Papst Leo XIV. kritisiert Trumps Politik

Klare Worte ohne Polemik

Leo XIV. ist derzeit der prominenteste US-Amerikaner nach Präsident Trump. Der Papst kritisiert dessen Politik immer wieder deutlich, wählt dafür aber meist leise Töne. Und dann ist da auch noch die Vatikandiplomatie.

Autor/in:
Ludwig Ring-Eifel
 © Gregorio Borgia (dpa)
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Wenn Papst Leo XIV. die aktuelle Außenpolitik der USA kritisiert, spricht er von "Plänen, die die Welt dominieren". Er beschreibt sie als "Strategien, die darauf abzielen, Märkte, Gebiete und Einfluss-Sphären zu erobern."

Nicolas Maduro / ©  Jesus Vargas (dpa)
Nicolas Maduro / © Jesus Vargas ( dpa )

So geschehen am Silvestertag 2025 im Petersdom. Zwar nannte der Papst, in dessen Familie es bekennende Trump-Wähler gibt, in seiner kritischen Predigt weder den US-Präsidenten noch das Land seiner Herkunft beim Namen. Doch war offensichtlich die neue "Sicherheitsdoktrin" der USA damit gemeint - ebenso wie die der anderen Großmächte, die derzeit die Welt unter sich aufteilen. Als drei Tage später US-Streitkräfte in Venezuela eingriffen und Diktator Nicolás Maduro festnahmen, warteten Beobachter gespannt auf die Reaktion des Papstes. Beim Mittagsgebet am Tag nach der US-Attacke wählte Leo XIV. dann noch vorsichtigere Töne als zum Jahreswechsel.

"Mit großer Sorge" verfolge er die Lage in Venezuela, sagte er und fuhr fort: "Das Wohl des geliebten venezolanischen Volkes muss Priorität haben." Daher gelte es, "die Gewalt zu überwinden und Wege der Gerechtigkeit und des Friedens einzuschlagen". Dafür müsse "die Souveränität des Landes garantiert, der in der Verfassung definierte Rechtsstaat gesichert, die Menschenrechte und die bürgerlichen Rechte aller gewahrt werden".

Gewundene Sprache der Vatikandiplomatie

Der Appell war in der gewundenen Sprache der Vatikandiplomatie verfasst und ganz auf die interne Lage in dem Karibikstaat zentriert. Dass Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin lange Papstbotschafter in Caracas war und die Nummer zwei im Staatssekretariat, Erzbischof Edgar Peña Parra, selbst Venezolaner ist, schlägt sich in solchen Formulierungen nieder. Ein kritischer Seitenhieb in Richtung USA war allenfalls in dem Hinweis auf die Achtung der Souveränität des Landes zu finden, die auf Trumps Befehl in eklatanter Weise verletzt wurde.

Anders drückt sich der Papst aus den USA aus, wenn er selbst "ungefiltert" spricht. Dann sagt er mitunter unverblümt seine Meinung zu Vorgängen in den USA - bleibt aber auch bei diesen Anlässen im Ton meist eher leise. Denn nicht nur inhaltlich, auch im Stil ist der Papst aus Chicago das exakte Gegenteil zum polternden Präsidenten aus New York.

Tadel für Trumps Anti-Europa-Rhetorik

Eine gute Gelegenheit für Äußerungen im "O-Ton Leo" bietet sich allwöchentlich vor den Toren seiner Zweitresidenz im Bergstädtchen Castel Gandolfo. Dort verbringt der Papst seine Dienstage außerhalb von Rom. Und bevor er abends ins Auto steigt, um in den Vatikan zurückzukehren, haben Reporter Gelegenheit, ihm Fragen - oft auf Englisch - zuzurufen, die er dann mundgerecht für amerikanische News-Kanäle beantwortet.

Immer wieder geht es dabei auch um die US-Politik - und um Fragen von Krieg und Frieden. Da kann es vorkommen, dass Leo Trumps Bemühungen um einen Waffenstillstand im Nahen Osten lobt. Aber auch, dass er angesichts der Distanzierung der USA von Europa sagt: "Einige Bemerkungen über Europa, auch in manchen aktuellen Interviews, versuchen, so scheint mir, das auseinanderzubrechen, was aus meiner Sicht heute und künftig ein wichtiges Bündnis für die Zukunft sein sollte."

Kritik an Trumps Härte gegen Migranten

Und zur Ukraine erklärte er: "Der Versuch, eine Friedensvereinbarung unter Ausschluss Europas zu erreichen, ist nicht realistisch. Der Krieg ist in Europa, und ich glaube, dass Europa Teil der Sicherheitsgarantien sein muss." Schließlich fügte er - wieder, ohne Trump beim Namen zu nennen - hinzu: "Leider versteht das nicht jeder."

Noch klarer ist der Papst bei der Bewertung des harten Vorgehens der Anti-Immigrationsbehörde ICE in den USA. Zunächst überließ er der US-Bischofskonferenz die Aufgabe, mit einer "besonderen Botschaft" dieses Vorgehen zu kritisieren. Darin wandten sich die Bischöfe "gegen eine undifferenzierte Massenabschiebung" und beteten für ein "Ende der unmenschlichen Rhetorik und Gewalt".

Symbolbild Migranten in El Paso / © Ruben2533 (shutterstock)
Symbolbild Migranten in El Paso / © Ruben2533 ( shutterstock )

Einige Tage später verschärfte der Papst persönlich den Ton. Bei einem "Doorstep" in Castel Gandolfo am 18. November nannte er das Vorgehen der ICE-Agenten "extrem respektlos" und forderte einen "humanen Umgang mit Menschen unter Respektierung ihrer Würde". Die Mahnungen des Papstes hatten in den USA ein so lautes Echo, dass sich Trumps Sprecherin Karoline Leavitt veranlasst sah, die Kritik förmlich zurückzuweisen.

Der politische Hebel des Papstes

Wenn die Worte des Papstes in seiner Heimat Gewicht haben, liegt das vor allem an der Stärke des katholischen Wählerblocks. Jeder fünfte Wahlberechtigte in den USA ist katholisch. Ohne die Stimmen der Katholiken, die vor allem wegen der ultraliberalen Abtreibungspolitik der US-Demokraten seit Jahrzehnten mehrheitlich republikanisch wählen, wäre Trump nicht Präsident geworden. Sein politisches Lager bleibt auf diese Stimmen angewiesen.

Dass er als Papst aus den USA dort mehr politische "Hebel" hat als je ein Papst zuvor, scheint Leo XIV. bewusst zu sein. Seine detailgenauen Einlassungen zu strittigen Themen dort zeigen das. Sie unterscheiden sich mitunter von den Sätzen aus der Feder seiner Chefdiplomaten. Doch vermeidet Leo krasse Abweichungen, wie sie unter seinem Vorgänger Franziskus üblich waren. Der äußerte sich gerne so spontan und einseitig, dass seine Chefdiplomaten oft zurückrudern mussten, um Eklats aus der Welt zu schaffen.                                                                                                   

Quelle:
KNA