Bedford-Strohm zeigt sich fassungslos über Missbrauch in Kirche

"Ungeheurer Schmerz"

Heinrich Bedford-Strohm hat sich angesichts von Missbrauch in der Kirche in einem Interview fassungslos gezeigt. Zudem sprach der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland über Chancen einer ausstrahlungsstarken Kirche.

Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der EKD / © Ole Spata (dpa)
Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der EKD / © Ole Spata ( dpa )

"Was mich emotional am meisten berührt und einen ungeheuren Schmerz spüren lässt, ist das Thema 'sexualisierte Gewalt'. Es macht mich ein Stück fassungslos, dass solche Fälle im Raum der Kirche möglich waren und sind", sagte der bayerische Landesbischof in einem Interview des "Mannheimer Morgen" (Samstag). Im Herbst wählt die Synode den neuen Rat der EKD. Bedford-Strohm hatte angekündigt, auf eine erneute Kandidatur für den Vorsitz zu verzichten.

Chancen für die Kirche

Bedeutend sei für ihn darüber hinaus auch die Frage, "wie wir unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen ausstrahlungsstark Kirche sein können. Da stecken auch Chancen drin." Er "bejahe es ausdrücklich, dass Menschen selbst entscheiden können, welchen Gemeinschaften sie angehören. Früher früher waren viele Menschen auch aus sozialem Zwang Mitglied der Kirche." Bedford-Strohm sagte, er wolle, dass Menschen aus Überzeugung Mitglied der Kirche seien. "Wir können auch mit einer ehrlicheren Zahl von Mitgliedern ausstrahlungsstark Kirche sein." Er wünsche sich keine schrumpfende Kirche. "Aber wir reden hier über Mitgliederzahlen der Kirchen von insgesamt über 40 Millionen."

Manchmal sei es leider notwendig, Kirchen und Gemeindehäuser aufzugeben. Aber darin könnten auch Chancen stecken, beispielsweise für die Zusammenarbeit von Kommune und Kirchengemeinde, sagte der Landesbischof. "Der Geist Gottes hängt nicht an einem Gebäude, sondern an dem Geist, den wir als Christinnen und Christen ausstrahlen." Kirche sei weiter in der Fläche präsent, "aber die Menschen werden teilweise weitere Wege machen müssen als bisher". Veränderungen habe es auch in der Corona-Pandemie gegeben, als "ganz viel Kreativität" frei geworden sei.

Quelle:
KNA
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