Ukrainische Kirche bittet Papst um Patriarchat-Status

Neuer Anlauf

Die Rom unterstehende griechisch-katholische Kirche der Ukraine will von Papst Franziskus zum Patriarchat aufgewertet werden. "Wir bitten ihn bei jeder Begegnung darum, vor allem wenn wir darüber sprechen, wie wir heute leben".

Papst Franziskus und Swjatoslav Schewtschuk / © Osservatore Romano (KNA)
Papst Franziskus und Swjatoslav Schewtschuk / © Osservatore Romano ( KNA )

Das sagte ihr Oberhaupt Großerzbischof Swjatoslav Schewtschuk in einem Interview des ukrainischen Pressedienstes RISU. Er unterstrich zugleich, dass seine Kirche die Entscheidungsfreiheit des Papstes respektiere.

Franziskus hat Schewtschuk und die Mitglieder des Leitungsgremiums der ukrainischen Kirche für nächsten Freitag und Samstag in den Vatikan eingeladen. Erörtert werden sollen dabei die seelsorglichen Herausforderungen für die Kirche und Möglichkeiten zur Förderung des Friedens und der Kooperation mit anderen christlichen Gemeinschaften.

Papst bestätigt Bischofswahl

Schewtschuk zufolge ähnelt die ukrainische Kirche von ihren Strukturen her bereits einem Patriarchat. Das Leitungsgremium, der Heilige Synod, wähle die Bischöfe. Der Papst bestätige die Wahl. Das Patriarchat müsse folglich nicht geschaffen, sondern nur anerkannt werden, so der Großerzbischof.

In der mehrheitlich orthodoxen Ukraine ist etwa jeder zehnte Einwohner griechisch-katholisch. Die Kirche feiert ihre Gottesdienste im sogenannten byzantinischen, also ostkirchlichen Ritus. Sie verfügt auch über Metropolien (Kirchenprovinzen) in Polen, den USA und Kanada.

Bereits Vorgänger strebten Patriarchat an

An den kommenden Beratungen im Vatikan nehmen auch die für die Ukraine zuständigen Kurienchefs teil, wie der Vatikan Anfang Mai mitteilte. Er sprach mit Blick auf die politischen Spannungen und die Gefechte mit Separatisten von einer "delikaten und komplexen Situation" in der Ukraine.

Schon Schewtschuks Vorgänger als Kirchenoberhaupt, Kardinal Lubomyr Husar (2001-2011), strebte den Status eines Patriarchats an. Er konnte sich damit aber aus ökumenischen Rücksichten weder bei Papst Johannes Paul II. (1978-2005) noch bei Benedikt XVI. (2005-2013) durchsetzen.

Die russisch-orthodoxe Kirche hat sich klar gegen die Gründung eines griechisch-katholischen Patriarchats in Kiew ausgesprochen. Die Verleihung des Titels "Patriarchat" würde laut Beobachtern die Beziehungen zwischen Rom und Moskau belasten.

 

Quelle:
KNA