Papst Leo XIV. will über den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und andere Fragen von Ehe und Familie in der Kirche erneut debattieren lassen. In einer am Donnerstag veröffentlichten Botschaft schrieb der Papst, er wolle im Oktober mit den Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen weltweit über die Inhalte des zehn Jahre alten Dokuments "Amoris laetitia" über Ehe und Familie beraten.
In diesem Dokument hatte Franziskus nach Debatten mit Kardinälen und nach einer Weltbischofssynode die katholische Ehelehre neu formuliert und dabei einige Bestimmungen gelockert. So hatte er entschieden, dass wiederverheiratete Geschiedene in der katholischen Kirche nicht länger kategorisch vom Zugang zu Beichte und Kommunion ausgeschlossen sein sollten; seither können die Seelsorger je nach Einzelfall entscheiden.
Umstrittene Reform
Dieser Weg war in der katholischen Weltkirche zunächst sehr umstritten. Mehrere Bischöfe und Kardinäle sprachen sich offen dagegen aus. Sie kritisierten die Entscheidung des Papstes, weil sie eine Aufweichung des biblischen Prinzips der Unauflöslichkeit der Ehe befürchteten. Die Mehrheit der Weltbischofssynode hatte sich jedoch dafür ausgesprochen.
In seiner Botschaft vom Donnerstag deutet Papst Leo XIV. an, dass er den Reformansatz seines Vorgängers fortsetzen will. Er schreibt, das Dokument "Amoris laetitia" biete "eine wertvolle Lehre, die wir heute weiter vertiefen müssen: die biblische Hoffnung auf die liebevolle und barmherzige Gegenwart Gottes, die es ermöglicht, 'Geschichten der Liebe' zu leben, auch wenn man 'Familienkrisen' durchlebt".
Mit Blick auf die umstrittenen Textpassagen erinnert Leo XIV. daran, dass sein Vorgänger "die Kirche auffordert, 'die Zerbrechlichkeit [zu] begleiten, [zu] unterscheiden und ein[zu]gliedern' indem sie ein verkürztes Verständnis der Norm überwindet".
Seltenes Gipfeltreffen in Rom
Zu den für Oktober angesetzten Beratungen, die synodal, aber nicht im Format einer Weltbischofssynode verlaufen sollen, schreibt er: "Angesichts der Veränderungen, die weiterhin Einfluss auf die Familien haben, habe ich beschlossen, im Oktober 2026 die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen der ganzen Welt zu versammeln, um im gegenseitigen Aufeinanderhören eine synodale Unterscheidung bezüglich der Schritte vorzunehmen, die unternommen werden müssen, um heute den Familien das Evangelium zu verkünden. Dies soll im Lichte von Amoris laetitia geschehen und unter Berücksichtigung dessen, was in den Ortskirchen bereits getan wird."
Weltweit gibt es derzeit etwa 115 nationale und regionale katholische Bischofskonferenzen sowie mehrere Einzelbischöfe, die, wie etwa in Luxemburg, zu keiner Bischofskonferenz gehören. Beratungen des Papstes mit den Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen sind sehr selten.