Im Kardinalskollegium der katholischen Kirche, das Papst Leo XIV. für diese Woche zu Beratungen nach Rom eingeladen hat, sind erstmals die Ruheständler in der Mehrheit: 123 Kardinäle haben bereits das 80. Lebensjahr vollendet, 122 sind noch unter 80.
Laut dem Kirchenrecht können nur die Kardinäle unter 80 Jahren in ein Konklave zur Wahl eines neuen Papstes einziehen. Auch dürfen nur die unter 80-Jährigen reguläre Ämter in der Zentralregierung der katholischen Kirche, der sogenannten vatikanischen Kurie, innehaben.
Kardinäle jenseits der Altersgrenze können aber an den Beratungen vor einer Papstwahl teilnehmen. Ferner dürfen sie bei sogenannten "außerordentlichen Konsistorien" gleichberechtigt mitwirken. Eine solche Versammlung hat in diesem Jahrhundert erst zweimal stattgefunden: im August 2001 auf Einladung von Johannes Paul II. und im Februar 2014 auf Einladung von Papst Franziskus.
Mehrere betagte Kardinäle nicht reisefähig
Bei dem jetzt von Leo XIV. einberufenen "außerordentlichen Konsistorium" werden trotz der neuen Mehrheitsverhältnisse im Kollegium vermutlich dennoch die unter 80-Jährigen in der Mehrheit sein. Das liegt daran, dass mehrere der sehr alten Kardinäle nicht reisefähig sind. Die endgültige Zahl der Teilnehmer kann der Vatikan erst nach der für Mittwochnachmittag festgelegten Eröffnung der Versammlung mitteilen.
Bemerkenswert ist auch die Verteilung nach Kontinenten. Dank des hohen Anteils an über 80-Jährigen bilden Europäer und Nordamerikaner mit zusammen rund 140 Köpfen eine klare Mehrheit. Dem stehen gut 100 Kardinäle mit einem Pass aus einem Land des "Globalen Südens" (Asien, Lateinamerika, Afrika, Ozeanien) gegenüber. Einige Kardinäle, wie etwa der aus Italien stammende Kardinal Giorgio Marengo in der Mongolei, sind keinem Erdteil klar zuzuordnen.