Papst Franziskus' Stimme bleibt auch ein Jahr nach seinem Tod

Legendäre Auftritte bis zum Schluss

Der Papst, der bleibt: Franziskus war ein beständiger Mahner gegen den Krieg und für den Frieden. Auch ein Jahr nach seinem Tod berühren seine Worte weiterhin Millionen und zeigen, wie stark sein Vermächtnis ist.

Autor/in:
Severina Bartonitschek
Menschen trauern in einer Prozession um Papst Franziskus am 26. April 2025 in Buenos Aires / © Mariano Campetella (KNA)
Menschen trauern in einer Prozession um Papst Franziskus am 26. April 2025 in Buenos Aires / © Mariano Campetella ( KNA )

"Non rassegniamoci alla guerra" hallt Papst Franziskus' Stimme durch das altehrwürdige Ariston-Theater in San Remo. 

Ende Februar 2026 mahnt er das Millionenpublikum von Italiens berühmtestem Musikfestival eindringlich, sich nicht mit dem Krieg abzufinden. Die Stimme des Mannes, der bereits seit 2014 vor dem Dritten Weltkrieg warnte, ist auch nach seinem Tod in der Nacht auf Ostermontag 2025 nicht verstummt. Seine warnenden Worte und klaren Friedensappelle sind aktueller denn je.

Auch posthum populär

Bild vom verstorbenen Papst Franziskus / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Bild vom verstorbenen Papst Franziskus / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Der am 17. Dezember 1936 im argentinischen Buenos Aires geborene Papst bleibt auch posthum populär. Nach wie vor prangt sein Antlitz auf Postkarten, Kalendern und Magneten in den zahlreichen Souvenirläden der Ewigen Stadt. 

Der Besuch seines Grabes bleibt für viele Rombesucher obligatorisch, auch wenn der Massenandrang in der Basilika Santa Maria Maggiore abgeebbt und die Absperrung drei hölzernen Kniebänken gewichen ist. 

Noch Monate nach seinem Tod standen Menschen lange an, um kurz an der Grabstätte aus weißem Marmor zu verweilen. Drängelgitter schlängelten sich über den großen Platz hinter der Kirche nahe dem römischen Hauptbahnhof.

Langes Leiden

Weltweit hatten die Menschen Anteil genommen an Franziskus' Tod und seiner vorangegangenen langen Leidenszeit. Die letzten Monate des am 13. März 2013 gewählten Kirchenoberhaupts waren geprägt von Krankheit und seinem bis dato längsten Klinikaufenthalt. 

38 Tage verbrachte der 88-Jährige aufgrund einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung in der päpstlichen Krankenwohnung der römischen Gemelli-Klinik.

Nonnen beten vor der Gemelli-Klinik für Papst Franziskus / © Andrew Medichini (dpa)
Nonnen beten vor der Gemelli-Klinik für Papst Franziskus / © Andrew Medichini ( dpa )

Während täglich Fotografen und Journalisten vor dem Krankenhaus auf ein Lebenszeichen warteten, kamen allabendlich Menschen auf dem Petersplatz zusammen, um für seine Genesung zu beten. Genau dort hörten die Menschen nach drei Wochen ohne persönliches Lebenszeichen wieder die Stimme des Papstes: Schwach und nach Luft ringend dankte Franziskus den Menschen in einer Audiobotschaft für ihre Gebete.

Zehn Tage später veröffentlichte der Vatikan erstmals ein Foto, das ihn in eingesunkener Sitzhaltung schräg von hinten zeigte. Sein Gesicht war nicht zu sehen, wohl aber seine stark geschwollene rechte Hand. Wiederum eine Woche später wurde der Papst für eine zweimonatige Erholungsphase in den Vatikan entlassen. 

Doch einmal aus der Klinik raus, tat Franziskus das, was während seiner gesamten Amtszeit sowohl den eigenen Apparat als auch die Medienvertreter auf Trab hielt: was er wollte. Kontrollieren ließ sich der eigenwillige Südamerikaner nie.

Legendäre Auftritte bis zum Schluss

So "durchschritt" er die Heilige Pforte des Petersdoms mit seinem Rollstuhl, überraschte Pilger während einer Messe auf dem Petersplatz mit einem Spontanauftritt, besuchte seine römische Lieblingskirche Santa Maria Maggiore und empfing heimlich das britische Königspaar.

