Welche Rolle spielen Geflüchtete auf der Papstreise?

"Nicht nur positive Geste"

Die Papstreise nach Zypern und Griechenland steht unter dem Zeichen der Hilfe für Flüchtlinge. Gerade auf Zypern ein brennendes Thema, sagt ein deutscher Flüchtlingshelfer vor Ort. Wird der Besuch nachhaltige Folgen haben?

Eine Frau mit Mundschutz hält ihr Baby bei einem ökumenischen Gebet von Papst Franziskus mit Migranten in Nikosia, Zypern / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Eine Frau mit Mundschutz hält ihr Baby bei einem ökumenischen Gebet von Papst Franziskus mit Migranten in Nikosia, Zypern / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

DOMRADIO.DE: Franziskus hat 2016 Schlagzeilen damit gemacht, dass er Flüchtlinge von Lesbos mit nach Rom genommen hat. Das will er auf dieser Reise wiederholen. Wie stehen Sie zu dieser Geste?

Manfred Lange (Mitglied im Caritas-Vorstand Zypern): Ja, das ist eine schwierige Frage. Hier in Zypern ist die Situation vielleicht zahlenmäßig nicht so dramatisch, relativ betrachtet zur Bevölkerung ist sie aber durchaus sehr dramatisch. Es ist ein Zeichen der Menschlichkeit, wenn man Geflüchtete und Migranten in ihrem Leid wahrnimmt und ihnen ein anderes Leben ermöglicht. Aber der Schritt von Papst Franziskus ist schwierig zu beurteilen. Wie trifft er die Auswahl? Wer bleibt zurück? Ich bin eher ein bisschen zögerlich, das nur als positive Geste zu sehen, das muss ich offen sagen.

DOMRADIO.DE: In der Republik Zypern werden viele Erstanträge auf Asyl gestellt. Wie ist die Situation, auch mit Blick auf die Coronavirus-Pandemie, aktuell?

Lange: Wir haben uns in der Caritas sehr darum bemüht, in der Flüchtlingsarbeit alle Vorsichtsmaßnahmen anzuwenden, die möglich waren. Es gab einige wenige Infektionen, aber insgesamt, denke ich mal, sind wir damit ganz gut zurechtgekommen. Noch ist die Situation etwas entspannter als in Deutschland, aber die Zahlen steigen. Das hat natürlich auch Konsequenzen für unsere Arbeit mit den Migranten. Wir müssen somit weitere neue Vorsichtsmaßnahmen einführen.

DOMRADIO.DE: Franziskus besucht auch die Insel Lesbos als einen der Symbolorte für das Elend der Migranten. Griechenlands Staatspräsidentin wird ihn dorthin begleiten und nimmt auch an der Begegnung mit rund 200 Flüchtlingen teil. Was wünschen oder fordern Sie vom Papst und von der Politik?

Lange: Ich wünsche mir, dass der Papst weiter seiner Linie treu bleibt, Empathie und Mitgefühl zum Ausdruck bringt und daran appelliert, Geflüchtete als unsere Schwestern und Brüder zu sehen. Das hatte er beim ökumenischen Gebet mit Migranten in Nikosia noch einmal deutlich zum Ausdruck gebracht.

Ich wünsche mir auch, dass dies in Griechenland in ähnlicher Weise geschieht. Hier in Zypern würde ich mir schon wünschen, dass der Staat etwas stärker auf die Geflüchteten eingeht. Bislang sind die staatlichen Stellen weitgehend überfordert und reagieren eher mit Ablehnung auf die wachsende Flüchtlingszahl. Das kann ich einerseits nachvollziehen, aber andererseits ist das nicht das, was uns als Christen bewegen sollte.

Das Interview führte Florian Helbig.

Papst Franziskus spricht bei einem ökumenischen Gebet mit Migranten in der Pfarrkirche Santa Croce, Nikosia, Zypern / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus spricht bei einem ökumenischen Gebet mit Migranten in der Pfarrkirche Santa Croce, Nikosia, Zypern / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )
Papst Franziskus segnet ein Kind bei einem ökumenischen Gebet mit Migranten in Nikosia, Zypern / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus segnet ein Kind bei einem ökumenischen Gebet mit Migranten in Nikosia, Zypern / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )
Papst Franziskus bei einem ökumenischen Gebet mit Migranten in Nikosia, Zypern / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Papst Franziskus bei einem ökumenischen Gebet mit Migranten in Nikosia, Zypern / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )
Quelle:
DR