Dompropst Göbel für Mitbestimmung von Laien bei Bischofswahl

"Berechtigte Anliegen der Menschen ernst nehmen"

Sollten Laien bei der Wahl ihres Bischofs mitbestimmen dürfen? Nach einer Empfehlung der Synodalversammlung könnte das bald sein. Der Paderborner Dompropst Göbel kann sich das gut vorstellen. Sieht aber auch noch viele offene Fragen.

Deutsche Bischöfe / © Julia Steinbrecht (KNA)
Deutsche Bischöfe / © Julia Steinbrecht ( KNA )

DOMRADIO.DE: Bislang hat das Domkapitel aus einer Dreierliste den neuen Bischof für das jeweilige Bistum gewählt. Diese Liste wird von den Bischöfen zusammen mit dem Nuntius aufgesetzt und ist immer geheim. Jetzt soll ein zusätzliches, beratendes Gremium diesem Domkapitel bei der Wahl zur Seite stehen und dieser Rat soll aus einfachen Gläubigen bestehen. Wobei genau soll das Gremium beratend tätig sein?

Monsignore Joachim Göbel (Dompropst im Erzbistum Paderborn): Zunächst mal muss man sagen, dass nicht nur Rom beteiligt ist und die Bischöfe Vorschläge machen können, die im ehemaligen Land Preußen Bischöfe sind, sondern es ist in unserem Fall durch das Konkordat auch das Land Nordrhein-Westfalen beteiligt.

Als wir diese Beschlussempfehlung des Synodalen Wegs wahrgenommen haben und gleichzeitig - das ist ja kein Geheimnis - wissen, dass unser jetziger Erzbischof im kommenden Jahr 75 Jahre alt wird und es dann möglich ist, dass wir aktiv werden müssen, haben wir uns mit dieser Beschlussempfehlung auseinandergesetzt und sie zunächst mal im Grundsatz gutgeheißen. Denn das kann ja die Akzeptanz und die Legitimation eines Bischofs nur erhöhen, wenn sozusagen möglichst breit im Bistum eine Beteiligung erfolgt ist.

Dompropst Monsignore Joachim Göbel / © Pressestelle Paderborn (KNA)
Dompropst Monsignore Joachim Göbel / © Pressestelle Paderborn ( KNA )

DOMRADIO.DE: Bislang steht noch nicht fest, wobei dann das Gremium beratend tätig sein soll?

Göbel: Wir warten noch auf die Musterregelung. Bisher sind das allgemeine Hinweise. Das Zweite ist, dass dieses Gremium von dem sogenannten Synodalen Rat, der in jedem Bistum gebildet werden soll, benannt wird. Und diesen Synodalen Rat gibt es noch nicht.

Das heißt, wir werden uns jetzt in einer kleinen Arbeitsgruppe zusammensetzen und mal überlegen, wie wir unter der Berücksichtigung der jetzigen Empfehlungen schon bei einer eventuell anstehenden Wahl die Menschen hier im Bistum beteiligen können.

Wir sind gut aufgestellt, das muss ich noch dazu sagen, weil wir im Domkapitel mit Professor Althaus einen sehr renommierten und anerkannten Kirchenrechtler haben. Von daher sind wir immer gut beraten.

DOMRADIO.DE: Bei diesem Rat könnten dann einfache Gläubige dabei sein. Aber wer könnte denn genau dann in diesem Gremium mit dabei sein?

Göbel: Wir müssen jetzt gucken. In der Beschlussempfehlung steht nur, dass dieses Gremium vom Synodalen Rat bestimmt werden soll. Es soll so viele Mitglieder haben wie das Domkapitel. Bei uns wählen 14 Domkapitulare, also wären es 14 Menschen. Und die sollen alters- und geschlechtergerecht ausgewählt werden. Mehr liegt im Moment noch nicht vor.

Jetzt müssen wir schauen, wie wir das mit den bestehenden Gremien, zum Beispiel dem Diözesanpastoralrat, unter Umständen schon in irgendeiner Form umgesetzt kriegen, die den Regelungen der Statuten des Domkapitels entsprechen und natürlich vor allen Dingen auch dem Konkordat. Hier wird Staatskirchenrecht berührt und damit muss man sehr vorsichtig und behutsam umgehen.

Monsignore Joachim Göbel

"Da wird man sicher nicht nur mit Rom Fragen klären müssen, sondern man wird auch mit der Staatskanzlei in Düsseldorf sprechen müssen, wieweit hier dann noch das Konkordat und das Staatskirchenrecht eingehalten wird."

DOMRADIO.DE: Wie mächtig wird dieses Gremium sein? Wird es das gleiche Mitspracherecht wie das Domkapitel haben?

Göbel: In der Empfehlung steht, das Gremium ist berechtigt, dem Domkapitel mehrheitlich eine Wahlempfehlung zu geben. Was das jetzt genau heißt, wenn man mehrheitlich eine Wahlempfehlung gibt? Ist dann die Wahl, wie das im Konkordat zum Beispiel steht, noch frei? Da steht "freie und geheime Abstimmung". Was passiert, wenn sich ein Kapitel unter Umständen unter Druck gesetzt fühlt? Was passiert auf der anderen Seite, wenn das Gremium eine Wahlempfehlung abgibt, die das Kapitel aber nicht berücksichtigt?

