Päpstlicher Chile-Ermittler will Aussagen nicht übergeben

An Franziskus weitergeleitet

​Der päpstliche Sonderermittler in der chilenischen Missbrauchskrise, Erzbischof Charles Scicluna, will Gespräche und Zeugenaussagen, die er während seiner Besuche in Chile zusammengetragen hat, nicht der Staatsanwaltschaft übergeben.

Fassade der Apostolischen Nuntiatur in der chilenischen Hauptstadt. / © Leonardo Rubilar (dpa)
Fassade der Apostolischen Nuntiatur in der chilenischen Hauptstadt. / © Leonardo Rubilar ( dpa )

Die Zeugenaussagen seien unter der Vorgabe gemacht worden, dass sie direkt an Papst Franziskus weitergeleitet würden, sagte Scicluna in einem Interview mit der Zeitung "Encuentro" des Erzbistums von Santiago. "Das war der Wunsch und die Absicht der Personen mit denen wir uns in Chile getroffen haben", wird Scicluna am Donnerstag (Ortszeit) in chilenischen Medien zitiert.

Mangelnde Kooperationsbereitschaft der Kirche

Die chilenische Staatsanwaltschaft hatte zuletzt die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Kirche des Landes kritisiert. Scicluna sagte, er habe wie in anderen Fällen der Staatsanwaltschaft erklärt, dass entsprechende Ersuchen pünktlich und auf den dafür vorgesehenen Kanälen eingehen müssten.

Im vergangenen Jahr war Scicluna gemeinsam mit dem spanischen Geistlichen Jordi Bertomeu nach Chile gereist, um dort die Missbrauchs- und Vertuschungsvorwürfe gegen Vertreter der katholischen Kirche aufzuklären. Dabei sammelte Scicluna 64 Zeugenaussagen für einen Abschlussbericht, der mehr als 2.300 Seiten umfasst.

Dem neuen Apostolischen Administrator von Santiago, Bischof Celestino Aos, wünsche er das Beste in dessen neuer Funktion. Nach sehr schwierigen Monaten sehe er inzwischen positive Entwicklungen innerhalb der chilenischen Bischofskonferenz, die für ihn ein Zeichen für eine Öffnung seien, die den Opfern Gerechtigkeit widerfahren lassen könnten, so Scicluna.

Beratungsgespräche im Vatikan

Aos hält sich derzeit zu Beratungsgesprächen im Vatikan auf. Von der Begegnung mit Papst Franziskus erwartet Aos nach eigenem Bekunden eine "Orientierung". Der Papst sei für ihn "nicht der Generaldirektor eines Unternehmens", sagte der Bischof. Er, Aos, komme nicht in einer Managementfrage, sondern in einer Glaubensangelegenheit. Zu möglichen Themen des Gesprächs mit Franziskus äußerte sich Aos ebensowenig konkret wie zu einer Unterredung am Dienstag in der Kleruskongregation. Dort sei es um allgemeine Fragen und die Situation in Chile generell gegangen, sagte Aos.

Der 73 Jahre alte Kapuziner und Bischof war am 23. März von Papst Franziskus als Apostolischer Administrator an die Stelle des zurückgetretenen Kardinals Ricardo Ezzati in Santiago gesetzt worden. Ezzati steht unter dem Vorwurf, über Jahre Missbrauchsfälle in dem chilenischen Erzbistum vertuscht zu haben.

Quelle:
KNA