Nicaragua schließt auch Einrichtungen des Franziskanerordens

Kein Ende der Schikanen

Die Repressalien gegen kirchliche Institutionen in Nicaragua gehen offenbar weiter: Die Polizei hat Bildungseinrichtungen und Vermögen des Franziskanerordens beschlagnahmt. Viele nicht-staatliche Organisationen wurden geschlossen.

Die Ortega-Regierung ließ zuletzt auch kirchliche Einrichtungen und Universitäten schließen und ging gezielt gegen Kirchenvertreter vor / © Inti Ocon (dpa)
Die Ortega-Regierung ließ zuletzt auch kirchliche Einrichtungen und Universitäten schließen und ging gezielt gegen Kirchenvertreter vor / © Inti Ocon ( dpa )

Eltern berichteten, die Polizei habe Schüler aus den Klassen geholt und ihnen mitgeteilt, sie würden in Kürze erfahren, wann der Unterricht wieder aufgenommen werde. Die Lehrer wurden demnach zu einer Versammlung einberufen. Vertreter des Bildungsministeriums hätten alle Computer mitgenommen.

Insgesamt wurden am Dienstag 17 nicht-staatliche Organisationen geschlossen, darunter auch evangelikale Einrichtungen, wie das Portal «Confidencial» berichtete.

Kirche kritisiert Menschenrechtsverletzungen

Nicaraguas Kirche, Nichtregierungsorganisationen und unabhängige Medien kritisierten in den letzten Jahren immer wieder in scharfer Form die Menschenrechtsverletzungen der linksgerichteten Regierung von Präsident Daniel Ortega und Vizepräsidentin Rosario Murillo.

Ein Plakat wirbt am 8. April 2018 am Ufer des Nicaraguasees in Nicaragua für das sandinistische Präsidentenpaar Daniel Ortega und Rosario Murillo, Vizepräsidentin von Nicaragua. Christlich, sozialistisch, solidarisch steht ebenso darauf zu lesen wie "Tiempos de Victorias", dt. Zeiten des Sieges, und "Por Gracias de Dios", dt. durch die Gnade Gottes. / © Tobias Käufer (KNA)
Ein Plakat wirbt am 8. April 2018 am Ufer des Nicaraguasees in Nicaragua für das sandinistische Präsidentenpaar Daniel Ortega und Rosario Murillo, Vizepräsidentin von Nicaragua. Christlich, sozialistisch, solidarisch steht ebenso darauf zu lesen wie "Tiempos de Victorias", dt. Zeiten des Sieges, und "Por Gracias de Dios", dt. durch die Gnade Gottes. / © Tobias Käufer ( KNA )

Inzwischen sind fast 4.000 nicht-staatliche Organisationen verboten worden. Die Ortega-Regierung ließ zuletzt auch kirchliche Einrichtungen und Universitäten schließen und ging gezielt gegen Kirchenvertreter vor.

Ausweisung von Priestern

Insbesondere der Jesuitenorden stand in den vergangenen Monaten im Fokus der sandinistischen Regierung. Zudem wurden mehrere Geistliche verhaftet und teilweise zu langen Haftstrafen verurteilt, darunter auch Bischof Rolando Alvarez. Vor wenigen Tagen wurden zwölf inhaftierte Priester des Landes verwiesen und in den Vatikan ausgeflogen.

Derzeit deutet nichts auf ein versöhnliches Ende der innenpolitischen Spaltung Nicaraguas, in deren Folge es in der Vergangenheit bereits Hunderte Tote gab. Die Ortega-Regierung weist die Vorwürfe als politische Kampagne zurück.

Nicaragua kappt diplomatische Beziehungen mit Vatikan

Nicaragua hat wohl die diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl gekappt. Grund ist ein Interview des Papstes, in dem er das Regime mit ehemaligen kommunistischen Diktaturen und dem Nationalsozialismus verglichen hatte. Das berichtet die Zeitung "La Presa" aus Managua unter Berufung auf diplomatische Kreise in Rom.

Fahne Nicaraguas / © BUTENKOV ALEKSEI (shutterstock)
Quelle:
KNA