Mönche erfreut über Freispruch wegen Kirchenasyls

"Rechtliche Bestätigung erhalten"

Mit Freude und Dankbarkeit hat die Abtei Münsterschwarzach die Bestätigung des Freispruchs von Bruder Abraham Sauer wegen der Gewährung von Kirchenasyl aufgenommen. Abraham selbst hat die Urteilsbegründung im ersten Moment überrascht.

Prozess um Kirchenasyl in Benediktinerabtei / © Nicolas Armer (dpa)
Prozess um Kirchenasyl in Benediktinerabtei / © Nicolas Armer ( dpa )

"Unser Handeln für die Menschenwürde, das wir hier in der Abtei mit der Aufnahme von Geflüchteten - auch ohne Kirchenasyl - seit Jahren vollziehen, hat nun auch eine rechtliche Bestätigung erhalten", erklärte Abt Michael Reepen in einer schriftlichen Stellungnahme des Klosters am Freitagabend.

Die Abtei Münsterschwarzach in Schwarzach am Main  / © Nicolas Armer (dpa)
Die Abtei Münsterschwarzach in Schwarzach am Main / © Nicolas Armer ( dpa )

Rechtlicher Rahmen für Kirchenasyl gesetzt 

Bruder Abraham sagte, ihn habe die Urteilsbegründung im ersten Moment überrascht. Es sei aber auch gut, dass noch einmal dargestellt worden sei, dass die Kirchen kein Sonderrecht bekämen oder gar den Rechtsstaat untergraben wollten.

Für ihn persönlich wichtig sei in der Zeit zwischen den beiden Gerichtsterminen der Rückhalt seiner Gemeinschaft gewesen. Wegen eines Corona-Ausbruchs im Kloster hatten weder er noch andere Mönche an der Verhandlung teilnehmen können.

Mehrere in der Bamberger Mahnwache Asyl zusammengeschlossene Gruppen begrüßten, dass sich das Bayerische Oberste Landesgericht in seiner Begründung nicht nur auf den Einzelfall bezogen habe. Es habe auch einen rechtlichen Rahmen für grundsätzliche Fragen der Strafbarkeit von Kirchenasyl und Entscheidungen aufgrund von Gewissensfreiheit formuliert.

Urteil schaffe Klarheit für Verantwortliche

Pfarrerin Mirjam Elsel sagte, das Urteil schaffe Klarheit für Verantwortliche und sei wegweisend für noch laufende andere Verfahren. Es stärke Ordensleute, Pfarrer und Pfarrerinnen sowie Gemeinden, die nach sorgfältiger Prüfung Kirchenasyl gewährten und so Menschen in höchster Not beistünden. Elsel koordiniert die Flüchtlingsarbeit im evangelischen Dekanatsbezirk Bamberg.

Kirchenasyl

Beim sogenannten Kirchenasyl nehmen Gemeinden oder Ordensgemeinschaften Asylbewerber auf, die von Abschiebung bedroht sind. Schon aus dem vierten Jahrhundert ist bekannt, dass Flüchtlinge in Kirchen Schutz suchten. Mit der Entwicklung rechtsstaatlicher Systeme verlor das Kirchenasyl an Bedeutung und wurde im 18. und 19. Jahrhundert in den meisten Ländern abgeschafft. Kirchlicherseits gibt es seit dem neuen Kirchenrecht 1983 offiziell kein Kirchenasyl mehr.

Symbolfoto Kirchenasyl / © Harald Oppitz (KNA)
Symbolfoto Kirchenasyl / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA
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