Der Theologe Peter Schallenberg hat die Verurteilung des "gerechten Angriffs der USA und Israels auf den Iran" als "scheinheilig und vorgestrig" kritisiert. Weil das Völkerrecht nicht mehr funktioniere, sei der Präventivkrieg nicht zu verurteilen, schrieb er am Dienstag in einem Meinungsbeitrag in der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost".
Der Paderborner Moraltheologe betonte, das Völkerrecht basiere auf dem UN-Sicherheitsrat, seiner "Ermächtigung zum gerechten Krieg und auf dem Monopol der Atomwaffen der im Sicherheitsrat vertretenen Nationen". Doch sei die Zeit längst "darüber hinweggegangen und dieses Völkerrecht zerbröselt".
Iran stellt sich außerhalb des Rechts
Wo das Völkerrecht nicht mehr gelte, bleibe nur das Recht des Stärkeren, so Schallenberg. "Wenn ein Staat der Welt einem anderen Staat das Existenzrecht aberkennt und ihn eliminieren will, wie das der Iran bezüglich Israel macht, stellt er sich außerhalb des internationalen Rechts und ist legitimes Angriffsziel des Staates, dessen Existenz vernichtet werden soll", ergänzt der Theologe.
Daher habe Israel "ohne Zweifel das Recht", präventiv das islamische Regime zu vernichten, um die Auslöschung Israels und möglicherweise die atomare Auslöschung der Menschheit zu verhindern. Schallenberg schrieb: "Wenn ein Staat offensichtlich, wie der Iran, beides beabsichtigt, verliert seine Regierung oder sein Regime die Existenzberechtigung."
Grundlage des Völkerrechts sei die Selbstbestimmung der Völker, nicht die Selbstbestimmung nationaler Regime. So könne die "Erhaltung überholter Nationalstaaten" nicht Ziel des Völkerrechts sein.