Die US-Militäraktion begann in der Nacht zum Samstag. Videosequenzen in den Sozialen Netzwerken zeigen Helikopter und Flugzeuge am Himmel über Caracas. Detonationen sind zu sehen und zu hören. Ziel sind laut Angaben lokaler Medienberichte militärische Einrichtungen der venezolanischen Armee. Und offenbar sollte die Militäraktion auch helfen, eine Spezialoperation aus dem Boden zu begleiten. Die hatte nach Angaben der USA zum Ziel, Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro festzunehmen und außer Landes zu bringen.
Schließlich verkündete US-Präsident Donald Trump: "Die Vereinigten Staaten von Amerika haben erfolgreich einen großangelegten Angriff auf Venezuela und dessen Staatschef Nicolás Maduro durchgeführt, der zusammen mit seiner Frau festgenommen und außer Landes gebracht wurde."
Ein Viertel der Bevölkerung geflüchtet
Mit der Verhaftung geht die nun fast 13-jährige Präsidentschaft Maduros zu Ende. US-Berichten zufolge soll er vor ein Gericht in New York gestellt werden. Dort soll ihm wegen Drogenhandels der Prozess gemacht werden. Vorangegangen war eine mehrwöchige Militäroperation in der Karibik, bei der mehr als 30 Boote attackiert wurden, die Drogen aus Venezuela transportiert haben sollen. Nun obliegt es der US-Drogenfahndung DEA, die Vorwürfe auch gerichtsfest zu beweisen.
Eine andere Ebene sind die Vorwürfe schwerer Menschenrechtsverletzungen des linksextremen Maduro-Regimes. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hatte deshalb schon Ermittlungen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufgenommen. UN-Berichterstatter hatten erst vor wenigen Tagen nochmals über außergerichtliche Hinrichtungen des venezolanischen Militärs berichtet.
Attacken gegen katholische Kirche
Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch oder Amnesty International hatten Folter, Mord und brutale Repression gegen die venezolanische Opposition belegt. Wegen der Gewalt der Sicherheitskräfte waren in den letzten zehn Jahren an die acht Millionen Menschen aus Venezuela geflohen, das entspricht einem Viertel der Bevölkerung.
Zuletzt hatte Maduro auch die katholische Kirche im Land scharf attackiert. Sicherheitskräfte nahmen Kardinal Baltazar Porras den Reisepass ab, als dieser zu einer Konferenz in Spanien reisen wollte. Zuvor hatte der venezolanische Kirchenvertreter im Vatikan über die schweren Menschenrechtsverletzungen berichtet und die Freilassung aller politischen Gefangenen gefordert.
Weitere Entwicklung unklar
Wie es nun im Land weitergeht, ist unklar. Der venezolanische Machtapparat stützte sich auch auf gewaltbereite paramilitärische Gruppen, die in der Vergangenheit immer wieder Proteste niederschlugen. Die Nichtregierungsorganisation "Foro Penal" forderte die Machthaber in Caracas auf, den Schutz der derzeit in Gefängnissen inhaftierten politischen Gefangenen zu garantieren. In vielen lateinamerikanischen Städten feierten geflüchtete Exil-Venezolaner die Verhaftung Maduros spontan auf den Straßen.
Kolumbiens linksgerichteter Präsident Gustavo Petro verurteilte dagegen das Vorgehen der Amerikaner und forderte eine Sondersitzung der Organisation Amerikanischer Staaten. Brasiliens Präsident Lula da Silva warnte vor einer gefährlichen Eskalation der Lage, die außer Kontrolle geraten könnte. Russland verurteilte in einer allerdings eher zurückhaltenden Stellungnahme die Aktion und rief alle Seiten zum Dialog auf.
Sorge bei UN und EU
Sorge und Kritik angesichts des Vorgehens von Trump in Wildwest-Manier äußerten auch die Vereinten Nationen und die Europäische Union. Die Aktion stelle einen gefährlichen Präzedenzfall dar, ließ UN-Generalsekretär António Guterres mitteilen. Er sei "alarmiert" über die Eskalation und besorgt über den Verstoß gegen das Völkerrecht, erklärte ein Sprecher.
Ähnlich forderte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Achtung des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen. Die EU unterstütze einen "friedlichen und demokratischen Übergang" in Venezuela, schrieb von der Leyen im Online-Dienst X. Sollte es in Venezuela Neuwahlen geben, an denen alle politischen Kräfte des Landes teilnehmen könnten, dürfte Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado als große Favoritin gelten. Ob es dazu allerdings kommt, ist augenblicklich unklar.