an Karfreitag als Zeichen für leidende Welt

"Auch wir können Friedensbotschafter sein"

Der Kreuzweg am Kolosseum in Rom ist eine der ergreifendsten Feiern der Karwoche. In den letzten Jahren trug selten der Papst das Kreuz. Leo XIV. will an seinem ersten Karfreitag im Amt alle 14 Stationen übernehmen.

Papst Leo XIV. im Gebet / © Vatican Media (KNA)
Papst Leo XIV. im Gebet / © Vatican Media ( KNA )

Die Karwoche in Rom ist besonders stimmungsvoll. Ein Highlight: der Kreuzweg am Kolosseum. An diesem Karfreitag erinnert der Papst an das Leiden von Jesus Christus auf besondere Weise: Beim traditionellen Kreuzweg am römischen Kolosseum trägt Leo XIV. das Holzkreuz über alle 14 Stationen selbst. 

Er wolle eine Stimme sein, die verkündet, dass Christus noch immer leidet, begründete Leo XIV. seine Entscheidung. "Auch ich trage all dieses Leid im Gebet und möchte alle Menschen guten Willens einladen, gemeinsam diesen Weg zu gehen und zu suchen, wie auch wir Friedensbotschafter sein können."

Ein großes beleuchtetes Kreuz vor dem Kolosseum beim Kreuzweg an Karfreitag in Rom am 29. März 2024 / © Lola Gomez/CNS photo (KNA)
Ein großes beleuchtetes Kreuz vor dem Kolosseum beim Kreuzweg an Karfreitag in Rom am 29. März 2024 / © Lola Gomez/CNS photo ( KNA )

Meditationen wohl mit Nahost-Bezug

Am Dienstag meldeten Vatikan-Medien, dass Leo XIV. als erster Papst seit vielen Jahren beim Kreuzweg am Kolosseum das Kreuz durch alle Stationen tragen wolle. In den Vorjahren hatte Papst Franziskus wegen seiner Gehbehinderung diese symbolische Geste anderen Gläubigen überlassen.

In den vergangenen beiden Jahren hatte Papst Franziskus persönlich die Meditationen verfasst. Am Karfreitag 2025 war er krankheitsbedingt am Kolosseum nicht anwesend, er starb drei Tage später im Vatikan.

Die Texte der Meditationen für die Feier wurden in diesem Jahr von dem Franziskaner Francesco Patton verfasst. Er war von 2016 bis 2025 Kustos im Heiligen Land und lebt jetzt am Berg Nebo in Jordanien. Die Texte dürften daher unter anderem auf die aktuellen Kriege in Nahost Bezug nehmen.

Die Ostertage im Vatikan

Der Kreuzweg am Kolosseum gehört zu den stimmungsvollsten Momenten der Osterfeierlichkeiten in Rom. Das alte Amphitheater wird mit Fackeln und Kerzen erleuchtet. Licht spielt auch in der Osternacht im Petersdom am Samstagabend eine große Rolle. Ist die Basilika zunächst in Dunkelheit gehüllt, erhellt nach und nach das unter den Teilnehmern weitergegebene Licht der Osterkerze den barocken Kirchenraum.

Am Sonntag folgt schließlich die feierliche Ostermesse auf dem mit Blumen geschmückten Petersplatz. Anschließend spricht Leo XIV. den wichtigen Segen "Urbi et orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis). Traditionell geht er bei seiner Ansprache auf Konflikte und Krisen weltweit ein.

Karfreitag

Am Karfreitag gedenken die Christen des Leidens und Sterbens Jesu. Theologisch ist der Feiertag untrennbar mit Ostern als dem Fest der Auferstehung verbunden.

Das Wort "Kar" kommt aus dem Althochdeutschen und bedeutet "Kummer". Karfreitag gedenken Katholiken und Protestanten der Kreuzigung Jesu. Neben Aschermittwoch ist dies der einzige Tag, der in der katholischen Kirche als strenger Buß- und Fasttag gilt.

Karfreitag ist ein stiller Feiertag (dpa)
Karfreitag ist ein stiller Feiertag / ( dpa )
Quelle:
KNA