Papst ruft zum Frieden zwischen Russland und der Ukraine auf

Neuer Friedensappell

Anlässlich des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, der vor sechs Monaten begann, hat Papst Franziskus erneut zum Frieden zwischen Russland und der Ukraine aufgerufen. Dabei benennt er Russland nicht als Aggressor.

Papst Franziskus richtet Friedensappell bei der Generalaudienz an Russland und Ukraine / © Gregorio Borgia (dpa)
Papst Franziskus richtet Friedensappell bei der Generalaudienz an Russland und Ukraine / © Gregorio Borgia ( dpa )

Auf den Tag sechs Monate nach dem Angriff der russischen Streitkräfte auf die Ukraine rief der Papst am Mittwoch bei der Generalaudienz im Vatikan zum Gebet auf "für das ukrainische Volk, das seit sechs Monaten den Schrecken des Krieges erleidet". Unter dem Beifall Tausender Pilger sagte Franziskus, er hoffe, dass "konkrete Schritte für ein Ende des Krieges und zur Vermeidung einer nuklearen Katastrophe in Saporischschja unternommen werden".

Gedenken an die Toten, Verletzten, Gefangenen und Geflüchteten

Er denke an die vielen Gefangenen, die Toten, die Geflüchteten, die Verletzten und an die Kinder in der Ukraine und in Russland, die Vater oder Mutter verloren hätten. Die Unschuldigen bezahlten für den auf beiden Seiten vorhandenen "Wahnsinn des Krieges", so der Papst weiter. Er erwähnte auch die am 20. August bei einem Bombenanschlag getötete russische Polit-Aktivistin Darja Dugina. Franziskus nannte sie eine "arme junge Frau, die in Moskau im Auto von einer Bombe in die Luft gejagt wurde".

Ukraine feiert im Schatten des Krieges Tag der Unabhängigkeit

Im Schatten des seit einem halben Jahr andauernden russischen Angriffskriegs begeht die Ukraine am 24. August ihren Nationalfeiertag. Der Unabhängigkeitstag sei ein wichtiges Datum für die Ukrainer und Ukrainerinnen - "und damit leider auch für unseren Feind", sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj. In Kiew herrschte Nervosität wegen befürchteter russischer Raketenangriffe auf große Städte. Selenskyj rief die Bevölkerung auf, sich an die Ausgangssperren zu halten und bei Luftalarm in Sicherheit zu bringen. "Denkt daran, wir sollen alle gemeinsam den Sieg erleben", sagte er.

Frauen tragen ukrainische Fahnen während der wöchentlichen Generalaudienz des Papstes / © Gregorio Borgia (dpa)
Frauen tragen ukrainische Fahnen während der wöchentlichen Generalaudienz des Papstes / © Gregorio Borgia ( dpa )

Zugleich verurteilte der Papst jene, "die am Krieg verdienen, indem sie Waffen verkaufen. Sie sind Verbrecher, sie ermorden die Menschheit." Er bete darum, dass die Muttergottes den beiden geliebten Ländern Ukraine und Russland den Frieden bringen möge.

Kritik vom ukrainischen Botschafter

Der ukrainische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Andrij Jurasch, kritisierte im Anschluss die Worte des Papstes. Es sei "nicht angemessen, die Ukraine und Russland in dieser Situation auf eine Stufe zu stellen". Nicht die Ukraine habe Russland angegriffen, sondern Tausende russische Soldaten hätten unschuldige ukrainische Zivilisten ermordet. Zum Tod von Dugina bemerkte der Botschafter, sie sei kein unschuldiges Opfer, sondern eine aktive Befürworterin des russischen Krieges gewesen.

Zu Spekulationen über einen möglichen Papstbesuch in der Ukraine betonte der Botschafter, der Pontifex sei jederzeit willkommen. Jeder Besuch in der Ukraine helfe, die reale Lage besser zu verstehen. Jurasch erinnerte an den Ukraine-Besuch des luxemburgischen Premiers Xavier Bettel Ende Juni. Bettel habe zunächst mit beiden Seiten sprechen wollen. Aber nachdem er das Ausmaß der russischen Aggression mit eigenen Augen gesehen hatte, habe er seinen Standpunkt geändert.

Jurasch war bei der Generalaudienz mit zahlreichen ukrainischen Pilgern und Geistlichen anwesend, wurde aber vom Papst nicht angesprochen. Franziskus erwähnte hingegen die an der Audienz teilnehmenden Gruppen ukrainischer Flüchtlinge. Einige von ihnen hielten bei den Worten des Papstes ukrainische Flaggen hoch.

Quelle:
KNA