"Ich bin wieder an Deck", stellte der SPD-Chef klar, über dessen Ablösung nach dem Debakel seiner Partei in Hessen bereits spekuliert worden war. Skeptische Fragesteller beschied er mit den Worten: "Sie können davon ausgehen: Ich lenke."
"Beck is back" war das Motto dieses Auftritts, wenn schon nicht als unumstrittener König der deutschen Sozialdemokratie, so doch zumindest als genesener Kater. "Wenn die Katze aus dem Haus ist", sei es nunmal so, dass "die Mäuse manchmal ein bisschen lebendiger tanzen, als sie es sonst tun". Nun sei er sich aber "sicher, dass ein gewisser Katz-und-Maus-Effekt eintreten wird". Schließlich eigne er sich ja als Kater inzwischen auch optisch gut: "Grau genug bin ich", scherzte Beck.
Mit seinen innerparteilichen Kritikern wolle er nun persönlich reden. Auf seine Stellvertreter Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück, die mit kritischen Äußerungen über seinen Kurs zitiert worden waren, ließ Beck nichts kommen. Von beiden fühle er sich unterstützt. Ausdrücklich würdigte Beck den Bundesfinanzminister als "Eckpfeiler unserer Politik". Er habe "allerhöchsten Respekt vor Steinbrück und schätze ihn im "höchsten Maße".
"Fit und handlungsfähig"
Gleichzeitig machte der Chef deutlich, dass er nun wieder "fit und handlungsfähig" sei. "Ich werde meine Arbeit so machen, wie ich sie bisher gemacht habe". Angesichts schwieriger Fragen muss man auch in der Lage sein, "Unmut zu ertragen", gab sich Beck betont gelassen: "Sie sehen vor sich jemanden, der von diesen Entwicklungen nicht sehr beeindruckt ist."
Eher unbeeindruckt zeigte sich der SPD-Vorsitzende auch von der Kritik an seinem Öffnungskurs zur Linken: "Ich kann nicht erkennen, dass ich mein Wort gebrochen habe". Eine Partei müsse "die Kraft haben" dürfen, eine fehlgeschlagene Strategie zu verändern. "Ich glaube nicht, dass man es eine Lüge nennen kann, wenn man eine feste Absicht hat und dann sieht, dass der Wähler anders entscheidet", betonte der Parteivorsitzende und schloss zugleich ein rot-rotes Bündnis im Bund erneut aus.
Bis vor zwei, drei Wochen habe er gehofft, dass es gelingen könne, die Linke aus den Parlamenten in den westlichen Flächenländern herauszuhalten. Diese Strategie sei aber in Niedersachsen und Hessen nicht aufgegangen und sei nun eben "weiterentwickelt" worden. Die SPD müsse sich auf neue Lagen einstellen können. "Sonst würden wir uns ja lähmen für alle Zeiten", betonte Beck. Ob er durch den Wirbel der vergangenen zwei Wochen an Autorität verloren habe? "Das einzige, was ich verloren habe und das gerne, sind circa fünf, sechs Kilo", konterte Beck.
Von Nikolaus Sedelmeier (ddp)
Nach überstandener Grippe demonstriert der SPD-Chef in Berlin Führungswillen
Beck "wieder an Deck"
Die Stimme des Vorsitzenden klang noch etwas matt. Daraus solle aber nur ja niemand "schlussfolgern, dass mein Führungswille geschwächt ist. Das ist nicht so", warnte Kurt Beck am Montag gleich zu Beginn seines mit Spannung erwarteten Auftritts vor der versammelten Hauptstadtpresse in Berlin.
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