Papst mahnt im Kongo zur Versöhnung der Konfliktparteien

Für Hoffnung, gegen Hass

Papst Franziskus hat in einer großen Messe in Kongos Hauptstadt Kinshasa zu Frieden in dem von Konflikten zermürbten Land aufgerufen. Rund eine Million Menschen sollen nach Schätzungen beim Gottesdienst mit dabei gewesen sein.

Reise in den Kongo: Papst Franziskus (M) trifft mit dem Papamobil am Flughafen Ndolo für den Gottesdienst ein / © Gregorio Borgia/AP (dpa)
Reise in den Kongo: Papst Franziskus (M) trifft mit dem Papamobil am Flughafen Ndolo für den Gottesdienst ein / © Gregorio Borgia/AP ( dpa )

Franziskus appellierte an die Christen, "mit allen zusammenzuarbeiten, um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen und die Ränke des Hasses zu zerschlagen".

Dem Gottesdienst am Mittwoch auf einem 50 Hektar großen Flugplatzgelände wohnten auch Präsident Felix Tshisekedi, Oppositionspolitiker und ranghohe Militärs bei. Die Messe war die Hauptveranstaltung während des viertägigen Aufenthalts des Papstes.

"Es sind brennende Wunden"

Franziskus mahnte eindringlich zu Vergebung, Gemeinschaft und Einsatz für Frieden. Jesus kenne die Wunden des Landes und leide mit ihm. "Es sind brennende Wunden, die ständig von Hass und Gewalt infiziert werden", während Gerechtigkeit und Hoffnung ausblieben, sagte der Papst.

Kinshasa: Gläubige versammeln sich am Flughafen Ndolo für eine Heilige Messe unter der Leitung des Papste / © Samy Ntumba Shambuyi/AP (dpa)
Kinshasa: Gläubige versammeln sich am Flughafen Ndolo für eine Heilige Messe unter der Leitung des Papste / © Samy Ntumba Shambuyi/AP ( dpa )

Auftrag der Christen sei es, den Frieden zu allen Menschen zu bringen, "vor allem den Fernen", betonte der Papst unter Anspielung auf die blutigen Gebietskonflikte im Osten des Landes.

Präsident Tshisekedi hatte in seiner Begrüßungsrede am Dienstag ausländische Kräfte und namentlich das benachbarte Ruanda für die jahrzehntelange Gewalt mit Millionen Toten verantwortlich gemacht.

Mahnung an Eliten

Im Beisein der Eliten des Landes warnte der Papst vor den "Fallen von Macht und Geld" und den "Verlockungen des Karrierismus, die die Gemeinschaft zersetzen". Als Mittel gegen gesellschaftliche Spaltung brauche es den "Mut, die Armen anzusehen" und sie als Mitglieder der Gemeinschaft anzunehmen.

Papst Franziskus (Ml) und Felix-Antoine Tshisekedi Tshilombo, Präsident von Demokratische Republik Kongo (r), kommen zu einem Treffen mit Behörden, den Bürgern und dem diplomatischen Korps im Garten des "Palais de la Nation". / © Gregorio Borgia (dpa)
Papst Franziskus (Ml) und Felix-Antoine Tshisekedi Tshilombo, Präsident von Demokratische Republik Kongo (r), kommen zu einem Treffen mit Behörden, den Bürgern und dem diplomatischen Korps im Garten des "Palais de la Nation". / © Gregorio Borgia ( dpa )

In dem an Mineralien reichen Land leben nach Weltbankangaben mehr als ein Drittel der Menschen von weniger als zwei Euro am Tag; auf dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International nimmt der Kongo den 166. von 180 Plätzen ein.

Gottesdienst im Zaire-Ritus

Franziskus feierte den Gottesdienst nach dem Zaire-Ritus, der traditionelle afrikanische Elemente wie Tanz und Prozessionen in den liturgischen Ablauf einbindet. Anstelle des Papstes, der durch ein Knieleiden in der Beweglichkeit eingeschränkt ist, zelebrierte Kinshasas Erzbischof Fridolin Ambongo Besungu die Eucharistiefeier.

Ihn hatte Franziskus 2019 zum Kardinal erhoben und 2020 in den Kardinalsrat berufen, sein engstes Beratergremium.

Quelle:
dpa , KNA