Neue Perspektiven für Theologie in Berlin

Evangelische Fakultät offen für interreligiöse Kooperationen

Der Theologie wegen kommen nur die wenigsten nach Berlin. Mit einer neuen Initiative will die evangelische Fakultät der Humboldt-Universität dies ändern. Den Segen der katholischen Kirche dazu hat sie.

Symbolbild: Theologiestudenten im Hörsaal / © Stefano Dal Pozzolo (KNA)
Symbolbild: Theologiestudenten im Hörsaal / © Stefano Dal Pozzolo ( KNA )

Forderungen nach mehr Hochschultheologie in Berlin werden immer wieder laut. Die evangelische Fakultät der Humboldt-Universität will nun mit einer Initiative zu interreligiöser Kooperation neue Perspektiven eröffnen. Sie richtet dazu eine Arbeitsgruppe ein, wie der Dekan der Fakultät, Christoph Markschies, in einem Gastbeitrag für die Fachzeitschrift "Herder Korrespondenz" (März) bestätigt. Der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch "freut" sich nach eigenem Bekunden über die Bereitschaft zur Kooperation.

Erzbischof Heiner Koch begrüßt Initiative

Die Arbeitsgruppe soll nach Angaben von Markschies prüfen, welche Formen einer Zusammenarbeit mit Einrichtungen für katholische, jüdische und muslimische Theologie möglich sind. Es gehe jedoch nicht um eine "multireligiöse Mischfakultät", wendet sich der Professor für Ältere Kirchengeschichte zugleich gegen derartige Spekulationen.

Erzbischof Heiner Koch begrüßt die Initiative. Die katholische Kirche wolle "auch im wissenschaftlich-theologischen Bereich auf Augenhöhe wahrgenommen werden", betont er mit Blick auf den Koalitionsvertrag der Berliner rot-rot-grünen Koalition.

Darin hatten SPD, Linkspartei und Grüne in Berlin im vergangenen Herbst vereinbart, dass bei den theologischen, weltanschauungs- und religionsbezogenen Studien "bestehende Regelungen und vorhandene Einrichtungen zukunftsorientiert ausgestaltet und weiterentwickelt werden". Sie hätten "eine wichtige Integrations- und Inklusionsaufgabe". Eine konkrete Umsetzung dieser Selbstverpflichtung steht jedoch noch aus.

Markschies plädiert nun dafür, die Humboldt-Universität "unbeschadet aller gewachsenen Traditionen anderswo" zu einem zentralen Ort in der Hauptstadt zu machen, an dem beide christlichen Konfessionen sowie Judentum und Islam ihre Religion wissenschaftlich erforschen. Nach den Vorgaben des deutschen Religionsverfassungsrechts könnten auch separate Einrichtungen "ganz eng untereinander und mit anderen Wissenschaften kooperieren".

Im Rang einer Universitäts-Fakultät ist in Berlin bislang nur evangelische Theologie präsent. Überlegungen zur Gründung einer Katholisch-Theologischen Fakultät an der Humboldt-Universität wurden Mitte der 1990er Jahre nicht verwirklicht. So blieb es bei dem Seminar für Katholische Theologie an der Freien Universität (FU) Berlin. Von den ursprünglich vier vereinbarten Professuren war in den vergangenen Jahren nur eine besetzt. Die Lehrveranstaltungen bestritten ansonsten Juniorprofessoren und Gastdozenten. Erzbischof Koch kritisiert dies als "völlig unzureichend". Er sei nun auf die Umsetzung der Koalitionsvereinbarung gespannt: "Unsere Gesprächsbereitschaft und unser Mitdenken haben wir mehrfach signalisiert."

Kooperationen möglich

Möglichkeiten zur Kooperation bieten sich den evangelischen Theologen an der Humboldt-Universität bereits. So ist "Katholische Weltanschauung" in ihrer Fakultät bereits durch eine Stiftungsprofessur für Religionsphilosophie vertreten. Als weiterer Partner kommt das an der Humboldt-Universität geplante Institut für Islamische Theologie infrage. Es soll im Wintersemester 2018/19 seinen Studienbetrieb aufnehmen. Eine Zusammenarbeit wäre überdies mit dem Institut an der Universität Potsdam möglich, an dem seit 2013 bekenntnisgebunden Jüdische Theologie erforscht und gelehrt wird.

Auch mit einer Reihe weiterer theologischer Einrichtungen in ihrer Trägerschaft ist die katholische Kirche bereits in Berlin präsent. So bietet die Katholische Hochschule für Sozialwesen einen Studiengang "Religionspädagogik in Schule und pastoralen Räumen" an. Das Priesterseminar Redemptoris Mater der geistlichen Gemeinschaft des Neokatechumenalen Wegs ist ein anerkannter Ableger der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Auch kleinere Einrichtungen wie das Institut Chenu der Dominikaner engagieren sich in der Hauptstadt.

Überdies gibt es in der Deutschen Bischofskonferenz Überlegungen, ein "Wissenschaftszentrum" in Berlin einzurichten. Auch die Gründung einer Philosophisch-Theologischen Hochschule von Ordensgemeinschaften ist im Gespräch.

Autor/in:
Gregor Krumpholz
Quelle:
KNA