Papst empfängt Schweizer Präsidenten Berset im Vatikan

Schweizergarde und Frieden

Der Dienst der Schweizergarde für den Papst und die Vertiefung der Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Heiligen Stuhl. Das waren zentrale Themen beim offiziellen Besuch des Schweizer Bundespräsidenten Alain Berset im Vatikan.

Alain Berset, Bundespräsident der Schweiz, und Papst Franziskus am 9. November 2023 im Vatikan / © Romano Siciliaini (KNA)
Alain Berset, Bundespräsident der Schweiz, und Papst Franziskus am 9. November 2023 im Vatikan / © Romano Siciliaini ( KNA )

Wie das vatikanische Presseamt am Donnerstag mitteilte, dauerte die Begegnung eine halbe Stunde. Im Anschluss traf Berset auch mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und dem Untersekretär im Außenministerium zusammen, Miroslaw Wachowski.

Lob der Schweizergarde

Bei den herzlichen Gesprächen sei Zufriedenheit über die "guten Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Heiligen Stuhl" zum Ausdruck gebracht worden. Besonders sei der treue und professionelle Dienst der Päpstlichen Schweizergarde unterstrichen worden.

Schweizergarde

Die Schweizergarde ist die militärische Schutztruppe der Päpste. Hauptaufgabe der Garde mit ihrer Sollstärke von künftig 135 Mann ist, über die Sicherheit der Person und der Residenz des katholischen Kirchenoberhaupts zu wachen. Zudem begleiten Gardisten den Papst auf Reisen, kontrollieren die Eingänge zum Vatikanstaat und nehmen Ordnungs- und Ehrendienste wahr. Während ihrer mindestens 26-monatigen Dienstzeit sind die Gardisten Bürger des Vatikanstaates. 

Schweizergardisten / © Stefano dal Pozzolo/Romano Siciliani (KNA)
Schweizergardisten / © Stefano dal Pozzolo/Romano Siciliani ( KNA )

Beratungen zu kriegerischen Konflikten

Man habe den Wunsch nach "verstärkter Zusammenarbeit auf Gebieten von beiderseitigem Interesse" hervorgehoben. Ferner habe man über einige internationale Themen gesprochen. Dies betraf laut Kommunique insbesondere einige afrikanische Länder sowie die Konflikte in der Ukraine sowie in Israel und Palästina. Dabei sei es um den "konsequenten Einsatz für den Multilateralismus" und den Frieden unter den Völkern gegangen.

Ungewöhnliches Gastgeschenk

Ungewöhnlich war Bersets Gastgeschenk. Das Schweizer Staatsoberhaupt überreichte dem Papst eine Kopie des 1922 erschienenen Buches "La presence de la mort" (deutscher Titel: "Sturz in die Sonne") des Lausanner Schriftstellers Charles Ferdinand Ramuz (1878-1947) sowie ein Originalblatt des Wetterberichts des Schweizerischen Meteorologischen Zentralinstituts vom 29. Juli 1921.

Es zeigt, dass die Höchsttemperaturen in der Schweiz damals die Marke von 38 Grad überschritten. Auf dem Begleittext, den Berset dem Papst überreichte, ist vor dem Hintergrund der aktuellen Klimaerwärmung zu lesen: "Das, was einst ungewöhnlich war, ist heute die Normalität."

Roman verweist auf Klimawandel in der Schweiz

Die damals ungewöhnliche Sommerhitze in der Schweiz war für Ramuz der Anlass, seine dystopische Erzählung "Sturz in die Sonne" zu schreiben. Darin schildert er eine fiktive kosmische Katastrophe, die sich zunächst durch eine ungewöhnliche Hitzewelle auf der Erde bemerkbar macht. Auslöser ist in dem Roman aber nicht die Veränderung in der Erdatmosphäre, sondern ein Sturz des Planeten Erde in Richtung Sonne.

Die dadurch ausgelösten Katastrophen zerstören in kürzester Zeit nicht nur die natürliche Umwelt, sondern auch das soziale und moralische Gefüge der Menschen. Das 1922 auf Französisch erschienene Buch wurde in diesem Jahr aktuell als "visionärer Klimaroman" neu auf Deutsch verlegt.

Papst Franziskus, der auch für einige Tage zum bevorstehenden Weltklimagipfel COP28 (30. November bis 12. Dezember) nach Dubai reisen wird, hat bereits in seiner Umweltenzyklika "Laudato si" (2015) eingehend zum Schutz des Planeten aufgerufen. In der kürzlich veröffentlichten Fortsetzung der Enzyklika, "Laudate Deum", erneuert er seinen Appell zum Einsatz gegen den Klimawandel.

Hintergrund zu diplomatischen Beziehungen

Die Schweiz ist erst seit 1991 diplomatisch beim Heiligen Stuhl vertreten. Eine eigene Vatikan-Botschaft der Eidgenossenschaft gibt es seit April 2023. Seit Anfang dieser Woche vertritt mit der Diplomatin Manuela Leimgruber erstmals eine Frau die Schweiz beim Heiligen Stuhl.

Katholische Kirche in der Schweiz

Die katholische Kirche in der Schweiz hat laut einer aktuellen Statistik rund 2,9 Millionen Mitglieder. Aufgrund von Zuwanderung sei die Zahl trotz eines zuletzt leichten Rückgangs weiter "historisch hoch", teilte das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) mit.

Schweizer Flagge
Schweizer Flagge
Quelle:
KNA