Angst, Tabuisierung, Verleugnung, knappe Ressourcen und "blinde Flecken": Der Ausschuss für unabhängige Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bereich von Ordensgemeinschaften (AUAO) schildert die Aufarbeitung in katholischen Orden als schwierigen, von Widerständen geprägten Prozess.
In seinem am Montag veröffentlichten Tätigkeitsbericht für den Zeitraum März 2025 bis Februar 2026 beschreibt das Gremium, wie missbräuchliche Dynamiken nicht nur in vergangenen Taten, sondern vielfach auch in heutigen Strukturen fortwirken.
Der Ausschuss verweist auf wiederkehrende Muster im Umgang mit sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch in der katholischen Kirche. Trotz sichtlicher Bemühungen fehlten Verantwortlichen und Beteiligten oft das nötige Wissen, die Vorstellungskraft und die Sicherheit, um angemessen zu handeln. Wiederholt hätten sich "blinde Flecken" in Wahrnehmung, Gefühlsumgang und lösungsorientiertem Denken gezeigt.
Belastung für Betroffene
Zugleich seien Betroffene durch Beteiligung an Aufarbeitungsprozessen häufig stark belastet. Viele wollten nur in Interviews mitwirken; Vernetzung gelinge oft kaum. Als Gründe nennt der Bericht unter anderem Retraumatisierung, Angst vor Begegnungen mit Tätern oder deren Beschützern sowie erhebliche seelische Folgen der Gewalt.
Auch auf Seiten der Ordensgemeinschaften benennt der Ausschuss erhebliche Hemmnisse: Angst vor Konfrontation mit Betroffenen und ihren Vorwürfen, Sorge um die eigene Gemeinschaft, Überalterung, begrenzte personelle und finanzielle Mittel, Umstrukturierungen sowie der Wegfall eigener Einrichtungen.
Mit rund 30 Ordensgemeinschaften stand der Ausschuss seit Arbeitsbeginn im Austausch. Rund zwei Drittel davon nahmen einen längeren Begleitungsprozess auf; andere entschieden sich nach erstem Kontakt oder Erstgespräch gegen eine Aufarbeitung auf Grundlage der Gemeinsamen Erklärung.
Die 2020 unterzeichnete Erklärung regelt das Zusammenwirken von Kirchenvertretern, Experten und staatlichen Stellen bei der Aufarbeitung von Missbrauch.
Positive Effekte der Aufarbeitung
Zugleich betont der Ausschuss den Nutzen der Aufarbeitung für die Orden. Wo sie ernsthaft betrieben werde, entstehe "ein Prozess der Reifung, Verantwortlichkeit und Lebendigkeit". Aufarbeitung könne helfen, Schweigen und Abwehr zu durchbrechen, gebundene emotionale und psychische Kräfte freizusetzen und Veränderungen anzustoßen.
Sie schaffe Voraussetzungen für wirksame Intervention und Prävention und stärke die Fähigkeit der Gemeinschaften zur Selbstreflexion, so die Autoren. Der Ausschuss will deshalb Orden auch nach Veröffentlichung von Untersuchungsberichten weiter begleiten, um Empfehlungen umzusetzen und "blinde Flecken" möglichst frühzeitig zu erkennen.
Für 2026 kündigt der Ausschuss weitere Missbrauchsberichte für Ordensgemeinschaften an. Vorgesehen sei die Vorlage von Untersuchungsberichten für das Benediktinerpriorat Kornelimünster bei Aachen, die Missionare von Mariannhill, die Franziskanerinnen von Au am Inn und die Maristenbrüder.