Nach Veröffentlichung einer Missbrauchsstudie hat der Rat der Stadt Paderborn die Umbenennung der Kardinal-Jaeger-Straße und des Kardinal-Degenhardt-Platzes auf den Weg gebracht. Ein entsprechender Antrag von Bürgermeister Stefan-Oliver Strate (CDU) wurde bei der Ratssitzung am Donnerstag mit Mehrheit beschlossen, wie ein Stadtsprecher der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte.
Demnach wurde die Verwaltung beauftragt, die Umbenennung vorzubereiten. Auch eine Hinweistafel auf dem Kardinal-Degenhardt-Platz soll entfernt werden. Wie die beiden Orte künftig heißen sollen, wurde noch nicht festgelegt.
Zugleich distanzierte sich der Rat von den früheren Kardinälen und Paderborner Erzbischöfen Lorenz Jaeger (1892-1975) und Johannes Joachim Degenhardt (1926-2002). Das Gremium erklärte sein Bedauern darüber, dass den beiden katholischen Geistlichen in den Jahren 1955 und 1991 das Ehrenbürgerrecht verliehen worden war, und beschloss, ihre Namen aus der Ehrenbürgerliste der Stadt zu streichen.
Studie kritisiert Klima des Schweigens
Die in der vergangenen Woche vorgestellte Studie der Universität Paderborn hatte den Umgang mit sexualisierter Gewalt im Erzbistum während der Amtszeiten der beiden Kardinäle zwischen 1941 und 2002 untersucht. Die Autorinnen fanden Hinweise auf 210 beschuldigte Kleriker und 489 Betroffene und sprechen von systematischer Vertuschung und mangelnder Aufarbeitung. Betroffene hätten in einem Klima aus Schweigen, Leugnung und Feindseligkeit gelebt.
Bürgermeister Strate hatte die Ergebnisse als erschütternd bezeichnet und rasche Konsequenzen angekündigt. Eine formale Aberkennung der Ehrenbürgerwürde ist rechtlich nicht möglich, da diese mit dem Tod der Geehrten erlischt.