Papst hat Kardinal Woelkis Rücktrittsgesuch in der Hand

Abwarten und abwägen

Kardinal Rainer Maria Woelki bleibt als Erzbischof von Köln vorerst im Amt, "aber ich habe sein Rücktrittsgesuch in der Hand". Mit diesen Worten hat sich Papst Franziskus in einem nun veröffentlichten Interview geäußert.

 Papst Franziskus und Rainer Maria Kardinal Woelki / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus und Rainer Maria Kardinal Woelki / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Papst Franziskus will ohne äußeren Druck über das Rücktrittsangebot des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki entscheiden. Daher werde er noch abwarten, kündigte der Papst in einem am Dienstag veröffentlichten Gespräch mit kirchennahen Journalisten aus zehn Ländern an. "Unter Druck ist es nicht möglich, zu unterscheiden", fügte Franziskus hinzu.

"Ich habe sein Rücktrittsgesuch in der Hand"

In dem Interview enthüllte er, dass er auf die krisenhaften Vorgänge in Deutschlands größtem Bistum mehr und direkteren Einfluss genommen hat als bislang bekannt. Wörtlich sagte der Papst: "Als die Situation sehr turbulent war, bat ich den Erzbischof, für sechs Monate wegzugehen, damit sich die Dinge beruhigten und ich klarer sehen konnte. Denn wenn das Wasser aufgewühlt ist, kann man nicht gut sehen. Als er zurückkam, bat ich ihn, ein Rücktrittsgesuch zu verfassen. Er tat dies und gab es mir."

Papst Franziskus mit Kardinal Rainer Maria Woelki im Jahr 2018 / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus mit Kardinal Rainer Maria Woelki im Jahr 2018 / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Franziskus sagte weiter, seither warte er auf eine Klärung der Lage. Mit Blick auf Woelki erläuterte er: "Ich habe ihn an seinem Platz gelassen, um zu sehen, was passieren würde, aber ich habe sein Rücktrittsgesuch in der Hand." Es gebe zahlreiche Gruppen, "die Druck machen".

Der Papst betonte, unterschiedliche Standpunkte in einem Bistum seien "in Ordnung" und fuhr jedoch fort: "Das Problem ist, wenn Druck entsteht. Das hilft nicht." Im Übrigen sei Köln nicht die einzige Diözese in der Welt, in der es Konflikte gebe. Er behandle "Köln wie jede andere Diözese in der Welt, die Konflikte erlebt."

Erneute Untersuchung im Erzbistum Köln?

Weiter deutete der Papst an, dass er eine erneute Untersuchung im Erzbistum Köln "in Erwägung" ziehe, bei der es um finanzielle Probleme gehe.

Köln: Die Apostolischen Visitatoren Anders Arborelius (l) und Hans van den Hende / © Marius Becker (dpa)
Köln: Die Apostolischen Visitatoren Anders Arborelius (l) und Hans van den Hende / © Marius Becker ( dpa )

In Deutschlands mitgliederstärkstem Bistum mit knapp zwei Millionen Katholiken hat sich vor allem an der Aufarbeitung des Missbrauchs eine Vertrauenskrise entzündet. Deshalb ging Erzbischof Woelki in eine mehrmonatige Auszeit. Bei seiner Rückkehr Anfang März sagte der Kardinal, er habe dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Zugleich warb er um eine zweite Chance.

Das Gespräch des Papstes mit den Journalisten wurde am 19. Mai im Vatikan geführt und am Dienstag zeitgleich in zehn Sprachen und Ländern in Zeitschriften veröffentlicht, die dem Jesuitenorden verbunden sind. Auch Franziskus gehört dem Orden an. In Deutschland veröffentlichte die Zeitschrift "Stimmen der Zeit" den Wortlaut.

So funktioniert der Rücktritt eines Bischofs

Ein Bischof der römisch-katholischen Kirche kann nicht selbst zurücktreten, laut Kirchenrecht kann er dem Papst aber seinen Amtsverzicht anbieten. Wenn das Gesuch vom Heiligen Vater angenommen wird, behält der Betreffende den Titel eines Bischofs, denn die Bischofsweihe als Sakrament gilt als unumkehrbar. Aus einem Diözesanbischof als Vorsteher eines Bistums wird aber ein Titularbischof.

Ein Pileolus: Kopfbedeckung eines Bischofs / © N.N. (KNA)
Quelle:
KNA