Papst Franziskus empfängt den (damaligen) britischen Prinzen Charles und seine Ehefrau Camilla am 4. April 2017 zu einer Privataudienz im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus empfängt den (damaligen) britischen Prinzen Charles und seine Ehefrau Camilla am 4. April 2017 zu einer Privataudienz im Vatikan. / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Einen legendären Auftritt hatte sich der gebürtige Argentinier auch bis kurz vor seinem Tod aufgespart: Bedeckt mit einem weiß-grün gestreiften Poncho ließ er sich für ein kurzes Gebet in den Petersdom schieben. Dort begrüßte er überraschte Besucher und segnete Kinder – genauso wie bei seinem letzten öffentlichen Auftritt am Ostersonntag.

Weniger als 24 Stunden vor seinem Tod spendete er noch den wichtigen Segen "Urbi et orbi" und ließ seine hochpolitische Osteransprache verlesen. Ein letztes Mal mahnte er darin Dialog und Frieden an und erinnerte an Kriege und Konflikte weltweit. Dann drehte er die finale Runde im Papamobil auf dem Petersplatz. 

An Ostermontag um 7.35 Uhr hörte sein Herz auf zu schlagen – und die Welt verabschiedete sich vom ersten Lateinamerikaner und ersten Jesuiten auf dem Papstthron.

Über 250.000 Menschen kamen zu seiner schlichten Trauerfeier auf dem Petersplatz. In Deutschland verfolgte fast jeder Vierte die Zeremonie, in der Franziskus seinen Kardinaldekan Giovanni Battista Re noch einmal seine beständigen Mahnungen für Frieden und den Einsatz für die Schwächsten vortragen ließ.

Hochpolitische Trauerfeier

Die Adressaten waren in großen Teilen selbst zugegen: Dem Requiem unter freiem Himmel vor dem Petersdom wohnten Vertreter von mehr als 30 christlichen Kirchen und aus über 150 Staaten bei, darunter zwölf gekrönte Häupter, 52 Staatsoberhäupter und zahlreiche Regierungschefs, auch aus verfeindeten oder in Konflikten stehenden Staaten wie Israel, Palästina und Iran oder Indien und Pakistan. 

Ein Blick auf die Beerdigung von Papst Franziskus auf dem Petersplatz im Vatikan. (dpa)
Ein Blick auf die Beerdigung von Papst Franziskus auf dem Petersplatz im Vatikan. / ( dpa )

Am Rand der Feier trafen sich US-Präsident Donald Trump und sein ukrainischer Amtskollege Wolodymyr Selenskyj zu einem spontanen Gespräch im Petersdom.

Gemäß seinem Wunsch wurde Franziskus in Santa Maria Maggiore außerhalb der ihn so lange einengenden Vatikanmauern beigesetzt – nach einer allerletzten Fahrt mit dem Papamobil durch Rom. Knapp zwei Wochen später wurde mit Leo XIV. ein Nachfolger gewählt, der wohl nach Franziskus' Geschmack war.

Papst Leo XIV. legt Blumen nieder am Grab von Papst Franziskus in der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Leo XIV. legt Blumen nieder am Grab von Papst Franziskus in der Basilika Santa Maria Maggiore in Rom / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Doch vergessen wird der Argentinier nicht. Neben seinem Kurzauftritt beim Musikfestival San Remo widmen sich Bücher und Kunstausstellungen seinem Gedenken, der Trailer eines kommenden Kinofilms beginnt mit der Aufnahme eines Treffens mit dem Papst im Vatikan.

Wenige Monate nach seinem Tod wurde ein Krankenhaus in Süditalien nach ihm benannt. Und nicht zuletzt Leo XIV. zitiert seinen Vorgänger regelmäßig und in den verschiedensten Zusammenhängen. Franziskus ist tot, aber seine Stimme bleibt.

Papst Franziskus †

Jorge Mario Bergoglio wurde am 17. Dezember 1936 in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires geboren. Von 1950 bis 1954 machte er eine Ausbildung als Chemietechniker. In den Jesuitenorden trat er 1958 ein. Danach vervollständigte er seine humanistischen Studien in Chile.

Er kehrte 1963 nach Argentinien zurück und schloss sein Philosophiestudium ab. Im kommenden Jahr wurde er zum Professor für Literatur und Psychologie, erst in Santa Fe, dann in Buenos Aires. Ab 1967 studierte er Theologie, in der Zeit erhielt er auch seine Priesterweihe (1969).

Papst Franziskus † (KNA)
Papst Franziskus † / ( KNA )
Quelle:
KNA