NRW-Gesundheitsminister Laumann erhält Deutschen Pflegepreis

Eine starke Stimme für die Pflege

Er ist Sozialkatholik mit Bodenhaftung: NRW-Gesundheitsminister Laumann hat den Deutschen Pflegepreis erhalten. Er habe die Pflege in Deutschland ein gutes Stück voran gebracht, hieß es zur Begründung.

Karl-Josef Laumann (CDU) / © Caroline Seidel (dpa)
Karl-Josef Laumann (CDU) / © Caroline Seidel ( dpa )

Die Hände sind riesig, der Gang ist ausholend. Wenn Karl-Josef Laumann (CDU) mit kräftiger Stimme und in einfachen Worten über Gesundheit, Pflege und Sozialpolitik referiert, spricht kein smarter Politikfunktionär; dann ist der breite und etwas schwerfällige westfälische Dialekt unüberhörbar.

Doch der Münsterländer kann sich in Rage reden. Ob als NRW-Gesundheitsminister oder zuvor als Patientenbeauftragter und Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung: Wenn es um die Situation der Pflegebedürftigen und der professionell Pflegenden in Deutschland geht, wird er gern deutlich.

Einsatz zur Entbürokratisierung der Pflege

Am Mittwochabend hat der Deutsche Pflegerat den 60jährigen CDU-Politiker deshalb mit dem Deutschen Pflegepreis ausgezeichnet. "Die Pflege in Deutschland ist dank ihm ein gutes Stück vorangekommen", sagte Pflegeratspräsident Franz Wagner bei der Preisverleihung. Als erster Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung (2014 - 2017) und zugleich Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium habe Laumann die Pflegepolitik in der letzten Legislaturperiode geprägt und ihr eine starke Stimme gegeben.

Wagner verwies auf Laumanns großen Einsatz zur Entbürokratisierung der Pflege, für eine Reform der Pflegeausbildung, für die Gründung von Pflegekammern sowie für mehr Pflegepersonal und eine bessere Bezahlung.

Situation der Arbeitnehmer aus eigenen Anschauung

Der Münsterländer kennt die Situation der Arbeitnehmer aus eigenen Anschauung. Der gelernte Schlosser war der erste Spitzenbeamte in der Geschichte der Bundesrepublik, der mit einem Hauptschulabschluss und ohne akademische Qualifikation zum verbeamteten Staatssekretär auf Bundesebene vereidigt wurde. Das politische Geschäft hat der Vater von drei Kindern auch als langjähriger Kommunalpolitiker, Betriebsrat und Mitglied der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) gelernt.

Laumann, der 1957 auf einem Bauernhof in Riesenbeck geboren wurde, trat früh in die IG Metall ein, arbeitete in einer heimischen Landmaschinenfabrik und war Betriebsrat des Unternehmens mit 500 Mitarbeitern.

Christliches Menschenbild und kirchliche Soziallehre

Seit 2005 steht der Westfale auch an der Spitze der CDU-Sozialausschüsse. Er fühlt sich dem christlichen Menschenbild und der kirchlichen Soziallehre verpflichtet. Als puristischer Vertreter von Arbeitnehmerinteressen allerdings versteht er sich nicht: Eher als Vermittler zwischen sozialem und wirtschaftsnahem Flügel seiner Partei.

Als Pflegebeauftragter hat Laumann großen Anteil an der größten Reform in der Geschichte der Pflegeversicherung. Mehr Leistungen für Demenzkranke, Entlastung für pflegende Angehörige, eine gemeinsame Ausbildung für alle Pflegeberufe: Immer wieder setzt er sich auch für eine stärkere Position der professionell Pflegenden im Gesundheitswesen und gegenüber Ärzten ein. Die mit 1,2 Millionen Mitarbeitern größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen müsse ihre Interessen stärker vertreten. "Überall wo in Deutschland über Pflege entschieden wird, sitzt die Pflege nicht mit am Tisch", sagte er am Abend. Über Jahrzehnte hätten die Krankenhäuser auf Kosten der Pflege gespart, während die Ärzte hohe Tariferhöhungen erkämpft hätten. Die Pflegenden seien einfach zu brav und zu angepasst.

Demografischer Wandel als Herausforderung

Klar ist: Die Pflege ist ein Zukunftsthema. Langfristig wird die Zahl der Pflegebedürftigen noch weiter ansteigen, weil die geburtenstarken Jahrgänge langsam ins Rentenalter kommen. "Die wichtigsten Herausforderungen der Zukunft heißen: Personal, Personal und noch mal Personal", hat Laumann als Patientenbeauftragter gebetsmühlenartig wiederholt. "Mehr Pflegebedürftige heißt am Ende auch immer: Wir brauchen mehr Personal."

Dem steht schon heute ein Fachkräftemangel gegenüber. Allein in der Altenpflege wird die Lücke auf rund 30.000 Kräfte geschätzt. Viele Pflegekräfte klagen über niedrige Bezahlung, schwierige Arbeitsbedingungen und ein schlechtes Image ihres Berufs. Im Jahr 2035 könnten in Pflege- und Gesundheitsberufen rund 270.000 Fachkräfte fehlen, heißt es in einer neuen Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Autor/in:
Christoph Arens
Quelle:
KNA