Paderborner Dompropst hofft auf Unterstützung aus Rom

Laien sollen Bischof mitwählen

Im Erzbistum Paderborn sollen zukünftig bei der Wahl des nächsten Erzbischofs auch katholische Laien mitwirken. Wie das gehen soll, erklärt der Hausherr des Paderborner Domes. Bei der Planung sei vor allem Eile geboten.

Pileolus eines Bischofs / © Antonio Gravante (shutterstock)
Pileolus eines Bischofs / © Antonio Gravante ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: In Paderborn sollen jetzt auch gläubige Laien mitentscheiden, welche Namen auf die Vorschlags-Liste kommen, die nach Rom geschickt wird. Wie genau soll das gehen?

Dompropst Monsignore Joachim Göbel / © Pressestelle Paderborn (KNA)
Dompropst Monsignore Joachim Göbel / © Pressestelle Paderborn ( KNA )

Msgr. Joachim Göbel (Paderborner Dompropst): Wir lehnen uns an an den Vorschlag an, den der Synodale Weg in einem Handlungstext vom 4. Februar gemacht hat und möchten zunächst entsprechend dieses Vorschlags 14 Menschen aus dem Bistum - das müssen nicht nur Laien sein – an der Findung von geeigneten Personen beteiligen, die wir dann auf die Dreierliste setzen und diese dem Nuntius schicken. Und er schickt sie dann nach Rom.

DOMRADIO.DE: Wie wollen Sie denn die Laien auswählen, die dann an der Liste mitarbeiten können?

Göbel: Das ist ein kreativer Prozess gewesen. Wir haben überlegt, dass wir sehr in die Breite gehen. Das heißt, von den 14 Menschen, die dann mitwirken, wollen wir gerne neun aus den Gemeinden in dieses Gremium berufen.

Das Erzbistum Paderborn

Das Erzbistum Paderborn ist eine Ortskirche der katholischen Kirche. Rund 4,8 Millionen Menschen leben im Erzbistum Paderborn, davon sind rund 1,4 Millionen katholisch. In den Einrichtungen des Erzbistums sind annähernd 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Sie und viele ehrenamtlich Engagierte setzen sich täglich dafür ein, einen lebendigen Glauben zu gestalten und den Auftrag der Kirche zu erfüllen – in der Feier von Gottesdiensten, der Seelsorge, in Bildungseinrichtungen und mit caritativen Angeboten.

Paderborner Dom / © Borisb17 (shutterstock)

Wir haben jetzt allen Leitern von Pfarreien und pastoralen Verbündeten geschrieben, sie möchten uns bitte einen Menschen benennen und aus den Namen, die dann reinkommen, werden wir verteilt auf die Räume des Bistums neun Personen auslosen. Das ist das einzige Verfahren, was uns dazu so eingefallen ist.

Dann haben wir den Diözesan-Caritasverband gebeten, eine Person zu benennen. Wir haben die Konferenz unserer Schulleiterinnen und Schulleiter gebeten, uns eine Person zu benennen und natürlich das Vertretungsgremium Diözesanpastoralrat. Die mögen uns bitte drei Namen nennen und so kommen wir auf 14.

DOMRADIO.DE: Aber der Papst muss sich gar nicht an diese Liste halten, die er vom Nuntius erhält, sondern er kann auch ganz andere Kandidaten wählen.

Göbel: Das ist so, das muss man auch in einem ersten Treffen allen Menschen, die an der Wahl beteiligt sind, klarmachen, damit da nicht zu viel Frust entsteht. Aber ich denke, wenn wir einvernehmlich – und das streben wir als Kapitel an – drei gute Namen finden, dann muss man natürlich auch dem Papst oder Rom ein wenig helfen und vielleicht auch ausführlicher begründen, warum man sich für diesen Kandidaten entscheidet, um eine gewisse Hilfe zu geben.

Da haben wir die gute Hoffnung, dass man das berücksichtigt und wir dann doch vielleicht den einen oder anderen Namen auf der Liste wiederfinden.

DOMRADIO.DE: Sie wollen aber auch an der finalen Wahl des Domkapitels aus der Dreierliste des Vatikans Laien beteiligen. Muss dafür das Kirchenrecht geändert werden?

Göbel: Ja. Zumindest muss dafür das sogenannte Päpstliche Geheimnis auf diese 14 Dazugewählten ausgedehnt werden. Das ist die Voraussetzung. Wenn Rom das nicht tut, dann wird das nicht gehen. Dann kann ich die Namen nicht mitteilen. Dann können wir auch nicht gemeinsam wählen.

Und es muss, um die Bedingungen des preußischen Konkordats zu erfüllen, immer die Mehrheit des Kapitels für einen Namen stimmen. Das heißt, es müssen mindestens acht Stimmen aus dem Domkapitel kommen, damit er gewählt werden kann, auch wenn 14 Dazugewählte theoretisch diesen Menschen nicht wählen.

DOMRADIO.DE: Was erhoffen Sie sich konkret von der Beteiligung der Laien?

Dompropst Joachim Göbel

"Eine Bischofsweihe ist ja keine Wahl zum Beispiel eines Bundespräsidenten, wo man jetzt Parteienproporz und so etwas berücksichtigen muss, sondern wir finden, eine Bischofsweihe ist auch ein geistlicher Prozess."

Göbel: Eine Bischofsweihe ist ja keine Wahl zum Beispiel eines Bundespräsidenten, wo man jetzt Parteienproporz und so etwas berücksichtigen muss, sondern wir finden, eine Bischofsweihe ist auch ein geistlicher Prozess. Wir vertrauen darauf, dass da auch der Heilige Geist mitwirkt.

Und diesen Prozess möchten wir gerne möglichst weit ins Bistum bringen. Wir möchten ein großes Bewusstsein auch in den Gemeinden hervorbringen, dass alle zumindest durch ihr Gebet und ihre Begleitung an diesem Prozess beteiligt sind. Deshalb die hohe Zahl von neuen Menschen aus den Kirchengemeinden.

DOMRADIO.DE: Ihr aktueller Erzbischof hat nach seinem 74. Geburtstag dem Papst den Rücktritt angeboten. Was heißt das jetzt für Sie? Wie kann das alles ganz konkret bald losgehen?

Göbel: Wir wissen jetzt natürlich nicht das Datum, wann der Papst den Rücktritt annimmt. Aber es ist ja damit zu rechnen, dass das nicht endlos dauern wird. Deshalb möchten wir ganz früh jetzt diesen Auswahlprozess in Gang bringen, damit wir, wenn der Rücktritt angenommen ist, auch sofort aktiv werden können.

Denn wenn der Rücktritt angenommen ist, dann gibt es ja auch zum Beispiel keinen Diözesanpastoralrat mehr. Mit dem mit dem Rücktritt des Bischofs ruhen auch die Gremien. Dann hätten wir zumindest bei diesem Rat auch keinen Ansprechpartner mehr. Deshalb also das Tempo, das wir gerade machen.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

Quelle:
DR