Da muss man ganz genau hingucken. Und da wird man sicher nicht nur mit Rom Fragen klären müssen, sondern man wird auch mit der Staatskanzlei in Düsseldorf sprechen müssen, wieweit hier dann noch das Konkordat und das Staatskirchenrecht eingehalten wird.

Bischofsweihe

Die Weihe eines Bischofs geschieht im Auftrag des Papstes. Deshalb steht am Anfang der Messe das Verlesen der entsprechenden päpstlichen Urkunde, in der Regel durch den jeweiligen Papstbotschafter, den Apostolischen Nuntius. Nach Lesungen, dem Evangelium und der Predigt erfolgt die eigentliche Weihe. Anders als bei der Diakonen- und Priesterweihe braucht es dazu seit dem vierten Jahrhundert drei Bischöfe.

 Bischofsweihe von Franz-Josef Overbeck am 1. September 2007 im Sankt-Paulus-Dom in Münster / © Benedikt Plesker (KNA)

DOMRADIO.DE: Wie soll das konkret aussehen? Sie hatten es schon erwähnt: In Paderborn wird es vermutlich bald so weit sein, wenn Erzbischof Becker im kommenden Jahr 75 wird und dem Papst seinen Rücktritt anbietet. Könnte dann bei der Bischofsbestellung dieses neue Gremium schon ein Mitspracherecht haben?

Göbel: Wenn es gelingt, bis dahin diesen Synodalen Rat zu bilden - es ist ja auch nicht ganz unkompliziert - und wenn wir bis dahin auch diese Musterregelung haben, wo man dann genau hinschauen muss. Aber da sind ja die Juristen und die Kenner ganz sicher beteiligt.

Wird das Konkordat berührt? Welche Rechte werden berührt? Inwieweit ist Rom einzubeziehen? Diese ganzen Fragen müssen geklärt werden und wir möchten uns einfach so früh wie möglich zusammensetzen und einmal überlegen, wie könnte es gelingen, sollte das alles bis zu einer möglichen Neuwahl noch nicht in trockenen Tüchern sein, trotzdem die jetzt schon bestehenden Gremien hier im Bistum an dieser Wahl und Auswahl zu beteiligen.

DOMRADIO.DE: In Paderborn gilt ja noch das preußische Konkordat, also hat da der Staat auch noch ein Wörtchen mitzureden. Gibt es da noch irgendwelche Bedenken? Ist das kirchenrechtlich überhaupt möglich, das so umzusetzen?

Göbel: Ich habe ja schon erwähnt, dass wir unseren Kirchenrechtler Professor Althaus im Kapitel haben. Wenn der im ersten Zugriff und bei genauem Lesen der Texte der Meinung ist, es lohnt sich, dass wir uns zusammensetzen und über so eine Regelung nachdenken, dann bin ich da ganz zuversichtlich, dass das möglich sein wird.

Aber es ist vor allen Dingen immer kompliziert, wenn das Konkordat berührt wird, weil das Konkordat ja nicht nur die Stellung des Bischofs regelt, sondern ein sehr umfänglicher Staatskirchenvertrag ist. Und da möchte man natürlich nicht dran. Man möchte nicht das Risiko eingehen, dass plötzlich das ganze Konkordat auf dem Tisch liegt.

Auf der anderen Seite muss man auch das berechtigte Anliegen der Menschen jetzt ernst nehmen zu sagen: Die Bestellung eines Bischofs muss man auf eine breitere Basis stellen.

Das Erzbistum Paderborn

Das Erzbistum Paderborn ist eine Ortskirche der katholischen Kirche. Rund 4,8 Millionen Menschen leben im Erzbistum Paderborn, davon sind mehr als 1,4 Millionen katholisch. In den Einrichtungen des Erzbistums sind annähernd 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Sie und viele ehrenamtlich Engagierte setzen sich täglich dafür ein, einen lebendigen Glauben zu gestalten und den Auftrag der Kirche zu erfüllen – in der Feier von Gottesdiensten, der Seelsorge, in Bildungseinrichtungen und mit caritativen Angeboten.

Paderborner Dom / © Borisb17 (shutterstock)

DOMRADIO.DE: Gibt es denn auch schon Stimmen aus dem Vatikan? Kommt da dieser Vorschlag gut an?

Göbel: Ich weiß jetzt nicht, ob der Vatikan das Paderborner Domkapitel im Blick hat. Der Beschluss oder die Absicht, die wir geäußert haben, ist ja sehr frisch. Die Sitzung war am 10. Februar, da ist noch nichts gekommen. Ich habe noch nichts gehört.

DOMRADIO.DE: Und wie schätzen Sie allgemein die Situation im Erzbistum Paderborn ein? Wird man so eine gute Antwort auf die Kirchenkrise finden können?

Göbel: Zumindest ist es ein Baustein, würde ich sagen. Diese ganze Krise ist viel umfassender. Es geht um Arbeitsrecht, es geht um Missio Canonica, es geht um alles Mögliche. Und diese Frage der Bischofswahl ist in dem großen Puzzle sicher ein wichtiges Teil, aber eben ein Teil. Und das wird sicher etwas lösen, aber nicht alle Probleme lösen.

Das Interview führte Florian Helbig.

Quelle:
DR