Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat das Schreiben des Papstes bei der Trauermesse für Gugel am Wochenende in Rom vorgelesen, wie das Portal "Vatican News" berichtete. Gugel, der am Donnerstag im Alter von 90 Jahren gestorben war, stand etwa 50 Jahre im Dienst des Vatikans, davon rund 28 Jahre lang als Butler von Johannes Paul I., Johannes Paul II. und Benedikt XVI.
Leo XIV. erinnerte in dem Telegramm an "einen langen und wertvollen Dienst am Heiligen Stuhl", den Gugel mit Treue und Sorgfalt geleistet habe. Er hob "die Rechtschaffenheit des Lebens und das beispielhafte christliche Zeugnis" Gugels hervor.
Vom Gendarmen zum Butler
Dieser arbeitete zunächst in der vatikanischen Gendarmerie und in der Verwaltung des Vatikanstaats, später fast drei Jahrzehnte im päpstlichen Appartement. Dort habe er "eine sensible und geschätzte Aufgabe erfüllt", indem er sich täglich den Päpsten widmete, so Leo XIV. in dem Telegramm.
Angelo Gugel, Sohn einer Bauernfamilie aus Venetien, war 1978 von Papst Johannes Paul I., seinem ehemaligen Bischof in Vittorio Veneto, zum Kammerdiener ernannt worden. Als der Papst am 28. September 1978 plötzlich starb, war Gugel einer der wenigen Menschen in seinem Sterbezimmer. Anschließend sagte er bei dem Prozess um die Seligsprechung seines Dienstherrn aus.
Erinnerungen an das Papst-Attentat 1981
Anlässlich des 100. Geburtstags von Johannes Paul II. 2020 erinnerte sich Gugel im "Osservatore Romano" an die Reisen mit dem Papst auf fünf Kontinenten sowie die wenigen Urlaubstage etwa im Aostatal.
Tief ins Gedächtnis eingebrannt seien ihm die Eindrücke des Attentats auf Johannes Paul II. am 13. Mai 1981, vom Einschussloch über den am Boden liegenden Papst bis hin zur ewig scheinenden Fahrt zur Gemelli-Klinik.
Korrekte Aussprache für den polnischen Papst
Dem "Corriere della Sera" erzählte Gugel 2018, der polnische Papst habe ihn auch sprachlich um Rat gefragt. "Ich war verblüfft, als mich der Heilige Vater am Morgen des 22. Oktober 1978, bevor er sich zum feierlichen Beginn seines Pontifikats auf den Petersplatz begab, in sein Arbeitszimmer rief und mir die Predigt vorlas, die er gleich halten würde", so der Butler.
"Er bat mich, ihm die falschen Aussprachen zu zeigen, und notierte sich mit einem Bleistift, wo die Akzente gesetzt werden mussten." Später habe der Papst lächelnd gesagt: "Wenn ich bei einem Wort den Akzent falsch setze, ist das zu 50 Prozent Angelos Schuld."