Neubauer spricht über ihren Glauben, Kirchen und Klimaschutz

"Mit mir und Gott ist's kompliziert"

Sie ist das deutsche Gesicht der Klimabewegung "Fridays for Future": Luisa Neubauer. Ihr ist neben dem Aktivismus auch die christliche Gemeinschaft wichtig. Kritik äußert sie an christlichen Parteien und kirchlichem Klimamanagement. 

Luisa Neubauer / © Andreas Arnold (dpa)
Luisa Neubauer / © Andreas Arnold ( dpa )

DOMRADIO.DE: Was verbindet denn für Sie Christentum und Klimaschutz?

Luisa Neubauer (Klimaaktivistin): Was Christentum und Klimaschutz in meinen Augen so sehr aneinander knüpft, ist, dass wir in beiden Fällen ganz dringend davon sprechen müssen, was es zu schützen gibt, was es zu bewahren gibt in dieser Welt. Im aktuellen Klimadiskurs hat man manchmal das Gefühl, es geht irgendwie ununterbrochen darum, man wollte ausschließlich allen irgendwas wegnehmen und dann ganz schnell alles verändern. Dabei ist ja der Kern von dem, was ich mache, was so viele andere machen, wenn wir auf die Straße gehen, einzufordern, dass dieses unglaubliche Wunderwerk Erde in all seinen Reichtümern bewahrt, geschützt und an zukünftige Generationen weitergegeben wird.

Entsprechend ist es kein weiter Weg, vom Christentum zum Klimaschutz zu kommen. Es ist aber definitiv ein Weg, den man nicht zwangsläufig einschlagen muss. Nicht zuletzt die großen christlichen Parteien in diesem Land haben bewiesen, wie phänomenal weit das auseinanderliegen kann.

DOMRADIO.DE: Wie sieht es denn mit Ihrer persönlichen Beziehung zur Kirche aus?

Neubauer: Als Jugendliche war ich Jugendleiterin in meiner Kirchengemeinde. Diese Zeit hat mich wahnsinnig geprägt. Es hat mich auf so vielen Ebenen bereichert. Und das hat mir nicht zuletzt gezeigt, welche Macht in der Gemeinschaft liegt.

Wenn wir uns jetzt fragen: Wie können wir den großen Krisen begegnen? Wie können wir den großen Krisen gerecht werden? Dann finde ich immer wieder Antworten in der Gemeinschaft, in der Stärke und der Resilienz, die dort wachsen können, wo Menschen in Solidarität zusammenkommen, sich in die Augen gucken, sich an die Hand nehmen und sich auch in den Arm nehmen und füreinander da sind. In allen Unterschieden, in allen Gemeinsamkeiten.

DOMRADIO.DE: Machen die Kirchen als Institutionen genug für den Klimaschutz?

Neubauer: Die Kirchen sind massivst gefragt in Sachen Klimagerechtigkeit. Immer mehr äußern sich auch dazu, immer mehr schließen sich auch zusammen. Denn auf der einen Seite haben viele Kirchen und kirchliche Institutionen in diesem Land immer noch Kapitalanlagen an Kohle, Öl und Gas. Also über Umwege profitieren sie von der anhaltenden Ausbeutung der Erde und der anhaltenden Klimakrise. Das ist eine ganz finanzielle, logistische Frage.

Auf der anderen Seite sind Kirchen natürlich auch Stimmen. Es sind Institution mit einer großen Tragweite, die diese Stimmen nutzen müssen. Nicht zu guter Letzt sollten im besten Falle die Kirchen in diesem Land auch der Ort sein, wo Menschen Kraft und Hoffnung schöpfen können, sich dann der Klimakrise entgegenzustellen.

DOMRADIO.DE: Glauben Sie an Gott?

Neubauer: Die Frage mit mir und Gott ist kompliziert. Ich bin ja nun auch erst 25 und habe mir deswegen fest vorgenommen, nicht heute auf alles Antworten haben zu müssen. Deswegen habe ich die weitergehende Auseinandersetzung zwischen mir und dem Gott, an den ich glaube, noch ein bisschen abgelegt und werde mich immer wieder damit beschäftigen.

Ich glaube aber natürlich sehr an das Gute im Menschen, an das Gute in der Welt. Und ich glaube daran, dass wir verbunden sind, verbundener als wir uns das manchmal bewusst machen, und an das Leben nach dem Tod, also in dem Sinne habe ich da viele Anknüpfungspunkte und bin zuversichtlich und dankbar, dass ich immer wieder Momente finde, das weiter für mich zu ergründen.

Das Interview führte Parviz Khosrawi.

 

Luisa Neubauer von Fridays for Future legt für den alternativen Klimastreik Protestplakate für den Klimaschutz aus / © Kay Nietfeld (dpa)
Luisa Neubauer von Fridays for Future legt für den alternativen Klimastreik Protestplakate für den Klimaschutz aus / © Kay Nietfeld ( dpa )

 

Im Einsatz für die Klimarettung: Luisa Neubauer / © Monika Skolimowska (dpa)
Im Einsatz für die Klimarettung: Luisa Neubauer / © Monika Skolimowska ( dpa )
Quelle:
DR
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