Nach der Türkei und dem Libanon soll es nun also nach Angola gehen. Zumindest hat Leo XIV. die Einladungen der katholischen Bischöfe Angolas und des angolanischen Präsidenten angenommen. Das ist die Grundvoraussetzung für einen offiziellen Papst-Besuch. Wenn Leo dann dieses Jahr nach Angola reist, trifft er auf eine schnell wachsende, junge Bevölkerung, die sich mehr Teilhabe wünscht.
Christlich geprägtes Land
In Angola bekennen sich mehr als 90 Prozent der Bevölkerung zum Christentum, zwischen 40 bis 56 Prozent zum katholischen Glauben, knapp unter 40 Prozent zur protestantischen Kirche. Bereits im späten 15. Jahrhundert kamen portugiesische Entdecker und Missionare nach Angola - und mit ihnen der christliche Glaube. Dieser löste mit der Zeit traditionelle Religionen ab.
Die katholische Kirche in Angola besitzt Beobachtern zufolge eine Glaubwürdigkeit, über die nur wenige in dem Land verfügen. Erzbischof Giovanni Gaspari, ehemaliger Apostolischer Nuntius in Angola und São Tomé und Príncipe, hob die Arbeit der katholischen Kirche im Land hervor. So leiste sie großartige Arbeit zum Wohle der Menschen und der Menschenwürde. Wichtig, insbesondere nach Angolas Vergangenheit.
Koloniales Erbe
Angola war jahrhundertelang eine portugiesische Kolonie. Auch die Kirche war ein Bestandteil der portugiesischen Kolonialherrschaft. Missionare förderten die portugiesische Sprache und Kultur. Das Land mit heute mehr als 37 Millionen Einwohner wurde als eines der letzten Länder auf dem afrikanischen Kontinent unabhängig. Erst 1975 löste es sich aus der portugiesischen Herrschaft. Der jahrhundertelange Kampf um die Unabhängigkeit führte in einen Bürgerkrieg, der erst 2002 beendet wurde.
Insbesondere in dieser Zeit ist die katholische Kirche zu einer der wichtigsten moralischen und sozialen Stimmen des Landes geworden. Sie pocht immer wieder auf Gerechtigkeit und Versöhnung. Beides ist auch 23 Jahre nach Ende des Bürgerkriegs notwendig.
Abhängig von China
Denn auch nach der europäischen Kolonialvergangenheit bleibt Angola abhängig: Seit Jahrzehnten fließen Milliarden aus China in das Land - etwa ein Viertel aller chinesischer Kredite in Afrika. Damit sollten die Kapazitäten für Ölförderung ausgebaut werden. In Folge dessen hingen zwischenzeitlich über 90 Prozent des Exports am Öl – und mit ihm war Angola anhängig vom Ölpreis und nicht zuletzt von China.
Inzwischen steuert die Regierung gegen. Viele Beobachter sehen in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion eine zunehmende Orientierung gen Westen. Europäischer und amerikanische Länder werden als Handelspartner immer wichtiger – auch und gerade um den Einfluss Chinas zurückzudrängen. Doch trotz des Ölreichtums sind viele Menschen der überaus jungen Bevölkerung arm.
Kirche mit sozialer Verantwortung
Die katholische Kirche übernimmt im südwestafrikanischen Land eine wichtige seelsorgerische Rolle. Institutionen erstrecken sich über ganz Angola, das dreieinhalb Mal so groß ist wie Deutschland. Die katholische Kirche ist in Diözesen und Erzdiözesen organisiert und unterhält tausende Pfarreien. Allgemein ist kirchliche Seelsorge entscheidend für die Grundversorgung des Landes: Krankenhäuser, Kliniken und Schulen, aber auch die Katholische Universität von Angola gehören zu wichtigen Einrichtungen im Land.
Erster Papst mit Afrika-Erfahrung
Wenn Papst Leo Angola dieses Jahr besuchen wird, wird es der dritte Besuch eines Papstes dort sein, nachdem Johannes Paul II. 1992 und Benedikt XVI. 2009 dem südwestafrikanische Land einen Besuch abgestattet haben. Franziskus war vor drei Jahren unter anderem in Angolas Nachbarland, der Demokratischen Republik Kongo.
Leo wird der erste Papst der Moderne sein, der den afrikanischen Kontinent als Chef des international tätigen Augustinerordens und als Leiter der vatikanischen Bischofsbehörde kennt. In dieser Zeit war er unter anderem in Kenia, Tansania und Nigeria unterwegs.